Gaildorfer Stadtmalerin Kunst mit Motorsäge und Holz

Gaildorf / Richard Färber 09.08.2018
Cornelia Brader ist wieder in Gaildorf. Die Holzbildhauerin arbeitet derzeit auf dem Bauhofgelände an einer Eichenskulptur. Das Holz stammt aus dem Fichtenberger Gemeindewald.

Man hört sie schon von Weitem, wenn man sich dem Gaildorfer Bauhof nähert. Cornelia Brader, 18. Gaildorfer Stadtmalerin, bearbeitet dort einen Eichenstamm mit der Motorsäge. Die aus Memmingen stammende Holzbildhauerin ist am vergangenen Sonntag in Gaildorf angekommen. Etwa zweieinhalb Wochen wird sie nun als Stadtmalerin arbeiten; es wird voraussichtlich ihre längste Schaffensperiode in Gaildorf sein.

Eindrücke vom Pferdemarkt

Cornelia Brader ist eine Ausnahmestadtmalerin. Anders als ihre Vorgängerinnen und Vorgänger verbringt sie aus familiären Gründen nicht den Großteil ihres Stipendienjahres im Kochertal. Sie hat sich auch nicht um das Stipendium beworben, sondern war dazu aufgefordert worden, weil man gezielt eine Bildhauerin oder einen Bildhauer gesucht hatte. Entdeckt wurde sie von Rolf Deininger, der die Stadtmaler seit je unter seine Fittiche nimmt und betreut, in einer Galerie in Wertheim, die auch Drucke der 13. Stadtmalerin Anastasiya Nesterova zeigte.

Ihre Arbeitsaufenthalte legt Cornelia Brader jeweils in die Ferien und zwei hat sie mittlerweile auch schon hinter sich: An Ostern verarbeitete sie die Eindrücke, die sie beim Pferdemarkt im Februar gewonnen hatte, zu einer Pferdeskulptur aus Pappelholz. An Pfingsten erschien sie wieder und schuf ein Holzporträt von Frank Selten, dem Saxofonisten der Barrelhouse-Jazzband, die beim Pferdemarktfrühschoppen gespielt hatte. Jetzt also eine „Badende“: eine grob konturierte Frau im weißen Badeanzug und mit mutmaßlicher Dauerwelle. Als Modell dient eine Miniatur, die Brader mitgebracht hat. Mit den „kleinen Leuten“ hat sie während des Studiums in Bremen begonnen; die Idee war, sie an Strand­urlauber zu verkaufen.

Die Großskulptur dieser „Badenden“ wird man freilich kaum lupfen können. 2,20 Meter lang ist der Eichenstamm, der auf dem Bauhofgelände liegt; abgesägt von einem sechs Meter langen Stück, das die Stadt der Gemeinde Fichtenberg abgekauft hat (der Kaufpreis war bis gestern nicht zu eruieren, wird aber vermutlich in der Ertragsrechnung des Gemeindewaldes erscheinen). Dem Rolf Deininger habe sie gesagt, was sie benötige, sagt Cornelia Brader, und dann lag ein sechs Meter langer Eichenstamm da, von dem das Stück, das sie benötigt, abgetrennt wurde.

Hilfe vom Bauhof

Eigentlich arbeitet die Stadtmalerin im Schlosshof, in diesem Fall aber hat Cornelia Brader entschieden, zumindest die ersten Tage den Bauhof zu nutzen, weil ihr die Mitarbeiter dort auch beim Aufstellen und Umlegen des zentnerschweren Stammes helfen können. Zudem kann sie dort unbekümmert eine Benzinmotorsäge benützen: der Lärm stört nicht. Der Stamm sei wohl schon eine Weile gelegen, sagt sie, das Holz sei recht trocken: „Mit der elektrischen Säge hab ich gar nichts weggekriegt.“

Skulpturen aus Eichenholz sind witterungsbeständig, können problemlos im Freien aufgestellt werden und halten ewig. Bloß die Bemalung müsse man gegebenenfalls, wenn man will, nach ein paar Jahren erneuern, erklärt Cornelia Brader. Sie könnte sich vorstellen, die „Badende“ im Freibad auf dem Kieselberg aufzustellen – „aber das entscheidet natürlich die Stadtverwaltung“.

Auch an der nächsten Auflage von „Gaildorf chillt“ wird sich die Stadtmalerin beteiligen. Man wird sie auf dem „Gaildorf chillt“-­Gelände in einem Fichtenwäldchen antreffen und wer möchte, kann mit ihr zusammen „LandArt“-­Objekte aus Naturmaterialien gestalten. Vielleicht könne man die fertigen Objekte dann auch noch eine Weile ausstellen, sagt die Gaildorfer Jugendreferentin Pia Dahlinger, die „Gaildorf chillt“ ersonnen und zu einem Markenzeichen der Stadt entwickelt hat. Die Lebensdauer dieser Waldgalerie wäre allerdings begrenzt. Die Veranstalter haben die Auflage, keine Spuren zu hinterlassen.

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