Auf der Welt zuhause – in Gschwend daheim steht zweizeilig auf einer gelbgrünen Postkarte mit Weltpanorama. Das rote „Dipfele“ mitten in Europa deutet unmissverständlich den zentralen Standort der Gemeinde im Schwäbischen Wald an. Das neue Werbemedium wird den Besuchern zusammen mit einem verheißungsvollen, nummerierten Reiseprogramm am Eingang zur Gemeindehalle ausgehändigt.

Christoph Hald hat sich zusammen mit seinen fleißigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Rathaus etwas Besonderes ausgedacht. Die Feier zum Jahresende soll eine fröhliche Reise auf der „schwäb’schen Eisebahna“ als Symbol für die Fahrt durchs Jahr werden. Von Stuttgart über Gschwend bis Durlesbach bei Bad Waldsee sind mit fauchender Dampflokbespannung und zahllosen Personenwagen alle Signale auf grün, auch wenn es in Gschwend keinen Bahnhof gibt.

Das Publikum stimmt beim Einstieg mit Karaoke-Begleitung die ersten beiden Strophen des Liedes an, bevor der Bürgermeister mit 198 projizierten Bildtafeln das Vergangene und Kommende sichtbar macht. Er erinnert an ehemalige Gemeindemitarbeiter. Die Erzieherin Inge Schierle, Bauhofmitarbeiter Hermann Weimer, die drei Gemeinderäte Albrecht Sipple, Hermann Fischer und Willi Göhringer sowie Hubert Dammer vom Badeseekiosk sind übers Jahr verstorben. Dann rückt die trockene Statistik mit langen Zahlenkolonnen ins Blickfeld. 4907 Einwohner sind an 84 Einzelwohnplätzen beim Einwohnermeldeamt registriert. Der Gemeinderat tagt 19 Mal. 33 Geburten stehen 87 Sterbefällen gegenüber. 172 Kinder besuchen die Grundschule. Auch über 20 Eheschließungen werden genannt. Der Service ist für Heiratswillige ermutigend: Trauungen sind im Rathaus an sieben Tagen rund um die Uhr möglich.

Der Bürgermeister gibt dem abgelaufenen Jahr ein Adelsprädikat: „Das Jahr 2018 schreibt sich „von“ von den Veranstaltungen her“. Die Aufzählung der Ereignisse ist schier endlos: Schließung des Notariats, Verlegung der Backbone-Trasse, Dorf-Autos, Marktplatzfest zusammen mit der Rundschau, Seniorennachmittag, Erneuerung der Straßenlaternen oder der Krämermarkt. Auch der kulturelle Blickwinkel ist weit. Der kulinarische Streifzug in Frickenhofen ist ebenso dabei wie das Konzert von „Gradraus“, das Wertungsspiel der Musikvereine, die Neugestaltung des Bergsees oder die Zwillingsbörse. Auch das Chorkonzert von Cantiamo wird genannt.

Landrat Klaus Pavel weiß, wo der Schuh drückt. „So a bissle Belag geht gar net“, meint er im Hinblick auf die Beschaffenheit der Landesstraße auf der Frickenhofener Höhe. „Da ist ein Ausbau nötig“, betont er und sagt seine Unterstützung der gegründeten Bürgerinitiative zu. Auch beim schnellen Internet sieht er Nachholbedarf. „Breitband muss im Eilzugtempo kommen“, fordert er angesichts der schleppenden Entwicklung. Noch sei der Ostalbkreis wirtschaftlich gut aufstellt. Die Arbeitslosigkeit liege im Ostalbkreis bei 2,6. Aber die Zukunft würde schwieriger. So macht SHW CT in Wasseralfingen mit 150 Mitarbeitern dicht. Triumph in Heubach entlässt 50 Arbeitskräfte. Das Defizit der Kliniken im Ostalbkreis ist permanent vorhanden. Gegenwärtig fehlen 10 Millionen Euro. Eine Reduzierung der Standorte mit gleichzeitiger Spezialisierung könnte Kosten senken. Aber er gibt zu bedenken: „Wir warnen davor zu privatisieren.“ Mit der neuen Pflegekampagne sieht er den Ostalbkreis jedoch gut aufgestellt.

Bürger-App in Planung

Nachdem der neue Veranstaltungskalender bereits verfügbar ist, beschränkt sich Christoph Hald bei seinen Ankündigungen auf wenige Eckdaten. Das Notfallteam wird 15 Jahre und die DLRG Gschwend 50 Jahre alt. Eine Bürger-App ist in Planung, die Breitbandverlegung und die Sanierung der Kanalisation, der Straßen und des Ortskerns stehen an.

Das nummerierte Veranstaltungsprogramm dient abschließend zur Auslosung von zwei Eintrittskarten für „Holiday on Ice“, die Julian Otto aus Sulzbach-Laufen gewinnt. Die Besucher haben außerdem die Möglichkeit, ein stattliches Päckchen mit Werbematerial von Gschwend mit nach Hause zu nehmen. Hald verspricht, die Werbe-Postkarte mit dem „Dipfele“ übers Rathaus versenden zu lassen. Hauptsache, die Adressaten sind möglichst weit weg und Gschwend wird weltbekannt.

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