Flüchtlinge Engagierte Senioren betreuen Flüchtlingskinder im "Haus Lichtblick" in Gaildorf

Zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen: Ältere und junge Menschen machen im Gaildorfer "Haus Lichtblick" gemeinsame Sache, im Bild (von links) Gisela, Surjana, Brigitte, Alet, Karl, Islam und Friedl.
Zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen: Ältere und junge Menschen machen im Gaildorfer "Haus Lichtblick" gemeinsame Sache, im Bild (von links) Gisela, Surjana, Brigitte, Alet, Karl, Islam und Friedl. © Foto: Brigitte Hofmann
Gaildorf / BRIGITTE HOFMANN 24.12.2014
Liebe und Geborgenheit, die sie selbst im "Haus Lichtblick" erfahren, geben alte Menschen an junge weiter. Ein Akt der Nächstenliebe, aber auch ein Beitrag zur Integration, der Schule machen könnte.

Surjana zerlegt Zahlen, Alet schreibt und liest den Schneemann-Text und Islam bildet Sätze. Amina ist krank und deshalb zuhause geblieben; Ali aus Syrien ist heute auch nicht da. An diesem Nachmittag sind es nur drei, in der Regel aber fünf Kinder, die im "Haus Lichtblick" Hausaufgabenhilfe erhalten. Neli, Brigitte, Gisela, Karl und Friedl sind zur Stelle. Ob Alt oder Jung, alle duzen sich. Weil bald Schulferien sind, hält sich das Lernpensum in Grenzen.

Wie in einer richtigen Großfamilie

Aber, so lautet die Regel: Zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen. Brigitte Brainard ist eine gute und geduldige Hauslehrerin. Karl, mit seinen 94 Jahren, macht lieber Spiele, während Gisela für die Musik zuständig ist. Als schließlich auch Islam mit den Hausaufgaben fertig ist, setzen sich alle an einen Tisch und singen Weihnachtslieder. Wie in einer richtigen Großfamilie. Die Kinder bringen Leben ins Haus.

Islam, Alet, Amina und Surjana sind Geschwister. Die Familie stammt aus Tschetschenien und lebte einige Jahre in Frankreich, ehe sie im Frühjahr nach Gaildorf kam. Über den Freundeskreis Asyl und den neu gebildeten Stadtseniorenrat kam der Kontakt mit dem "Haus Lichtblick" zustande, einer Einrichtung für betreutes Wohnen im Herzen der Stadt.

Seit einigen Wochen schon bekommen die Senioren in den Nachmittagsstunden Besuch von den Kindern. Alle sind intelligent, sprechen neben ihrer Muttersprache auch Französisch, schon sehr gut Deutsch und sogar ein bisschen Englisch: "We wish you a Merry Christmas and a Happy New Year!" Singend wünschen sie frohe Weihnachten und ein glückliches neues Jahr! Alet und Surjana singen gern, und Gisela Gültekin begleitet sie mit Hingabe auf ihrer Gitarre. "In der Weihnachtsbäckerei" ist Alets Lieblingslied. Weil die Melodie so schön sei, sagt sie. Islam spielt lieber "Mühle", und er spielt gut. Aber Karl ist ein alter, schlauer Fuchs, und deshalb ist offen, wer von beiden die Partie gewinnt.

Die Aktion bereichert beide Seiten. "Für mich sind die Kinder so wichtig wie die alten Leute", sagt Friedl Schlude, die zusammen mit ihrem Mann Karl in Gaildorf ein neues Zuhause gefunden hat. Hier im Haus herrsche ein schönes und friedvolles Miteinander, man fühle sich angenommen und geborgen, und das sei doch das Wichtigste im Leben. In der Fremde angenommen sein, das würden auch die Kinder spüren, ergänzt die 92-Jährige, die ihr Wissen und ganz viel Lebensfreude an sie weitergibt.

"Es tut mir leid um alle Kinder, die in einer immer kälter werdenden Zeit solche Freude nicht erfahren dürfen", sagt sie. Fünf Kinder aus Krisen- und Kriegsgebieten erleben diese Freude im "Haus Lichtblick". Allerdings, bemerkt Leiterin Cornelia Dähmlow, stoße man bei einem täglichen Betreuungsangebot fast schon an Grenzen. Deshalb wären die Beteiligten froh, wenn sie Unterstützung von außen bekämen.

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