Umwelt Erholung für Mensch und Tier

Das FFH-Gebiet „Wiesentäler bei der Menzlesmühle“: Damit keine Trampelpfade durch die Feuchtwiesen entstehen, hat das Regierungspräsidium Stuttgart den Bohlenweg erneuert.
Das FFH-Gebiet „Wiesentäler bei der Menzlesmühle“: Damit keine Trampelpfade durch die Feuchtwiesen entstehen, hat das Regierungspräsidium Stuttgart den Bohlenweg erneuert. © Foto: Ulrike Kreh
Gschwend / swp 13.10.2018

Das Regierungspräsidium Stuttgart hat vor 25 Jahren zwei kleinere Naturschutzgebiete zu einem größeren zusammengefasst. Seither heißt das Gebiet zwischen Kaisersbach und Gschwend „Wiesentäler bei der Menzlesmühle“ und ist 63 Hektar groß. Regierungspräsident Wolfgang Reimer nennt die Gründe: „Im Schwäbisch-Fränkischen Wald sind Wiesentäler mit frei mäandrierenden Bachläufen und Nasswiesen weiter zurückgegangen. Um diese schöne Kulturlandschaft zu sichern, war der großflächige Schutz der Wiesentäler um die Menzlesmühle erforderlich.“ Für viele Arten sei das Schutzgebiet das einzige Refugium weit und breit, wo sich ihr Bestand erhalten und ausbreiten könne. Fast alle Naturschutzgebiete stünden aber auch den Menschen zur Erholung offen.

Holzbohlenweg erneuert

Damit Besucher trockenen Fußes durch die meist ganzjährig nassen Wiesen wandern können, legte die Naturschutzverwaltung schon vor Jahrzehnten einen Holzbohlenweg an. Weil dieser etwas holprig und stellenweise verrottet war, musste er erneuert werden. Der Landschaftspflegetrupp des Regierungspräsidiums Stuttgart fertigte einen neuen Weg, der weniger rutschig und überdies rollstuhlgeeignet ist.

Viele Besucher kommen im Frühsommer zur Blütezeit von Trollblumen und Orchideen. Aber auch zu fortgeschrittener Jahreszeit kann man die beeindruckende Landschaft genießen und seltene, geschützte Pflanzen wie Wollgras, Teufelsabbiss und Sumpf-Herzblatt bewundern.

Das Naturschutzgebiet verdankt sein reizvolles Landschaftsbild den Nasswiesen, die früher oft als Streuwiesen genutzt wurden. Heute werden viele Streuwiesen nicht mehr bewirtschaftet – mit der Folge, dass sich nach und nach Hochstauden und Gebüsche ansiedeln. Lichtbedürftige Pflanzen wie Trollblumen und Orchideen werden dadurch verdrängt. Wichtig ist eine extensive Nutzung, das heißt einmal, maximal zweimal pro Jahr mähen und wenig oder gar nicht düngen. Da dies für einen Landwirt nicht lukrativ ist, hat das Land Baden-Württemberg im Naturschutzgebiet große Flächen aufgekauft, um über Pflegeverträge mit Landwirten eine entsprechende Bewirtschaftung zu sichern. Einige besonders nasse Grundstücke werden seit Jahren vom Landschaftspflegetrupp des Regierungspräsidiums Stuttgart mit Spezialgerät gemäht.

Vor allem für die seltene Schmetterlingsart Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling sind die extensiv genutzten Wiesen im Naturschutzgebiet ein wertvoller Lebensraum. Der Bläuling kann nur auf Wiesen leben, auf denen der Große Wiesenknopf gedeiht. Diese Pflanze ist Nektar- und Eiablagepflanze des Falters und Futterpflanze seiner Raupe. Unter den zahlreichen Heuschrecken- und Libellenarten im Naturschutzgebiet sind zwei weitere Repräsentanten besonders hervorzuheben: Die im nördlichen Württemberg sehr seltene Sumpfschrecke, die nur in Feuchtgebieten vorkommt, die mindestens einmal im Jahr überschwemmt werden. Und die Blauflügel-Prachtlibelle, die an kühlen, sauerstoffreichen, kleinen Wald- und Wiesenbächen mit lichtem Ufergehölz lebt. Die naturnahen Bachläufe und das saubere Wasser schätzen auch Fische wie die Groppe und das zu den Rundmäulern gehörende Bachneunauge. Die Täler bei der Menzlesmühle sind auch kulturhistorisch von Bedeutung: Die komplett erhaltene Menzlesmühle und die nicht weit entfernte Heinlesmühle schmücken heute als Museumsmühlen das Tal. Und bei der mit Strom betriebenen Hundsberger Sägmühle sind Mühlrad und Wasserzulauf noch einsatzbereit.

Info Ein Faltblatt über das Naturschutzgebiet kann kostenlos bei der Landesanstalt für Umwelt bezogen oder als PDF heruntergeladen werden:
www.lubw.baden-wuerttemberg.de

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