Oberrot Ein amerikanischer Traum

Oberrot / BRIGITTE HOFMANN 25.05.2016
300 Gulden kostete ihn die Überfahrt nach Philadelphia. Dort begann Hermann Frasch seinen Traum zu leben  und wurde der „Schwefelkönig“ Hermann Frasch.

Er ist in Oberrot geboren, hat in Gaildorf die Schule besucht, in Schwäbisch Hall eine Buchhändlerlehre absolviert, ist ausgewandert - und auf dem amerikanischen Kontinent ein berühmter und reicher Mann geworden. Die Rede ist von Hermann Frasch, der als „Schwefelkönig“ von Amerika und Erfinder des Paraffinpapiers in die Geschichte eingegangen ist. Ihm ist im Äskulap-Infozentrum in Oberrot  eine umfangreiche und mit viel Liebe arrangierte Sonderausstellung gewidmet.

Zur Eröffnung waren eine ganze Reihe hochinteressanter Gäste angereist, wie Fraschs Urgroßneffe Hans Nusser mit Familie aus Bad Cannstatt. Wie immer hatte Maria Fassbender, die Vorsitzende des Fördervereins Freier Adelssitz Oberrot, Berge von Kuchen gebacken und aufgetischt. Aber davor waren am Internationalen Museumstag die geistigen Sinne angesprochen, und davon hatten die Gäste eine ganze Menge zu verarbeiten.

Professor Dr. Walter Botsch aus Schwäbisch Gmünd, ein ausgewiesener Frasch-Kenner, förderte in seinem Grußwort allerhand Geschichtchen zutage. Mit seiner Aussage, Frasch sei wenig bekannt und habe es verdient, vorgestellt zu werden, lag er allerdings nur bedingt richtig. Im Limpurger Land kennt man Hermann Frasch sehr wohl. In Gaildorf gibt es eine Fraschstraße, das Frasch-Mausoleum und viele Publikationen in der RUNDSCHAU würdigten den kreativen und mutigen Erfindergeist.

Dr.  Cord Tappe aus Würzburg, der in der Pharmazie zuhause ist, nahm Fraschs Leben aus diversen Perspektiven unter die Lupe. „Gute Anlagen, guten Fleiß und gute Kenntnisse“ habe man dem experimentierfreudigen Schüler in der Lateinschule in Gaildorf bestätigt. Die lagen hauptsächlich im Bereich der Chemie und bildeten später auch die Grundlage für Fraschs berufliche Karriere. Mit ein Grund zu emigrieren und seinem Onkel nach Amerika zu folgen, machte Tappe an den politischen Umständen hierzulande fest.

Mit 22 Jahren gründete Hermann Frasch seinen eigenen Drugstore, „schönte“ Bier und Wein, meldete sein erstes Patent auf ein Verfahren zur Wiedergewinnung von reinem Zinn an. Er entdeckte, dass Erdöl Petroleum-Lampen zum Leuchten bringt, wie sich Paraffin reinigen oder Schwefel aus dem Boden ernten lässt.  Einschlägige Firmen wie Sulfur Company rissen sich um ihn.

Besuch in Gaildorf 

1906 besuchte Frasch Gaildorf, 1912 erhielt er die Perkins-Medaille, die in den USA herausragende Chemiker auszeichnet. Die Reise 1913 nach Europa sollte ihm die erhoffte Gesundung bringen, aber er starb am 1. Mai 1914 in Paris.

Den letzten Brief, den er an seine Tante in Steinenberg bei Schorndorf schrieb, datiert mit 3. April 1914,  las Maria Fassbender vor. Ebenso das Gedicht, in dem der damalige Oberroter Bürgermeister Fritz Brecht seinen Unmut darüber zum Ausdruck brachte, dass der reiche Frasch den Gaildorfern viel und seiner Gemeinde nichts vermacht hatte. An allem durften sich die Gäste erfreuen, auch an der gemütlichen Kaffeerunde im Heilpflanzengarten.

Info In der Regel ist das Äskulap-Infozentrum in Oberrot am zweiten Sonntag im Monat jeweils von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Nach telefonischer Vereinbarung sind weitere Termine möglich. Kontakt: Maria Fassbender, Telefon: 0 71 71 / 6 22 07, E-Mail: maria-fassbender1@gmx.de

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