Welzheim Ein Ort von Gewalt, Unterdrückung und Tod

Das ehemalige Amtsgerichtsgefängnis Welzheim, das 1935 zum KZ wurde. Dieses Foto ist der Einladungskarte zur Eröffnung der Dokumentation entnommen. Foto:Kühnle
Das ehemalige Amtsgerichtsgefängnis Welzheim, das 1935 zum KZ wurde. Dieses Foto ist der Einladungskarte zur Eröffnung der Dokumentation entnommen. Foto:Kühnle
Welzheim / SWP 11.01.2013
Nicht nur in den Vernichtungslagern der Nazis wurden Menschen gequält und ermordet, auch im Schwäbischen Wald. In Welzheim wird nun mit einer Dokumentation zum einstigen KZ der Opfer gedacht.

Eine Gruppe ehrenamtlich engagierter Menschen hat sich 24 Jahre nach Veröffentlichung der Dokumentation von Gerd Keller und Graham Wilson zum einstigen Konzentrationslager Welzheim erneut auf Spurensuche begeben. Vor dem Hintergrund: Gerade mit Blick auf den größer werdenden Abstand zur Schreckensherrschaft der Nazis "ist es wichtig, daran zu erinnern, dass auch im Ländle die Gewalt- und Tötungsmaschinerie der Nationalsozialisten ihren Platz hatte - und nicht nur in den großen Vernichtungslagern wie Dachau und Auschwitz", heißt es in einer Einladung der Stadt Welzheim und des Historischen Vereins Welzheimer Wald zum Holocaust-Gedenktag am 27. Januar im Dietrich-Bonhoeffer-Haus (11.30 Uhr). Regierungspräsident Johannes Schmalzl wird zu Gast sein.

Eine Woche zuvor, am Sonntag, 20. Januar, wird um 11.30 Uhr im Städtischen Museum die Dokumentation "Spurensuche zum KZ Welzheim" eröffnet. Neben informativen Textfahnen mit Daten und Fakten zum einstigen KZ werden unter anderem Dokumente wie Schriftstücke, Urkunden und Hinweise auf das Schicksal einzelner Inhaftierter ausgestellt. Dazu gibt es Original-Tondokumente mit Aussagen von ehemaligen Häftlingen und Nachbarn.

Die Gestapo Stuttgart hatte 1935 das ehemalige städtische Amtsgerichtsgefängnis übernommen und zum "Württembergischen Schutzhaftlager Welzheim" umfunktioniert, das durch die SS betrieben wurde. Das um das Jahr 1820 errichtete Gebäude lag hinter dem ehemaligen alten Amtsgericht, das als Kommandantur und Wohnung des Lagerleiters diente. Es ist inzwischen abgebrochen.

Für die meisten Häftlinge war Welzheim ein Durchgangslager vor dem Weitertransport ins Konzentrationslager Dachau, viele von ihnen wurden hier ermordet - erschossen oder im Welzheimer Steinbruch erhängt. Am 25. April 1945 wurde das Lager, ein Ort von Gewalt, Unterdrückung und Tod, evakuiert. Dazu wurden die streng bewachten Gefangenen in Richtung Bodensee getrieben. Wenig später flüchteten die Lagerwachen, die zuvor die Akten verbrannt hatten.

Kommandanten des KZ Welzheim waren von 1935 bis 1940 Karl Buck, danach Hermann Eberle. Buck wurde nach dem Krieg inhaftiert und 1955 freigelassen. Er starb 1977 in Rudersberg. Eberle beging 1949 Selbstmord.

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