Gaildorf Kulturschmiede: Idee mit Eigendynamik

Die Gründer der Kulturschmiede wollten etwas Anderes als das, was in den 1970er-Jahren die Musik in den Diskotheken ausmachte. Im Hof des Alten Schlosses wurde jetzt das Jubiläum gefeiert.
Die Gründer der Kulturschmiede wollten etwas Anderes als das, was in den 1970er-Jahren die Musik in den Diskotheken ausmachte. Im Hof des Alten Schlosses wurde jetzt das Jubiläum gefeiert. © Foto: Karl-Heinz Rückert
Gaildorf / Von Karl-Heinz Rückert 30.07.2018
Die Kulturschmiede feiert ihren 40.Geburtstag mit „Back to the roots“ im Hof des Alten Schlosses - wo der Verein einst das erste Bluesfest auf die Beine stellte.

Eine Handvoll junger Leute begann vor 40 Jahren in Gaildorf Geschichte in der Musikkultur im Limpurger Land zu schreiben. Sie wollten etwas Anderes als das, was in den 70ern die Musik in den Diskotheken ausmachte, und gründeten die Kulturschmiede Gaildorf.

Diese Idee entwickelte eine grandiose Eigendynamik und erreichte mit dem Bluesfest weltweiten Bekanntheitsgrad, dem zahlreiche Auszeichnungen folgten. Zum 40-jährigen Vereinsjubiläum hieß es „back to the roots“ in den Hof des Alten Schlosses, wo der Verein einst das erste Bluesfest auf die Beine stellte. Für die folgenden Bluesfeste, dessen 25. Folge voriges Jahr auf der Kocherwiese veranstaltet wurde, hätte der Hof den Rahmen gesprengt. Von anfänglich 200 Besuchern ist das Bluesfest zwischenzeitlich zu einem Zeltfest mit über 5000 internationalen Besuchern angewachsen, wie Carola Kronmüller bei ihrem Rückblick auf die Entwicklung des Kulturvereins vor den unzähligen Geburtstagsgästen im Alten Schloss feststellte.

Sie verzichtete dabei auf rein statistische Zahlen aus der Vereinsgeschichte, wie die aktuellen Mitgliederzahlen oder die Zahl der Künstler, die bei den Konzerten der Kulturschmiede schon aufgetreten waren. Carola Kronmüller wollte dagegen Antwort geben auf die Frage „Warum machen wir das?“. Der Kulturverein wollte sich von dem musikalischen Mainstream in den Gründerjahren abheben und etwas Besonderes schaffen. Dem Anspruch stellen sich motivierte Mitglieder und Helfer auch heute noch mit großer Begeisterung.

Meisterstück des Vereins

Diese Ambitionen bescheinigte auch Bürgermeister Frank Zimmermann der Kulturschmiede. In deren Gründungsjahr 1978 hätten noch klassisch-moderne Musikstile die Szene beherrscht. Die Kulturschmiede sei anfänglich mit ihrem avantgardistischen Anspruch belächelt worden, habe sich damit aber längst in der Musikszene etabliert. Das Bluesfest sei ein Meisterstück des Vereins, das aus dem Veranstaltungskalender der Stadt nicht mehr wegzudenken sei.

Zimmerman erinnerte auch an die räumliche Odyssee des Vereins, bis er endlich in der heimeligen Atmosphäre der Kulturkneipe Häberlen eine Bleibe gefunden habe. Mit Blick auf eine künftige Umgehungsstraße der Stadt, die möglicherweise die Kocherwiese und damit das Bluesfest tangieren könnte, versprach der Bürgermeister einen angemessenen Festplatz auszuweisen, mit dem das Fest seinem internationalen Ruf weiter gerecht werden könne.

„Es ist ein tolles Gefühl dazu zu gehören, wenn vor dem Häberlen lange Schlangen auf Einlass in die Kulturkneipe warten“, ließ Carola Kronmüller die Gäste der Geburtstagsparty wissen. Schließlich sei das Szenelokal eine Plattform für musische Künstler, deren kreatives Streben, und für die Gäste. In Kronmüllers eigenen Erinnerungen, die seit 30 Jahren engagiert die Kulturschmiede begleitet, schwang etwas Sorge um die Zukunft des Vereins mit. Mit Blick auf die alternde Gründergeneration wünschte sie sich „jede Menge 40-Jährige, die die Kulturschmiede in die Zukunft führen. Jetzt wollen wir aber feiern und stolz sein!“

Dann begann eine ausgelassene Party im Schlosshof, zu der die Band „Soulfinger“ die Stimmung von Anfang an mit ihrer „Sweet Soul Music Revue“ geradezu explodieren ließ. Das Publikum riss es buchstäblich von den Sitzen und auf dem Platz vor der Bühne bewegten sich ausgelassene Tänzer zur hinreißenden Musik der 50er- bis 70er-Jahre. Brillante Instrumentalisten, starke Soulstimmen von „Soulfinger“ sorgten mit dynamischen Rhythmen und gefühlvollen Songs bei dem besessenen Publikum für ein „Flashback“ in die Gründerzeit der Kulturschmiede. An die sich Werner Eichele, Gründungsmitglied und langjähriger Vereinsvorsitzender, noch erinnert: „Geld hatten wir damals keines – heute müssen wir es ausgeben!“. Mathematisch gesehen also nach wie vor Null!

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