Auch wenn es in den letzten Jahren keine Reichtümer waren, mit denen die städtischen Finanzen hätten saniert werden können: Der Gaildorfer Stadtwald warf doch stets ein mehr oder weniger stolzes Sümmchen ab. Nun aber bereitet dieser Wirtschaftszweig Verwaltung und Gemeinderat Kummer. Bürgermeister Frank Zimmermann spricht in der jüngsten Ratssitzung von einem „erschreckenden Defizit.“

Forstdirektor Michel Rönz, stellvertretender Leiter des Kreisforstamts, ist angesichts der Si-   tuation in den Wäldern nicht zum Scherzen zumute. Dennoch, sagt er mit einem Augenzwinkern, fühle er sich manchmal als Hiob: „Seit ich hier bin, haben sich die Rahmenbedingungen im Wald bedeutend verschlechtert. Ich hoffe, dass das nicht an mir liegt.“

Seine Hiobsbotschaften wiegen schwer. Dürre, Borkenkäfer und in den Keller gefallene Holzpreise. Kreisforstamtmann Karl Diemer nennt Einzelheiten. Die trockene Witterung habe den Stadtwald „in voller Härte“ getroffen. Die durchschnittlichen Holzerlöse seien um 35 Prozent niedriger als im Vorjahr. Im Nutzungs- und Kulturplan 2018 war man von einem Plus in Höhe von 32.000 Euro ausgegangen, nun wird es rote Zahlen geben – wenn Ende März das Ergebnis des Vollzugs vorliegt ein Defizit von vo-   raussichtlich rund 30.000 Euro.

Sachsenheim

Alles andere als rosig sind Diemers Prognosen für 2019. Er befürchtet durch anhaltende Trockenheit und einen „sehr hohen Grundbestand an überwinternden Borkenkäfern“ in den ersten drei Quartalen einen hohen Anfall an Käferholz. In der Planung wird von etwa 1100 Festmetern ausgegangen.

Vorsichtige Prognosen

Hinzu kommt die Marktentwicklung: Es gibt ein Überangebot an Nadelstammholz, weshalb man „nur sehr niedrige Durchschnittserlöse“ von 55 Euro pro Festmeter kalkulieren konnte, wie aus dem Arbeitspapier hervorgeht, das dem Gemeinderat vorliegt. Erst wenn die Preise „ein auskömmliches Niveau erreichen“, so die Prognose, „werden planmäßige Hiebe durchgeführt“ – frühestens ab September. Doch die Experten kalkulieren vorsichtshalber mit lediglich 1600 Festmetern Einschlag.

Um nun den „Käferausgleich“ zu schaffen, sollen im Frühjahr 4500 Bäumchen auf den betroffenen Flächen gepflanzt werden – auf etwa 0,7 Hektar Eiche, Ahorn und Douglasie. Bei einem Teil davon handelt es sich um eine „Nachbesserung der Trockenheitsausfälle“. Konkret: Etliche der gepflanzten Bäumchen sind eingegangen.

Fast 50.000 Euro Defizit

Unter den befürchteten Voraussetzungen rechnet die Forstverwaltung mit Ausgaben in Höhe von 126.800 Euro und Einnahmen von nur 78.400 Euro. Dies entspräche einem erwarteten Defizit in Höhe von fast 50.000 Euro.

„Es bleibt uns nichts anderes übrig, als dem Plan zuzustimmen“, bemerkt Bürgermeister Zimmermann. Nun müssten Überlegungen angestellt werden, wie der kommunale Forstbetrieb im kommenden Jahr ausgerichtet werden solle. Von „zu vielen Unsicherheiten“ ist für FWV-Fraktionschef Heinrich Reh die Planung gekennzeichnet. Auf der einen Seite erhöhten sich die Kosten für die Holzernte deutlich, auf der anderen mache sich ein rapider Preisverfall bemerkbar – „die Schere spreizt sich!“

Auch CDU-Fraktionschef Matthias Rebel kann der Plan „nicht zufriedenstellen.“ Aber wenn sämtliche Prognosen zuträfen, „könnte das bittere Realität werden.“ Mit Blick auf 370 Hektar Stadtwald und eine gute Situation der Sägewerke vor Ort „können wir uns nicht gern damit abfinden, dass das Ergebnis so negativ ausfällt.“

Die Bilanz im Wald sollte laut Rebel mindestens ausgeglichen sein – „Null auf Null, das liegt nicht außerhalb der Realität.“ Froh sei er, dass die Arbeiten im Wald unfallfrei vonstatten gingen, „das ist nicht selbstverständlich.“

Als „schmerzlich“ empfindet SPD-Fraktionsvorsitzende Margarete John die Tatsache, dass der Wald vermutlich auch 2019 nichts abwirft. Sie hoffe und wünsche, dass es 2020 „wieder positiv weitergeht.“ Wenn nicht, müsse man darüber reden. Stichworte: Nadelwälder und Klimawandel.

Vergleiche kaum möglich

Wie das „schwierige Jahr“ andere Gegenden belastet hat, würde FWV-Stadtrat Ulrich Stahl interessieren. „Unterschiedlich“, sagt Forstdirektor Rönz. Vergleiche ließen sich nur schwer anstellen. Tatsache sei: Die Ertragssituation hänge ab von Personal- und Unternehmerkosten auf der einen Seite und den Holzerlösen auf der anderen. Werde an der Kostenseite nichts geändert, „lässt sich auch nichts machen.“

Am Ende stimmen 13 Stadträte dem Nutzungs- und Kulturplan 2019 zu, einer ist dagegen, acht enthalten sich der Stimme.

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Hechingen/Berlin