Gaildorf / Karl-Heinz Rückert  Uhr
Renate und Karl-Heinz Vogelmann aus Ottendorf kochen seit 25 Jahren beim Zeltlager des evangelischen Jugendwerks Gaildorf. Sie tischen Deftiges und Süßes auf, wie Wurstsalat und Pfannkuchen.

Renate und Karl-Heinz Vogelmann sind gerade von ihrem Einsatz in der Zeltlagerküche des evangelischen Jugendwerks Gaildorf (EJW) zurück. Es fand in Stirn bei Pleinfeld am Brombachsee statt. Seit 25 Jahren bekocht Renate Vogelmann die Lagerteilnehmer, unterstützt von ihrem Mann Karl-Heinz.

Bezirksjugendreferent Simon Schreiber hat mal hochgerechnet, mit wie vielen Mahlzeiten in diesen Jahren die Köchin hungrige Mäuler der Zeltlagerteilnehmer verköstigt hat. Er kam auf 20.000. Immerhin mussten an zehn Tagen der Lagerzeit auf verschiedenen Zeltplätzen im Zabergäu, bei Münsingen, in Hohenlohe oder wie gerade beim Brombachsee ­jeweils bis zu 80 Kinder im Alter von 9 bis 13 Jahren versorgt ­werden. Renate Vogelmann ist ­dabei stets gelassen, für sie ist das Kochen Routine. Dabei sieht sie sich selbst nicht als „die“ ­Köchin.

Das Ehepaar Vogelmann ist mit dem EJW schon lange verbandelt. Aushilfsweise schwang Renate Vogelmann in der Zeltlagerküche den Kochlöffel und fühlte sich nach dem Ausscheiden des bis dahin tätigen Küchenpersonals unvermittelt „ins kalte Wasser geschmissen“. Die examinierte Krankenschwester wundert sich heute noch, dass sie diese Kochdimension beherrscht.

Dieses Jahr geht das Ulmer Weinfest ins 13. Jahr. Dann gibt es wieder erlesene Weine und Spezialitäten.

Erholung während der Zeltlager ist für die Vogelmanns nicht drin. Um sechs Uhr in der Früh bis zum warmen Abendessen steht die Köchin mit Helferinnen in der Küche. Erst um 19 Uhr ist Schluss. Renate Vogelmann liegt viel daran, dass die Kinder gut versorgt sind. Der Speiseplan richte sich nach den Kindern und hat sich in den 25 Jahren auch verändert. „Schwieriger zu bekochen sind die Mädchen. Sie stehen auf Pfannkuchen oder Griesschnitten, während es die Buben eher mit einem deftigen Wurstsalat halten“, stellt sie fest. An Rückmeldungen fehlt es dem eingespielten Küchenteam nicht. Davon zeugen viele Fotoalben mit Widmungen der Zeltgemeinschaften: „Lecker, lecker Essen!“.

Während Renate Vogelmann in der Küche steht, besorgt ihr Mann auf Einkaufstour die Zutaten zu den Speiseplänen. Möglichst frisch vom Bauern soll es sein. So musste schon mal die Milch mangels anderer Mittel im Motorradanhänger transportiert werden, lacht der Mann für alle Zeltlagerfälle. Er unterstützt nicht nur die Küche, auch bei Problemen mit der elektrischen Einrichtung, Wasser oder Abwasser ist der versierte Elektriker zur Stelle. Er ist auch beim Auf- und Abbau des Lagers zugange, wenn es gilt, neben den Zelten die Einrichtungen mit Kochherden, Kühlschränken und Fritteusen auf zwei Lastwagen zu verladen.

Die Bewohner des Hauses Fehlatal besuchten dieser Tage den Hausener Vereinssitz der Tierauffangpflege Pfotenengel Zollernalb.

Nächtliche Radtour zum Lager

Und wenn während der Zeltlagerzeit in der heimatlichen evangelischen Kirchengemeinde in Ottendorf Unterstützung notwendig wird, schwingt sich der Kirchengemeinderat aufs Motorrad und hilft bei Mesnerdiensten aus, weil die eigentliche Mesnerin Renate Vogelmann ja die hungrige Meute versorgt. Wie sehr Karl-Heinz Vogelmann das Funktionieren der Zeltlager des EJW am Herzen liegt, zeigt seine nächtliche Radtour von Ottendorf in die Gegend von Rottweil, die er einst nach Feierabend antrat und rechtzeitig zum Frühstück am Lager eintraf.

Ans Aufhören denken die Vogelmanns noch nicht. Mögliche Nachfolger wurden in die Aufgaben eingebunden und leiteten erfolgreich kleinere Lagerküchen. „Man sagt nicht absolut Nein“, so die Ansicht der beiden. Sie schätzen das Freizeitopfer der Helfer. Solange man sie noch finde und es auch weiterhin Teilnehmer an den Zeltlagerangeboten des EJW gebe, dürfe es an der Küche nicht fehlen.

Erholung waren die Zeltlager für die Vogelmanns nie, für die Karl-Heinz Urlaubstage opferte. Ihren erholsamen Ausgleich finden sie bei kleinen Wanderausflügen. Zunächst aber trägt die Mesnerin die Gemeindebriefe aus, die bei der Rückkehr vom Brombachsee vor der Haustüre lagen. Und für Karl-Heinz Vogelmann ist Aufräumen angesagt, bevor der Beruf ihn wieder fordert.

Jugendreferent Schreibers Fazit zum Engagement von Renate und Karl-Heinz Vogelmann lautet: „Solche Menschen sind unbezahlbar!“

Das könnte dich auch interessieren:

Trotz guter Konjunktur haben die Gastwirte in Landgemeinden zu kämpfen. Ein Grund: die Gemeinschaftshäuser.