Gestern und vorgestern hat es im Limpurger Land zum ersten Mal seit Langem geregnet. Das lässt den Zeitpunkt für diese Untersuchung ungünstig erscheinen. Trotzdem: „Das Jahr 2018 hat – keine größeren Regenmengen mehr vorausgesetzt – die Chance, das trockenste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen zu werden“, wagt Rundschau-Wettermann und Meteorologe Andreas Neumaier eine Prognose.

Dürre im Limpurger Land

Eine Statistik untermauert das: In den meisten Orten des Limpurger Landes sind seit April zwischen 260 und 300 Liter Niederschlag pro Quadratmeter gefallen; Stand Freitag vergangener Woche. Im langjährigen Mittel sind es für den gleichen Zeitraum 520 bis 550 Liter. Stellenweise erreichen die Werte aus dem Jahr 2018 also nicht einmal die Hälfte des Solls. „2018 ist ein absolutes Ausnahmejahr gewesen. Die Daten des Dürremonitors weisen für das Limpurger Land vor allem in tieferen Bodenschichten eine außergewöhnliche Dürre aus“, hält Neumaier fest.

Bühlerzell

„Uns Landwirte trifft der Klimawandel natürlich als Erste“, stellt Wilfried Ellinger, Vorsitzender des Ortsvereins Limpurger Land im Bauernverband Schwäbisch Hall-Hohenlohe-Rems, fest. In Reippersberg bewirtschaftet er im Vollerwerb einen konventionellen Familienbetrieb in zweiter Generation. Schwerpunkte sind Milchviehhaltung und Schweinemast – darüber hinaus Ackerbau und Grünlandwirtschaft. Wegen der Trockenheit hat er mit Ernteausfällen zu kämpfen.

Stark betroffen war das Grünland: Wiesen mit Heuernte brachten dieses Jahr nur einen Schnitt ein, dann wuchs nichts mehr. Bei der Silageernte waren nur die ersten beiden Schnitte auf Normalniveau, beim dritten fehlten im Vergleich zu anderen Jahren bereits 20 bis 50 Prozent an Ertrag – je nachdem, ob die Fläche schattig oder auf einem sonnigen Südhang liegt. Der vierte Schnitt fiel dann ganz aus. Winterkulturen wie Wintergerste brachten zwar eine durchschnittliche Ernte ein – wegen des fehlenden Wassers war die Kornausbildung allerdings schlechter. Die Folge: ein niedrigerer Energiegehalt bei fast allen Getreidekörnern. Sommergetreide und Leguminosen baut Ellinger zwar nicht an, weiß von Kollegen aber von 20 bis 30 Prozent Ernteausfall in diesem Jahr, beim Sommergetreide sogar noch mehr. „Eine ähnliche Situation wegen Trockenheit haben wir letztmals 2003 erlebt“, blickt Ellinger zurück.

Einzig der Silomais als wichtige Futtergrundlage kam mit den Bedingungen gut zurecht, bildete wegen des Wassermangels allerdings nur kleine oder gar keine Kolben aus. Weil er in diesem Jahr außerdem einen zu hohen Trockenmasseanteil hat, ist er schwerer zu verdichten. Das kann zu Schimmelbildung und Lagerverlusten führen. „Das wird vielen Kollegen Probleme bereiten“, blickt Ellinger voraus. Allgemein seien die Dürre-Auswirkungen für die Landwirte standortabhängig: „In Sulzbach/Murr war es beispielsweise deutlich trockener, die Ernten waren schlechter. Da liegen Freud und Leid für die Landwirte eng zusammen: Wer 2018 einige Gewitter hatte, hat eben Glück gehabt.“

Landwirte in der Zwickmühle

Wie der Reippersberger Betrieb die Einbußen verkraftet? Ellinger: „Das vergangene Jahr war für uns gut, deshalb können wir auf Futterreserven zurückgreifen.“ Viele Landwirte aber stecken in einer Zwickmühle: Wer keine Reserven aufbauen konnte, müsse Futtermittel zukaufen. Das ist allerdings aufgrund der Ernteausfälle teurer geworden. Deshalb trennen sich viele Betriebe früher von ihren Tieren, um die Futterknappheit zu umgehen. Das Problem dabei: Weil viel Rindfleisch auf den Markt gelangt, erhalten die Bauern aktuell weniger Geld für ihr Vieh. „Das ist eine paradoxe Situation, weil die Preise sogar sinken“, so Ellinger. „Sie werden natürlich auch wieder steigen. Wann, kann man nicht genau sagen.“ Für Biobauern sei die Situation laut Ellinger noch gravierender: Weil biologischer Dünger langsamer wirke als konventioneller, seien die Ernteeinbußen noch dramatischer. Und die Futterzukäufe seien für Bio-Betriebe ohnehin teurer.

Vorsorgestrategien für extreme Wettersituationen

Landwirte müssen für unvorhersehbares Klima vorsorgen, so Wilfried Ellinger. Neben dem Ansammeln von Futterreserven könnten Bauern mehrere Kulturen anbauen – sollten einzelne wetterbedingt ausfallen, könnten andere trotzdem Ernte einbringen. Weiter gelte es, die Bodenfruchtbarkeit zu verbessern. Zudem nennt er eine Mehrgefahrenversicherung, die bei Ernteausfällen nach Extremwetter haftet. Diskutiert wird, ob der Staat das finanziell unterstützen soll. lst