Gaildorf / Hans Buchhofer  Uhr
Die Westseite der katholischen Pfarrkirche in Gaildorf mit ihrer Bleiverglasung bereitet der Kirchengemeinde schon seit Jahrzehnten Kummer. Nun muss gehandelt werden.

Als Franz-Josef Herz als zuständiger Pfarrer der Gaildorfer Katholiken die Kirche zu Ehren „unserer lieben Frau und des heiligen Joseph“ bauen ließ, ahnte er sicher nicht, welche Probleme die Westseite mit der Bleiverglasung und der hohe Turm seinen Nachfolgern bereiten würde. Die Kirche wurde am 11. November 1956 geweiht. Und schon unter Pfarrer Engelbert Bolsinger, der von 1963 an bis 1980 in Gaildorf tätig war, zeigte sich, dass die Wetterseite nicht dicht war.

Schwierige Ursachenforschung

In den 1980er-Jahren beauftragte die Kirchengemeinde die Gaildorfer Firma Schuster, eine Schutzverglasung vor der Bleiverglasung zu installieren. Noch vor 1990 rätselte der Kirchengemeinderat über eindringendes Wasser, das durch die Deckenleuchten des Seitenschiffs ins Innere floss. Jahrelang rätselten auch die Rottenburger Architekten über die Ursachen, doch erst in den vergangenen zwei Jahren wurde ernsthaft nach den Ursachen gesucht.

Vor allem dem Haller Architekten Roland Schuhmann und dem Glaskunstexperten Wilhelm Derix aus Volkach am Main sowie der freiwilligen Feuerwehr und dem städtischen Wasserwerk ist es zu verdanken, dass Licht ins Dunkel kam: Beim wiederholten Abspritzen der Fensterfront stellten die Experten fest, dass die motorbetriebenen Lüftungsflügel bei Starkregen nicht mehr richtig schließen und die Glashalteleisten die mehr als 80 Scheiben der Schutzverglasung nicht mehr ausreichend an die Gitterkonstruktion pressen.

Um Lösungen gerungen

Monatelang wurde über Lösungen nachgedacht. Es ging sogar so weit, dass man über eine Komplettsanierung nachdachte, also über die Neuinstallation der ganzen Fensterfront, wobei die Blei- und Schutzverglasung komplett ersetzt werden müsste. Das Rottenburger Architektenteam empfahl jedoch, die Bleiverglasung auf jeden Fall zu erhalten, da sie dem Charakter dieser Kirche entspreche, und nach Lösungen zu suchen, wie man die Scheiben besser abdichten könne.

Wilhelm Derix wusste erneut Rat: Die Scheiben müssen nach alter Tradition mit einer großen Kittmasse – die noch mit einer Spezialfarbe überstrichen wird – rundum gesichert werden. Das verspreche eine lange Lebensdauer. Drei der Fenster behandelten Kunstglaser aus Rottweil zur Begutachtung. Am vergangenen Donnerstag nun beauftragte der Kirchengemeinderat die Firma „Die Kunstglaser“ aus Rottweil, auch die übrigen Kirchenfenster in dieser Weise zu säubern und zu verkitten.

Inzwischen wurden der Turm und das Kirchengebäude komplett eingerüstet, denn die Westseite ist nicht die einzige Baustelle dieser Kirche: Der Turm muss neu gestrichen, der Blitzableiter auf den neuesten Stand gebracht werden. Schließlich gilt es noch, die Uhren und das Kreuz auf Schäden zu begutachten. Und: Die Elektrik der Kirche muss so ersetzt werden, dass sie den Brandschutzverordnungen gerecht wird.

Weitere Sanierungen nötig

Dieses Maßnahmenbündel kostet die Kirchengemeinde viel Geld. Fugen der Natursteinfassaden müssen teilweise erneuert werden, Flaschnerarbeiten sind fällig, und auch für den Zimmerer fallen einige Arbeiten auf dem Dachboden an. Einige Schäden wurden bereits behoben. Auf dem Kirchendach waren die Dachplatten auf einer Fläche von etwa zwei Quadratmetern zerbrochen. Dort konnte ebenfalls Wasser eindringen. Der ehemalige Treppenabgang zum Saal unter der Kirche wurde saniert, denn von dort war ebenfalls Wasser ins Untergeschoss eingedrungen. Saniert werden muss auch ebendieser Saal unter dem Kirchengebäude, um ihn wieder nutzbar zu machen. Und: Wasser findet auch an der Ostseite in der Nähe der Taufkapelle seinen Weg ins Innere.

Die aufwendigen Arbeiten werden sich bis zum Herbst hinziehen. Das heißt, dass die eingerüstete Kirche St. Josef noch viele Wochen das Stadtbild zieren wird.

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