Der Nächste links bitte.“ Bernd Zillert erhebt sich von seinem Stuhl und legt sich auf das frei gewordene Bett ganz außen. Krankenschwester Ute Hummel eilt herbei und bereitet die Blutentnahme vor. Sie bringt einen Schlauch am Arm an und desinfiziert die Einstichstelle. Dann pickst die Terminleiterin vorsichtig mit der Nadel in eine Vene am linken Arm. Das Blut fließt fast auf Anhieb.

„Ich habe schon 53-mal Blut gespendet. Vor etwa 25 Jahren habe ich bei der Bundeswehr damit angefangen, damals haben wir dafür freigekriegt. Seither mache ich es regelmäßig“, erzählt der Ottendorfer. Krankenschwester Ute Hummel hatte beim Einstich keine Schwierigkeiten: „Das ging bei ihm gerade schnell. Es gibt aber auch Spender mit schwierigen Venen.“ Sie macht das seit neun Jahren. „Bis zu einem gewissen Maß ist das mittlerweile Routine.“ Nun heißt es für Zillert warten. Neben ihm liegen im Kernersaal der Gaildorfer Limpurg-Halle auf acht weiteren Betten Blutspender. Sein Blut fließt über eine Mischwaage, die ein Blutgerinnungsmittel zugibt. Ist ein halber Liter gesammelt, gibt es ein Signal und die Entnahme stoppt automatisch.

Der 54-jährige Zillert ist einer von mehr als 130 Menschen, die sich bei der Spendenaktion vom DRK-Blutspendedienst Baden-­Württemberg-Hessen am Dienstag Blut abnehmen lassen. Die Aktion im Kernersaal der Gaildorfer Limpurghalle findet zweimal im Jahr statt.

Allmendingen

Im Foyer erhalten die Interessenten einen Fragebogen zur gesundheitlichen Vorgeschichte – wichtig, um sowohl Spender als auch Empfänger zu schützen. Ist der ausgefüllt, geht’s weiter zum Labor. Sind keine Auffälligkeiten erkennbar, folgt ein Arztgespräch. Gibt der Mediziner anhand des Fragebogens und der Messergebnisse das Go, steht der Blutentnahme nichts mehr im Wege. Die dauert rund sechs bis 15 Minuten – auf einem Bett im Kernersaal werden ein halber Liter Blut sowie eine minimale Menge im Röhrchen zur Untersuchung entnommen. Im Sitzen oder Liegen ruhen sich die Spender dann rund zehn Minuten aus. Um die verlorene Blutmenge schnell zu ersetzen, gibt’s nebenan Gulaschsuppe, Kürbiscremesuppe und Kuchen. Reichliches Trinken ist wichtig. Erstspendern werden längere Ruhephasen empfohlen.

Der gesamte Prozess dauert rund 45 bis 60 Minuten – inklusive anschließender Stärkung. Drei Ärzte, sieben Krankenschwestern, ein Labor-Betreuer und 22 ehrenamtliche Helfer vom DRK-Ortsverein Gaildorf sorgen für einen möglichst schnellen Ablauf.

Langer Tag für die Helfer

„Wir wollen das zeitlich für die Spender möglichst angenehm gestalten“, erklärt der Blutspenderepräsentant des DRK-Blutspendedienstes Baden-Württemberg-­Hessen Jörg Deuser. Damit das gelingt, sind die Gaildorfer DRK-Helfer seit sieben Uhr in der Früh auf den Beinen – sie haben gekocht und in der Halle alles vorbereitet.

„Der demografische Wandel ist für uns eine Herausforderung. Die Generation, die die Blutspenden benötigt, steigt stetig. Die Spendergeneration sinkt dagegen. Deshalb ist es sehr wichtig, Blut zu spenden“, erklärt Deuser. „Blut ist nicht künstlich herstellbar. Also gibt es keine Alternative zum Spenden“, ergänzt Kai Sprung, Bereitschaftsleiter des DRK-Ortsverein Gaildorf. Besteht das gesammelte Blut die Erreger-Untersuchungen, wird es am häufigsten zur Behandlung von Krebspatienten eingesetzt. Es folgen Erkrankungen des Herzens, Magen- und Darmkrankheiten sowie Sport- und Verkehrsunfälle. Im Foyer informiert der selbst betroffene Wilfried Hess mit einem Stand des Vereins Lebertransplantierte Deutschland außerdem über die Möglichkeit einer Organspende.

Nach nicht einmal zehn Minuten meldet die Blutmischwaage bei Zillert dann das Erreichen der 500-Milliliter-Marke. „Ist alles okay?“, fragt ihn Ute Hummel. Er bejaht kurz. Die Krankenschwester entfernt die Nadel, tupft die Wunde und legt ihm einen Verband an. Ein weiterer Helfer begleitet ihn zur Ruhezone, wo er noch einmal für zehn Minuten still sitzt. Dann gibt’s nebenan zur Stärkung eine Gulaschsuppe und ein Stück Kuchen. Und ganz viel Wasser.

Info

Der DRK-Ortsverein Gaildorf freut sich über Unterstützung. Infos gibt’s auf dessen Facebookseite.