So viel hätt’ i net denkt“, gestand Initiator Martin Zecha dem Publikum bei seiner Begrüßung am Samstag. „So richtig dra glaubt hab’ i au net“, unterstrich er seine Zweifel. Ob es für das Projekt überhaupt Interessenten geben würde, war bei Veranstaltungsbeginn überzeugend beantwortet. Zum Vortrag des Biologen Dr. Dieter Bock aus Braunsbach waren fast 150 Personen in den Kernersaal der Gaildorfer Limpurghalle gekommen.

Die Ankündigung, dass es um „einen Garten für Schmetterlinge“ ginge und die Idee, den Insekten im Limpurger Land mehr Natürlichkeit anzubieten, stieß offensichtlich auf Neugier und engagiertes Interesse. Bürgermeister Frank Zimmermann zollte dafür Bewunderung, dass es innerhalb weniger Wochen möglich geworden war, solch eine Veranstaltung für die Stadt auf die Beine zu stellen.

Fruchtbare Zusammenarbeit

„Herzlichen Dank für Ihren besonderen Einsatz und für Ihr großes Engagement für unser schönes Städtle am Kocher“, lobte er das Zusammenwirken der zahlreichen Vereine und Ehrenamtlichen. Nicht ohne Stolz verwies er auf die vom Bauhof angelegte Bienenwiese vor dem Rathaus, „auch wenn der Rathaushonig noch etwas auf sich warten lässt“. Dieter Bock, der sich im Bund für Naturschutz in Schwäbisch Hall engagiert, berichtete in seinem abwechslungsreichen und frei gehaltenen Vortrag über 70 Minuten hinweg über die naturnahe Gestaltung seines eigenen Gartens in Braunsbach. Das ausgezeichnet zusammengestellte Bildmaterial zeigte beispielhaft, welche Möglichkeiten es gibt, aus einem insektenfeindlichen Tep­pichrasen vor dem Haus einen Lebensraum für Schmetterlinge zu schaffen. Bei der Suche nach Sämereien für eine Wildblumenwiese empfahl er die Beratung durch einen einschlägigen Fachbetrieb. Der promovierte Biologe zeigte, dass ein Garten für Insekten auch mit anderen Pflanzen und Sträuchern bepflanzt werden kann. Den früh blühenden Seidelbast, das große Buschwindröschen oder die kleinblättrige Pfingstrose für den Rosenkäfer nannte er als Beispiele für den Start ins Pflanzenjahr. Ein beständig gedeckter Tisch will für Bienen oder Schmetterlinge gut geplant sein. So ist das nickende Leimkraut im Sommer für Nachtfalter ein Anziehungspunkt.

Landwirtschaft World Organic Forum in der Bauernakademie

Schafschwingel statt Gras

Als Ersatz für Gras pflanzte Dieter Bock den Schafschwingel, der anderen Gewächsen Platz einräumt. Die Pflanzenvielfalt sorgt dafür, dass die Tiervielfalt gesichert wird. Denn die Insektengesellschaft ist spezialisiert. So sind die richtigen Pflanzen und Orte für Falter entscheidend. Unzählige detaillierte Nahaufnahmen von Schmetterlingen und anderen Insekten waren teilweise mit Musik oder Geräuschen unterlegt. Eine Heuschrecke, ein Tagpfauenauge, der Rosenkäfer oder eine Smaragdeidechse, die Holzbiene, Perl­muttfalter und Schwalbenschwanz fanden allgemeine Bewunderung. Der Aktionsnachmittag war sehr gut besucht. Beim Baubetriebshof, der IG Kunst, dem Imkerbund, Klimaschutz für Aufforstung, der Stadtbücherei mit der Buchhandlung sowie der Ottendorfer Mosterei konnte so manches Naturschnäppchen erstanden werden. Auch Informationsmaterial war zu erhalten. Daneben gab es mehrere Angebote für Kinder. Aus verschmutzten Händen rollte so manche aus Anzuchterde, Betonit und Wasser erstellte Samenbombe in den bereitgestellten Eierkarton. Traubenhyazinthen standen zum Verkauf bereit. Auch künstlerische Arbeiten waren erhältlich.

Die Bewirtung hatten die Obst- und Gartenbauvereine von Gaildorf und Unterrot übernommen. „Sie haben gesehen, was für ein Potenzial wir in unseren Gärten haben“, fasste Dieter Bock seinen Vortrag am Ende zusammen. Die Projektgemeinschaft ist zuversichtlich, dass diese Möglichkeiten im Limpurger Land durch zukünftige Aktionen vielfach ausgeschöpft werden können.

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Info


Die Projektgruppe will sich bereits am 22. März um 19 Uhr für weitere Planungen treffen. Die Zukunftswerkstatt Gaildorf hat ebenso Neues in Arbeit. Bis zum 31. Mai können sich Interessenten zum 1. Gaildorfer Blumenschmuckwettbewerb anmelden.