Bands Eine echte Untergrundband?

Die Bandmitglieder von „The Easysin“ stehen vor einer Eierschachtel-Wand im Gaildorfer Untergrund: (von links) Ralf Herbig, Alex Wilson, Uwe Zinn, Bernd Izsák und Claus Krahn.
Die Bandmitglieder von „The Easysin“ stehen vor einer Eierschachtel-Wand im Gaildorfer Untergrund: (von links) Ralf Herbig, Alex Wilson, Uwe Zinn, Bernd Izsák und Claus Krahn. © Foto: Maya Peters
Gaildorf / Maya Peters 07.10.2017
„The Easysin“ arbeitet an der zweiten CD. „Musik macht uns Spaß“, meinen die fünf Männer, die in Gaildorf im Keller eines Fahrradraums proben.

Als Boygroup gehen wir nimmer durch“, scherzt Sin, eines der fünf Mitglieder von „The Easysin“. Auf ihrer Facebookseite heißt es stattdessen: „Wir sind buchstäblich eine „Under­ground-Band.“ Denn geprobt wird seit einigen Monaten immer montags mitten in und zugleich unter Gaildorf – im technisch gut ausgestatteten Kellerraum eines Fahrradgeschäfts. „Nur eine Toilette fehlt“, bedauern alle.

Der Kern der Gruppe, Easy und Sin (die mit bürgerlichen Namen Bernd Izsák und Uwe Zinn heißen), haben schon vor Jahrzehnten zusammen gespielt. Deren Großväter, beide waren Donauschwaben, kannten sich bereits vor ihrer Flucht nach Gaildorf. Die fünf „50-plus“-Männer verbindet langjährige Freundschaften und ungezählte Jahre Musik, gemeinsam und in anderen Gruppen. „Cover-Songs singen und spielen wir aber nur noch zum Aufwärmen“, meint Alex Wilson. Damit könnte man zwar Geld verdienen, „aber das wollen wir so nicht“.

Der Schotte ist ein „Exot“ unter den gebürtigen Gaildorfern und dem Gschwender Ralf Herbig. Wilson dichtet die englischsprachigen Texte für „The Easysin“. Komponiert und arrangiert werden die Songs gemeinsam. „Wenn du schreibst, hast du schon eine Melodie im Kopf“, meint er. Wenn aber beim Vorspielen die Mienen versteinerten, dann sei die Idee durchgefallen. Manchmal würden so ganze Passagen geändert.

Jeder Musiker hat seine eigene Art des Aufschreibens: Die Ausdrucke sind teils mit Akkorden, teils handschriftlich mit Riffs oder Grundtonarten ergänzt. Über „Dropbox“ könne jeder daheim üben und sich beispielsweise den Gesang oder die Sologitarre herunterladen, erzählt Easy.

Viele Musikrichtungen

Im vergangenen Jahr ist ihre erste Platte „Desert Road“ herausgekommen. Rund zwei Jahre haben „The Easysin“ daran gearbeitet. Sie ist bei Amazon, Google Music, Spotify, Deezer und anderen Anbietern erhältlich, ebenso bei Media Markt in Schwäbisch Hall. Denn dort arbeitet ihr Schlagzeuger Claus Krahn.

Der Rockmix ist beeinflusst von den vielen Musikrichtungen, die die fünf Männer hören – von Hard Rock, von Funk und Blues –, und deshalb beim Hineinhören überraschend. Er lässt sich in keine Schublade stecken. „Das war eine hohe Lernkurve bei unserem ersten Album“, meint Wilson.

Er lebt seit 1988 in Schwäbisch Hall. „Zur Musik kam ich wie die Jungfrau zum Kinde“, schmunzelt er. Damals sei der Bassist Easy auf ihn zugekommen, um für ihn ein englisches Lied zu schreiben. „In Easys Studio in Rieden haben er, Sin und ich dann gleich Sachen aufgenommen“, erinnert sich Wilson, der so in der Band Aufnahme fand – als Sänger und Gitarrist.

Seine Stimme sei im Laufe der Zeit rauer geworden, meint er. Anfangs sei es einfach nur ums Spielen gegangen. Daraus entwickelte sich eine Suche nach dem eigenen Ausdruck. „Wir brauchten noch jemanden, der ein Solo spielt“, ergänzt Easy. Und so seien sie vor etwa zweieinhalb Jahren auf Ralf Herbig zugegangen, den sie rund 30 Jahre nicht mehr gesehen hatten. „Das hat gleich gepasst.“

Nur dauerhaft einen Drummer zu finden, das sei schwieriger gewesen. Im August 2016 stieß Claus fest zu ihnen, und „The Easysin“ war geboren – zusammengesetzt aus den Namen der beiden Initiatoren, die bereits als „Easy Sin“ 2014 eine deutschsprachige Platte herausgebracht haben.

„Wir wollen uns weiter steigern“

Alle Mitglieder arbeiten neben ihrer Musik in Vollzeit. „Man darf sich nichts vormachen“, meint Ralf auf die Frage, wohin sie als Gruppe streben. „Aber wir wollen uns weiter steigern. Vielleicht gibt es ja einen Song, der größeren Erfolg hat.“ Gerne würden sie auf kleinen Festivals spielen. Bisher seien sie nur auf privaten Festen aufgetreten. „Wir wollten für öffentliche Konzerte noch mehr Material aufbauen“, erläutert Wilson.

Ihr bester Verkäufer sei jedenfalls Claus. Den Vertrieb der CD hat „The Easysin“ selbst übernommen. „Wir haben schon nach Thailand, in die USA, nach China oder Österreich verschickt“, freut sich Easy.

„Unsere nächste CD wird wahrscheinlich wieder breit gefächert“, meint Alex Wilson. Ende dieser Woche werde der erste Song dafür aufgenommen.

Und später wolle man eine „CD-Release-Party“ geben. „Eben, weil wir kein Geld mit unserer Musik verdienen müssen, macht sie so viel Spaß.“

Zwischen 1959 und 1967 geboren

Lead-Sänger Alex Wilson wurde 1965 in Elgin/Schottland geboren. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. Der technische Übersetzer wohnt in Westheim (Rosengarten) und spielt auch Rhythmus-Gitarre.

Uwe Zinn („Sin“) wurde 1965 in Gaildorf geboren. Er ist verheiratet und lebt in Unterfischach. Der Betriebswirt und Bilanzbuchhalter spielt Rhythmus-Gitarre und singt Lead- wie Backing-Vocals.

Bernd Izsák („Easy“), der Bassist der Band, kam im Jahr 1965 in Gaildorf zur Welt. Er ist verheiratet und hat drei Kinder. Der Industriemechaniker wohnt in Rieden (Rosengarten) und singt auch Backing-Vocals.

Ralf Herbig, geboren 1967, ist verheiratet und hat eine Tochter. Der Organisationsprogrammierer und Projektleiter lebt in Gschwend und spielt Lead- wie Rhythmus-Gitarre.

Claus Krahn, der Schlagzeuger aus Großaltdorf, wurde 1959 in Gaildorf geboren. Der Fachverkäufer ist verheiratet. may

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