Kunst IG Kunst: Ein Schmaus für Auge, Ohr und Hirn

Gaildorf / Alexander Ruff 13.06.2018
Die IG Kunst zeigt in der Galerie im Alten Schloss in Gaildorf Werke des Schwäbisch Gmünder Künstlers Rolf Thuma: verspielt, ironisch, reduziert.

Barbara Weise lockt mit  Überraschungen. Das Vorstandsmitglied der IG Kunst eröffnet am vergangenen Sonntag die Ausstellung „mal anders“ von Rolf Thuma – und verspricht nicht zu viel. Denn bei Thuma läuft alles ein wenig anders. Welche Künstlerin und welcher Künstler, die bisher in der Galerie im Alten Schloss in Gaildorf ausgestellt haben, hat jemals alle seine Bilder, gegliedert nach Räumen und Themen, mittels einer Power-Point-Präsentation erklärt? „Who The Fuck Is Rolf Thuma?“ steht auf der Folie.

Eine Vernissage sei eine todernste Sache, sagt Thuma. Die Gäste müssten mit leicht nach links geneigtem Kopf bedeutungsvoll dreinblicken und unverständliche Bewunderungslaute von sich geben. Er nimmt die Gäste in seinem Vortrag mit und bringt sie zum Lachen.

Sichtbares und Verborgenes

Dem Titel der Ausstellung entsprechend, versteht es Rolf Thuma ausgezeichnet, mit allen möglichen Materialien spielerisch umzugehen und eben dadurch Reduktion zu erreichen, notgedrungen. Die sich hierbei abzeichnende Ironie im Umgang mit der Welt hilft unter Zuhilfenahme der eigenen Fantasie, das Dargereichte zu durchdringen. Der Künstler spielt mit Farben, Techniken und Motiven. Der Betrachter gleitet zwischen Sichtbarem und Verborgenem hin und her. Dies ist beabsichtigt, laut Aristoteles die höchste Form von Kunst.

Eines von vielen Beispielen ist ein gemalter Damenschuh mit dem Titel „Starker Auftritt“, dessen immens hoher Absatz durch eine Leiter ersetzt wurde. Bedarf es dieses Hilfsmittels, um sich diesen Schuh anzuziehen, oder meint die Trägerin, schlanken Fußes bereits ganz oben angekommen zu sein, oder besteht gar die Gefahr eines jähen Absturzes oder … oder … ?

Ein weiteres Beispiel trägt den Titel „Ich habe einen Traum“, inspiriert durch Martin Luther King. Gezeigt wird ein menschlicher Kopf, dessen Umriss ein Elektrokabel bildet, das aufgesplissen im Gehirn mündet und bei Schalterbetätigung das mit LED-Lämpchen nachgebildete Wort „IDEE“ erleuchten lässt. Auf der Rückseite eine Multiplexplatte mit Kabeln, Schrauben, Bohrungen, Klebe- und Frässtellen, teilweise mit Kunstharz verfüllt. Auf Nachfrage erfährt man, dass dieses Bild zur sogenannten Baumarktserie gehört.

Erotische Kurzgeschichte

Alle 64 Bilder sind in Themen unterteilt, jedes Thema besteht aus mehreren Bildern. So auch die aus vier Bildern bestehende Bildfolge mit dem Titel „Eine erotische Kurzgeschichte oder Angebot und Nachfrage“, wo es zu Beginn um die figürliche Darstellung eines weiblichen Oberkörpers geht, der im Verlauf bildhaft und farblich reduziert wird auf die reine Lebensfreude, so Thuma.

Die musikalische Umrahmung der Ausstellungseröffnung hat der Künstler selbst organisiert. Das Trio „Musica est-ovest“, bestehend aus Geige, Akkordeon und Kontrabass, spielte vier Stücke aus dem osteuropäischen Raum, die Darbietung ist an Hingabe und Perfektion kaum zu übertreffen. Heinrich Reh richtet als ehrenamtlicher Stellvertreter des Bürgermeisters Frank Zimmermann ein Grußwort an die Gäste: „In diesem Schloss hat die Kunst ein Zuhause“, sagt er und dankt der IG Kunst für ihre Arbeit. Und Blumen gibt’s dann auch noch, allerdings nicht für den, sondern vom Künstler: Rolf Thuma bedankt sich bei Vorstandsmitglied Verena Geiger für die Organisation der Ausstellung mit einem Blumenstrauß.

Info Der Autor ist Mitglied im Vorstand der IG Kunst.

Der Volkswirtschaftler, der zum Künstler wurde

Der Künstler Rolf Thuma, Jahrgang 1954, studierte Volkswirtschaft und arbeitete bis 2009 selbstständig als Rechtsbeistand und Steuerberater. Er beschäftigte sich schon als Kind mit Malerei und betrieb diese als Ausgleich. 2008 hatte er seine erste große Einzelausstellung, seit 2009 gibt es jährlich zwei bis drei Ausstellungen von ihm zu sehen. Der in Schwäbisch Gmünd lebende Künstler war Finalist bei verschiedenen Kunstwettbewerben, u. a. in Leverkusen beim 6. europäischen Künstlerwettbewerb „Künstler entdecken Europa“.

Die Ausstellung „mal anders“ wird bis 1. Juli in der Galerie im Alten Schloss in Gaildorf gezeigt. Sie ist samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung geöffnet. Telefon: 0 71 71 / 4 41 67. Führungen werden am 17. und 24. Juni sowie am 1. Juli jeweils um 15 Uhr angeboten. Der Künstler ist während der Öffnungszeiten anwesend.

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