Gaildorf Erster Test fürs neue Floß gelingt

Gaildorf / Luca Stettner 20.07.2018

Vier Jahre lang hat es im Veranstaltungskalender gefehlt, nun kehrt es wieder zurück: Das Gaildorfer Stadt- und Floßfest beginnt. Bevor am Samstag die ersten Gäste den Kocher auf dem Floß erkunden können, muss das Gefährt natürlich getestet werden. Das geschah am Mittwochabend: Stadträte, der DLRG-Ortsgruppenvorsitzende Jürgen Köhnlechner sowie Bürgermeister Frank Zimmermann stiegen mit Markus Zaklikowski von der Limpurger Flößerzunft auf Höhe der Kocherwiese ins neu konstruierte Floß und fuhren den Kocher hinab.

Überzeugende Premiere

Die Jungfernfahrt verlief reibungslos; „spaßig und gut“, wie Zaklikowski festhält. Vier der 30 Mitglieder der Limpurger Flößer­zunft haben das rund eine Tonne schwere Floß Ende Juni innerhalb von vier Tagen gebaut. Angetrieben wird es mit vier Holzstangen, die vom Flussgrund abgestoßen werden – im Fachvokabular Staken genannt. Das übernehmen beim Fest Helfer und Mitglieder der Flößerzunft – je zwei vorne und hinten. Am Mittwoch gab’s sogar Unterstützung von Stadtrat Martin Zecha, der schon nach wenigen Metern mit anpackte. Sportlich: Nach getaner Arbeit sprang er kurzerhand in den Kocher – und legte den Rückweg unter dem Lob seiner Gemeinderatskollegen schwimmend zurück.

„Für die Flößer ist das Staken echt eine ehrenwerte Anstrengung, da kann man Respekt zollen“, meint Jürgen Köhnlechner. Als DLRG-Vorsitzender wirft er während der Testfahrt einen Blick auf die Sicherheit. „Die Stabilität ist gut“, befindet er das neu konstruierte Floß als tauglich. Zwar wird es im Normalbetrieb nochmals begutachtet – den Floßfahrten aber steht nach dem Test aus sicherheitstechnischer Sicht nichts im Weg. Einziger möglicher Risikofaktor: Wenn viele der maximal möglichen 24 Insassen auf einer Seite des Wasserfahrzeugs stehen, könnte dieses kippen. Aber hier vertraut Köhnlechner auf eine ausgewogene Verteilung auf den Sitzbänken und das Verantwortungsbewusstsein der Besucher: „Gefährlich wird es nur, wenn hier Gäste meinen, Quatsch machen zu müssen und rumgautschen“, erklärt er, hält aber fest: „Wir wollen hier nicht die Spielverderber sein. Beide Seiten wollen ja, dass das Floßfahren reibungslos verläuft: die Flößerzunft und wir auch.“ Die DLRG selbst ist am Wochenende für die Wasseraufsicht verantwortlich. Zwei bis drei Mitglieder werden dazu vor Ort sein – deren genaue Positionierung ist noch nicht festgelegt, denkbar sei ein Beiboot neben dem Floß.

Neben der Sicherheit sollte die Testfahrt eine zweite Frage beantworten: Wann auf der Strecke von der Kocherwiese flussabwärts in Richtung Münster muss gewendet werden, damit die Fahrt nach der angestrebten Fahrzeit von einer halben Stunde wieder am Ausgangspunkt Kocherwiese endet? Das ermittelte Ergebnis: Ungefähr auf Höhe der kleinen Brücke auf dem nebenliegenden Radweg. Gefahren werden kann diese Strecke am Samstag von 18 bis 23 Uhr und am Sonntag von 11 bis 15 Uhr sowie von 16.30 bis 18 Uhr. Für Erwachsene kostet die Fahrt 3,50 Euro, Kinder fahren für 1,50 Euro über den Kocher.

Vorbereitungen laufen

Bis zum Festbeginn ist für die Flößer aber noch einiges zu tun: So müssen etwa Flößerhaken besorgt und die Stände vollends aufgebaut werden. Zaklikowski: „Viele Kleinigkeiten sind noch zu erledigen. Wir freuen uns auf das Fest, sind aber auch angespannt, ob alles so klappt wie geplant.“ Neben den Floßfahrten können die Besucher an verschiedenen Ständen auch selbst handwerklich tätig werden – mit dem Sägen von Baumstämmen, dem Räppeln von Holz oder dem Einschlagen von Flößerzeichen. „Wir wollen den Besuchern die alte Handwerkskunst näherbringen“, erklärt Zaklikowski die Intention.

Am Sonntagmorgen marschieren die Flößer um 11 Uhr in ihrer Tracht vom Alten Schloss über die Kocherbrücke ein. Außerdem steht am Sonntagmittag das Schauflößen an: An einer Stelle zwischen Münster und Gaildorf werden Baumstämme in den Kocher gerollt und zur Kocherwiese geflößt. Dort werden sie dann mit Rückpferden aus dem Wasser gezogen. Auch dafür laufen letzte Vorbereitungen.

Über das Flößen hinaus soll sich das Fest mit einem vielfältigen Programm für Jung und Alt als Stadtfest etablieren. Los geht’s am Freitagabend mit der offiziellen Eröffnung um 18.30 Uhr.

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