Urteil Elektroroller war total verschlissen

Schwäbisch Hall / Eleonore Heydel 14.02.2018

Mehr versprochen als gehalten hat ein 31-jähriger Mann aus dem Limpurger Land, der über das Internet einen Segway verkauft hat. Laut Angebot war der zweirädrige Elektroroller erst 30 Kilometer weit bewegt worden. Er sollte in gutem Zustand sein. Für 500 Euro pries er das Vehikel im März 2017 im Netz an. Ein 34-jähriger Projektleiter aus Frankfurt ging auf das Ebay-Angebot ein. Als der Mann das Kleinfahrzeug auspackte, stellte er fest: Der Segway war nicht neuwertig, sondern stark abgenutzt. Die zugesagte Betriebserlaubnis fehlte ebenso wie das Werkzeug. Er wollte den Deal rückgängig machen, aber der Verkäufer lehnte ab. Der Geprellte zeigte ihn da­raufhin wegen Betrugs an.

Im Haller Amtsgericht begegnen sich die beiden Männer zum ersten Mal. Der Beschuldigte hat Rechtsanwalt Gerhard Rehmann an seiner Seite. Als Zeuge ist der getäuschte Käufer pünktlich erschienen. Der 34-Jährige wollte am Tag der Verhandlung eigentlich wegen einer beruflichen Veranstaltung in Berlin sein. Er habe einen Ersatz als Projektleiter „einkaufen“ müssen. Entsprechend hoch werde sein Antrag auf Zeugenentschädigung ausfallen.

Angeblich in gutem Glauben

Der Angeklagte sagt, er habe den Segway in gutem Glauben so angeboten, wie er ihn selbst erworben habe. Er habe nicht gewusst, dass er statt 30 Kilometer schon 700 Kilometer gelaufen sei. Der getäuschte Projektleiter hält ihm vor: „Die Reifen waren völlig verschlissen!“ Das Vorderlicht habe gefehlt, die Lenkstange sei defekt gewesen. Staatsanwalt Sven Güttner fordert eine Haftstrafe von acht Monaten. Verteidiger Rehmann reagiert empört: „Das finde ich völlig neben der Spur!“ Der Anwalt plädiert in erster Linie auf einen Freispruch.

Der Angeklagte ist strafrechtlich kein unbeschriebenes Blatt. Richter Jens Brunkhorst verhängt wegen Betrugs eine neue Haftstrafe von vier Monaten ohne Bewährung. Der Fichtenberger hat mehrere ähnliche Vorstrafen, die aber noch nicht rechtskräftig sind. Der Grund: Er hat bisher keine Gefängnisstrafe akzeptiert. Er ist immer in Berufung gegangen. Seit August 2016 „hängen“ die Verfahren vor dem Landgericht Heilbronn als Berufungsinstanz. Es tut sich nichts. Also wird der 31-Jährige zunächst auf freiem Fuß bleiben.

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