Wer würde sich denn trauen, den Begriff Mobbing mal zu erklären?“ Referent Moritz Scherzer vom Karlsruher Bündnis gegen Cybermobbing geht gleich zu Beginn seines Vortrags mitten hinein in den Schlagwortsumpf. Anfangs kommen die Antworten nur zögerlich. Wer sich meldet, bekommt das Mikrofon und das Wort erteilt. „Wenn fünf Leute auf einen – dann ist das Mobbing“ lautet die etwas unsichere Erklärung aus Schülermund. „Mobbing ist, wenn man jemanden die ganze Zeit rumschubst“, lautet eine weitere. Moritz Scherzer weiß, dass viele Erkenntnisse direkt von seinen Zuhörern kommen können. Er selbst muss lediglich präzisieren und näher erläutern. Die Suche nach dem „Cyber“ ist mit „Internet“ für die Sechstklässler schnell und nachvollziehbar erklärt.

Nach einer halben Stunde mit vielen Beispielen und Erfahrungen von Mobbing, die von den Schülern berichtet werden, erhält das Schlagwort dann seine verständliche Bedeutung: „Cybermobbing bedeutet, dass jemand über einen längeren Zeitraum, also das heißt Wochen, Monate, manchmal sogar Jahre, von anderen fertig gemacht wird“, lautet die eingängige Formulierung des Referenten. „Und zwar immer mit dem einen Ziel, dem zu schaden.“

Moritz Scherzer hat viele Beispiele parat: ein peinliches Foto an alle möglichen Leute verschicken, Lügen und Gerüchte streuen und damit unentwegten Druck auf einen Menschen auszuüben. Der längere Zeitraum und eine nachweisbare Planungsabsicht sind entscheidend. Eine einmalige Streiterei darf nach Ansicht von Scherzer nicht gleich als Mobbing bezeichnet werden.

Am symbolhaften Beispiel eines Königs mit seinen Prinzen wird verdeutlicht, welche gruppendynamischen Prozesse bei einem Mobbinggeschehen ablaufen. Der Bandenchef und seine Mithelfer setzen einem Einzelnen mit erniedrigenden Peinlichkeiten zu, beleidigen ihn und machen ihn in der Schule schlecht.

Ganz nah am Alltag dran

Die Zuhörer folgen gebannt den Ausführungen. Hier wird schulisches Alltagsleben präsentiert, das bei vielen schon Angstsituationen auslöste. Betroffenheit macht sich breit. Das alles kennt man. Doch Moritz Scherzer zeigt auch Wege aus dem Dilemma. Es gehört einfach ein wenig Mut dazu, sich dem Angegriffenen an die Seite zu stellen, damit der mächtige König mit seinen Prinzen seine gemeinen Waffen verliert.

Warum wird jemand fertig gemacht? Die Liste der Antworten aus dem Publikum ist treffsicher aufgestellt: Hautfarbe, Größe, Fettsack oder Bohnenstange, Dummheit oder Intelligenz, Ausländer, Ängstlichkeit. Schlimm ist, dass jemand auf die Idee kommt, aus diesen Gründen jemanden fertig zu machen.

Schulsozialarbeiterin Katharina Deeg von der Arbeiterwohlfahrt Schwäbisch Hall hat sich für die Profiltage der Klassen sechs nach den Faschingsferien das Thema Medien und Cybermobbing vorgenommen. Die schülergerechte Veranstaltung mit Moritz Scherzer im Kernersaal ist als Einstieg in das heikle Thema gedacht. Auch das gesamte Lehrerkollegium der Realschule war bei Scherzer schon im Unterricht. Die Eltern sind am 19. März um 20 Uhr im Kernersaal zu einer Informationsveranstaltung zum Thema eingeladen.

Katharina Deeg wünscht sich, dass solch eine Reihe jedes Jahr wiederholt wird. Sie beobachtet, dass die sprachliche Hemmschwelle bei den Jugendlichen im „Chat“ inzwischen sehr niedrig und damit oft äußerst verletzend geworden ist. Man habe in solchen Fällen auch schon die Polizei eingeschaltet. Die Beamten erläutern den Schülern dann die gesetzlichen Vorgaben und beraten auch in Mobbingsituationen.

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