Seines Amtes enthoben wurde Calws Oberbürgermeister Ralf Eggert – im traditionell närrischen Sinn: „Berghexen“ und „Stoi­g­rombler“ schritten am Samstag, wie in der Hesse-Stadt zur Faschingszeit üblich, zur Tat. Die Ironie des Ganzen: Noch am selben Tag ließ Eggert, der von 2002 bis 2011 Bürgermeister der Stadt Gaildorf war, per E-Mail verlauten, dass er sich für die im Herbst anstehende Wahl nicht mehr zur Verfügung stellen werde.

„Entspricht nicht meiner Art“

Der „Schwarzwälder Bote“ wertet diese Ankündigung, die Eggert an Vertreter des öffentlichen Lebens versandt hatte, als „Paukenschlag für Calw“. Den begründet der Rathauschef mit der aus dem Lot geratenen Streitkultur in der Stadt: Trotz der „guten Zeit“ und der „Liebe zur Stadt“ räumt er ein, „dass mir von zwei Gruppierungen das Leben sehr schwer gemacht wird“. Die Haltung einiger Stadträte, „gegen so gut wie alles zu sein“, mache es der Kommune schwer, sich zu entwickeln. Der Umgangston – auch Gästen und Mitarbeitern der Stadtverwaltung und anderen Behörden gegenüber – „entspricht nicht meiner Art und meinem Wesen“.

Immer wieder, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung, habe er versucht, bei hitzigen Debatten ausgleichend zu wirken – dazu aufgerufen, sich bei Ausei­nandersetzungen auf Artikel 1 des Grundgesetzes zu besinnen, wonach die Würde des Menschen unantastbar sei. Ohne Erfolg. Jetzt zog Eggert die Reißleine, weil er sich das offensichtlich vergiftete, von Misstrauen geprägte Diskussionsklima nicht mehr antun will.

Deutlich wird der „Schwarzwälder Bote“ im Kommentar dazu: „Wer regelmäßig Sitzungen der Gremien besucht, kommt nicht umhin, ihn zu verstehen!“ Selbstverständlich sei es die Aufgabe von Kommunalpolitikern, die Arbeit der Verwaltung „zu hinterfragen, zu kritisieren und diese zu überwachen“. Was jedoch im Calwer Stadtparlament „zum Teil vor sich geht, übersteigt dies bei Weitem“. Mit Blick auf die in diesem Jahr anstehenden Kommunalwahlen sei das durch Eggerts angekündigten Abschied ausgesandte „Alarmsignal“ ein „verheerendes Zeichen nach außen“. Es solle aber auch als „Weckruf“ verstanden werden, „aufeinander zuzugehen, bevor sich Fronten endgültig verhärten“.

Noch im Januar hatte Ralf Eggert erklärt, er werde sich um eine zweite Amtsperiode bewerben. Damit waren auch die Gerüchte vom Tisch, die bereits im Herbst kursierten und besagten, der Calwer Oberbürgermeister werde aufhören und wieder in seine Heimatgemeinde Spraitbach ziehen.

Bönnigheim

Abgang ohne Groll

Nun hat er sich doch in Absprache mit seiner Familie dazu entschlossen, aufzuhören. Nicht sofort, denn seine Amtszeit endet erst am 30. November. Mit seiner frühen Ankündigung wolle er dazu beitragen, dass die Stadt ausreichend Zeit habe, „fachlich und menschlich geeignete“ OB-Bewerber zu bekommen. Nun wünsche er Calw, dass es wieder zur Ruhe komme – Ruhe, die notwendig sei, „um über die Stadt wertschätzend zu sprechen“.

Eggert will nicht nur nach Ablauf seiner Amtszeit das Rathaus verlassen. Die Familie wird, wie er berichtet, trotz vieler Freundschaften schweren Herzens nach Spraitbach ziehen. Für sich plant der diplomierte Verwaltungs- und Betriebswirt eine völlige berufliche Neuorientierung. Ohne Groll. Und auch nicht enttäuscht. Denn die Entwicklung habe sich ja „angebahnt“. Innerhalb der Gesellschaft, sagt er, sei Ton im Umgang miteinander rauer geworden.

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Zur Person


Ralf Eggert, 1970 in Schwäbisch Gmünd geboren, ist verheiratet und hat einen Sohn. Seine Ausbildung im gehobenen Verwaltungsdienst absolvierte er von 1993 bis 1995 beim Gemeindeverwaltungsverband Schwäbischer Wald-Mutlangen. Bis 1997 studierte er an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in Ludwigsburg. Als Finanzexperte arbeitete er später in Diensten der Städte Pforzheim und Lorch. 2002 bewarb er sich um das Amt des Bürgermeisters der Stadt Gaildorf und wurde auf Anhieb gewählt. 2010 bestätigten ihn die Gaildorfer in diesem Amt. Bereits 2011 zog es ihn weg von seiner Wahlheimat: Er kandidierte in Calw für das Amt des Oberbürgermeisters, setzte sich bei der Wahl gegen einen Mitkonkurrenten durch und nahm am 1. Dezember 2011 auf dem Chefsessel im Rathaus Platz.