Ein Württemberger als Festtagswein

SWP 21.12.2013

Zum Weihnachtsfest darf es gerne einmal ein außergewöhnlicher Tropfen sein. Nach einer Umfrage der Berliner Weinakademie wollen 61 Prozent der Deutschen dabei zu Wein (und nur zwölf Prozent zu Bier) greifen. Die meisten haben dann einen Italiener oder einem Franzosen im Blick. Doch es gibt auch in Deutschland außergewöhnliche Weine - und Winzer. Boris Birkert aus Bretzfeld-Adolzfurt ist einer davon und sagt: "Auf dem Weg zur endgültigen Reife ist Zeit unsere wichtigste Zutat."

Dieser Spruch ist nicht neu. Aber Birkert lebt ihn. Das kann man aus seinem eigenen Lebenslauf herauslesen. Nach der Ausbildung ging der heute 38-Jährige auf Wanderschaft. Stationen in Südafrika, Kalifornien und im Burgund formten nicht nur den Menschen, sondern auch die Weinphilosophie. 2000 kehrte der Diplom-Ingenieur für Oenologie (Kellerwirtschaft) und Weinbau zurück.

Wer etwas Geduld hat, kann deshalb in seinen württembergischen Weinen auf Zeitreise gehen. 110000 Flaschen keltert Birkert. Im Jahr 2010 erhielt sein Weingut erstmals eine Traube im renommierten Gault Millau: 89 Punkte gab es für den 2006er roter Barrique-Cuveé CM trocken. Birkert, der alle seine Weine ausschließlich selbst vermarktet, blieb nicht nur damals bescheiden: "Ich schaffe nicht für Sterne und Trauben. Diese kommen, wenn die Tester mit meinen Weinen zufrieden sind."

Seitdem sind so einige Auszeichnungen dazugekommen. Unter anderem sind aktuell noch zwölf Weine aus verschiedenen Jahrgängen zu kaufen, die bei DLG-Bundesweinprämierungen ausgezeichnet wurden. Alle 50 Produkte gibt es in der großzügigen Probierstube zum Testen, der sechsmal pro Jahr für sechs Tage geöffnete Besen bietet 100 Sitzplätze in drei Räumen. Das geht von leichten Trollingern und Rieslingen (Literflasche ab rund vier Euro) bis zu komplexen Rotweincuvées (20 Euro für die 0,75-Liter-Flasche).

Der Test beginnt mit der Riesling-Spätlese 2012. Dank der natürlichen Restsüße kommt er süffig und fruchtig daher, der Jahrgang ist angenehm rund. Nicht zum Vierteles-Schlotzen, sondern zum Essen passt der Weiße Burgunder, der zu 50 Prozent im Barrique-Fass ausgebaut ist.

Den Sauvignon Blanc sieht Birkert als eine der Zukunftsorten. Allerdings waren die Reben beim Lesen bereits sehr reif. Etwas grüner wäre er rassiger geworden. So ist die Säurestruktur gut abgepuffert, er ist klar und sauber. "2013 wird frischer", verspricht der Adolzfurter. Denn die Trauben waren relativ früh reif, bevor aufgrund des feuchten Wetters das Fäulnisproblem in den Weinbergen begann.

Wir wechseln zu den Rotweinen. Trollinger-Reben bringen im Alter kräftigere und vollere Weine hervor. Mit leichter Süße erfreut der fruchtige 2011er. Der Lemberger S wurde gerbstoffbetont ausgebaut, er ist etwas kantiger und braucht unbedingt Luft vor dem Trinken.

20 Monate im Eichenfass gereift, muss der Roburis M (2009) auf alle Fälle vorab dekantiert werden. Nach ungefähr einer Stunde an der Luft wird der Merlot dank der sehr reifen Trauben ein Festtagswein mit viel Geschmack nach reifen Brombeeren und schwarzen Johannisbeeren. Für 15 Euro findet man solch einen edlen Tropfen selten - nicht einmal in Südafrika oder dem Burgund.

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