„Megatoll!“, rief ein schon größerer Junge, als er die große Faules-Ei-Spielrunde auf der Wiese unterhalb der evangelischen Stadtkirche entdeckte, zu der nun auch er eingeladen war, nachdem er sich mit Namensschild und Spielausweis ausgestattet hatte. Der erste Ferien-Spieletreff war eröffnet.

Immer mittwochs im August lädt der Freundeskreis Asyl Gaildorf in Zusammenarbeit mit der Diakonischen Bezirksstelle in Gaildorf zu einem zweistündigen Spieletreff neben der Stadtkirche ein. Hier kann man von 16 bis 18 Uhr mit anderen Kindern spielen. Freundlicherweise öffnet die  Kirchengemeinde dazu die Tore ihres Gemeindehauses, sodass die Spieletreffs auch bei schlechtem Wetter – dann eben „indoor“ -  stattfinden können.

Ungewohnte Hürden

Die Idee dieser Ferienaktion entstand im Freundeskreis Asyl. Die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, die geflüchtete Familien begleiten, haben die Erfahrung gemacht, dass sich das Leben der Ferienkinder in den Herkunftsländern größtenteils auf der Straße abspielt. Den Eltern liegt es fern, sich schon Wochen vorher Gedanken darüber zu machen, wo und wie ihre Sprösslinge die schulfreie Zeit verbringen werden.

Für Kinder in Deutschland sind Ferienprogramme längst eine Selbstverständlichkeit geworden. Flüchtlingsfamilien, deren Kinder teilnehmen möchten, müssen ungewohnte Hürden überwinden: Anmeldeformalitäten, das fehlende Auto oder auch zusätzliche Kosten.

Gespräche mit Dagmar Seybold, einer Mitarbeiterin der Diakonischen Bezirksstelle Gaildorf, ergaben, dass ein offenes Spielangebot für die daheimgebliebenen Gaildorfer Kinder als wünschenswert, aber personell nicht leistbar angesehen wird. Deshalb versucht nun ein noch relativ kleines Mitarbeiterinnenteam Kindern ab sechs Jahren ein kostenloses gemeinsames Spielen mit anderen mitten in der Stadt zu ermöglichen. Für den heutigen Mittwoch, den 16. August,  wurde zur Unterstützung das inklusive Spielmobil der Offenen Hilfen Schwäbisch Hall auf den Kirchplatz eingeladen.

„Grenzenlos spielen“ lautet das Motto beim Ferien-Spieletreff. Kinder verschiedenen Alters, verschiedener Herkunft, verschiedener Fähigkeiten haben die Möglichkeit, sich auszuprobieren, ihre Kräfte zu messen und die Grenzen des „Das-kann-ich-nicht“ zu überwinden. So freuen sich alle mit, wenn, wie letzten Mittwoch geschehen, auch schon die kleine Sechsjährige es schafft, durch das große, schwingende Seil zu laufen, ohne es zu berühren. Und auf der eigens aufgebauten Rollenbahn wollte jede und jeder einmal den kleinen Abhang
hinuntersausen, bevor es am großen Schwungtuch zur gemeinschaftlichen Abschlussaktion kam. Grenzen setzen beim Ferien-Spieletreff nur die Spielregeln, die für ein gutes Miteinander notwendig sind.

Zirka 40 Kinder verabschiedeten sich letzten Mittwoch dann mit einer Geschicklichkeitsübung an der Schokokuss-Schleuder und konnten sich so den Nachhauseweg noch ein wenig versüßen.

Info Zu den nächsten Spieletreffs am 16., 23. und 30. August sind alle Kinder ab 6 Jahren wieder herzlich eingeladen, wenn es heißt: „Grenzenloses Spielen beim Spieletreff an der evangelischen Stadtkirche“.