Murrhardt Facettenreicher und virtuoser Klavierabend

Julia Chekulaeva bei ihrem Klavierabend in Murrhardt.
Julia Chekulaeva bei ihrem Klavierabend in Murrhardt. © Foto: Elisabeth Klaper
Murrhardt / Elisabeth Klaper 27.06.2018
Julia Chekulaeva, die an der Musikschule Schwäbischer Wald/Limpurger Land unterrichtet, stellt sich in Murrhardt vor.

Ich lege größten Wert auf Musikalität und das Verständnis instrumentaler Musik“, erklärt Julia Chekulaeva. „Um die Seele für die Musik zu öffnen, muss man deren Sprache und Symbole erlernen, und dazu braucht man Unterricht“, betont die aus Russland stammende Konzertpianistin und Klavierpädagogin, die seit einem Jahr an der Musikschule Schwäbischer Wald/Limpurger Land tätig ist.

Ziel ihrer pädagogischen Arbeit sei es, „leidenschaftliche Musikliebhaber“ zu erziehen, verdeutlicht Julia Chekulaeva. Sie präsentiert das Programm der Abschlussprüfung ihres Klavier-Masterstudiums als Generalprobe beim Lehrerkonzert im Saal des Kulturhauses und Musikschulgebäudes Klosterhof. Eine kleine Zuhörergruppe erlebt einen Klavierabend mit einem breiten Spektrum hochkarätiger Kompositionen aus verschiedenen Epochen und Stilen.

Mit elegantem Anschlag, virtuoser Technik und großer Spielfreude interpretiert die Klavierpädagogin jedes Werk. Mit starker Empathie und hoher Präzision gestaltet sie transparent die vielfältigen Strukturen. Komplexe Figurationen und Verzierungen bringt sie klangschön zum Ausdruck und stellt die Details geradezu anschaulich dar.

Höhepunkte sind die Sonate B-Dur Opus 22, ein komplexes Frühwerk von Ludwig van Beethoven, und Variationen und Fuge über ein Thema von Georg Friedrich Händel opus 24 von Johannes Brahms. Ein Feuerwerk musikalischer Ideen, Klangfarben und Stimmungen, jugendliche Impulsivität, Temperament und Energie bringt Chekulaeva in Beethovens Sonate zur Entfaltung und arbeitet die Nuancen feinsinnig heraus. Besonders reizvoll wirken das idyllische Adagio und das graziöse Menuett. Scheinbar mühelos leicht tanzen ihre Finger bei den komplexen Läufen über die Tastatur.

Moderne Elemente

„Johannes Brahms wollte barocke Kompositionsformen wie Variationen und Fuge wiederbeleben“, erzählt die Künstlerin. Kreativ, fantasievoll und experimentierfreudig schuf er auf Basis des beschwingten barocken Themas von Händel Variationen mit verschiedenartigen Stimmungen, Klangfacetten und Rhythmen, auch mit einigen außergewöhnlich modernen Elementen. Hohes Tempo, ein exotisch wirkender tänzerischer Rhythmus, ein Thema aus Motiven mit reizvollen Echo-Effekten und Kadenzen in Halbtonschritten zeichnet die Etude As-Dur Opus 10/10 aus, ein Frühwerk Frédéric Chopins.

Wie ein Gemälde der klassischen Moderne aus einem Mosaik verschiedener Farben und Formen wirkt „Toccata – Troncata“ der 1931 geborenen russischen Komponistin Sofia Gubaidulina. Die Toccata bestimmen dissonante, teils bedrohlich und aggressiv wirkende Klangfiguren sowie harte, rhythmische Schläge. Im Gegensatz dazu besteht die Troncata aus ruhigen, ineinanderfließenden Klängen. In Sergej Rachmaninows Etude-Tableau es-Moll Opus 39/5 gestaltet Julia Chekulaeva ein impressionistisches Klangbild aus leidenschaftlichen Gefühlen und fantasievollen Figurationen, facettenreicher Melodik und Harmonik. Mit starkem Beifall danken ihr die Zuhörer für das einprägsame Hörerlebnis.

Aus Sibirien nach Deutschland

1990 in Nowokusnezk in Südwestsibirien geboren, erwarb die Musikerin 2009 an der dortigen Kunstfachschule das Klavier-Diplom mit Auszeichnung. Ebenfalls mit Auszeichnung absolvierte sie den Klavier-Diplomstudiengang am Glasunow-Konservatorium in Petrosawodsk nordöstlich von St. Petersburg. 2013 kam Julia Chekulaeva nach Deutschland: „Ich wollte in Westeuropa studieren, denn die deutschen Komponisten muss man in deren Heimat erlernen, wo der Stil und die Atmosphäre ihrer Musik authentisch interpretiert werden“, verdeutlicht sie.

An der Musikhochschule Stuttgart, wo bereits Bekannte von ihr studierten, schloss sie 2016 ihren Klavier-Bachelorstudiengang mit der Traumnote 1,0 ab und beendet in Kürze ihren Klavier-Masterstudiengang. An der Musikschule Schwäbischer Wald/Limpurger Land unterrichtet ihr Mann Alexander Konrad seit zwei Jahren. Bereits etwas länger ist dort auch ihre Schwägerin tätig, die Violinlehrerin Alena Kondratova, zugleich Bereichsleiterin für die Streichinstrumente.

„Wir sind froh, diese Mitglieder einer sehr musikalischen Familie als Lehrkräfte an unserer Musikschule zu haben“, hebt deren Leiterin Judith-Maria Matti hervor. „Es ist ein schöner Zufall, dass mein Mann und meine Schwägerin ebenfalls hier arbeiten“, freut sich Julia Chekulaeva. „Mir gefällt es in Murrhardt mit dem Stadtgarten und der schönen Landschaft gut“, betont sie, darum könne sie sich vorstellen, aus Fellbach in den Schwäbischen Wald zu ziehen. Zurzeit habe sie in Murrhardt sechs, in Gaildorf erst zwei Schüler, plane aber, dort eine Klavierklasse aufzubauen und einen vollen Tag zu unterrichten, blickt die Klavierpädagogin voraus.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel