Dokumentation

SWP 26.04.2012

Auszüge aus dem unserer Zeitung vorliegenden Schreiben von Dr. Martina Mittag-Bonsch, Ärztliche Direktorin des Crailsheimer Krankenhauses, und weiterer Chefärzte an die Kreisräte:

"(...) als Chefärzte am Klinikum Crailsheim tätige Ärzte möchten wir Sie hiermit bitten und bestärken, sich für den Neubau des Klinikums Crailsheim einzusetzen. Wir sind davon überzeugt, dass dieses Klinikum genügend Potenzial hat, um auch in Zukunft eine bezahlbare wohnortnahe Spitzenmedizin anzubieten. Durch die Einrichtung einer geriatrischen Abteilung wird das Klinikum Crailsheim auch eine Größe erreichen, die das Wirtschaften erleichtern wird. Die Ansprüche der Patienten (...) beinhalten selbstverständlich auch einen gewissen Komfort. Minimalanforderungen sind Nasszelle und Toilette für jedes Zimmer. Diese Minimalanforderungen sind weder im Klinikum Crailsheim, noch im Diakonieklinikum Schwäbisch Hall derzeit gegeben (...).

Man kann sicherlich stolz auf das sein, was im Landkreis Schwäbisch Hall im wirtschaftlichen und kulturellen Bereich in den letzten Jahren erreicht wurde. Zu einem Vorzeigelandkreis gehört aber auch eine effektive medizinische Versorgungsstruktur im ambulanten und stationären Bereich mit leistungsfähigem Krankenhaus vor Ort (...). Da es sich um einen Flächenlandkreis handelt, wird von einigen Verantwortlichen der Gemeindeverwaltungen wie auch Personen des öffentlichen Lebens, deren Gemeinden sich am Rande des Landkreises befinden, das Signal ausgesandt, dass man von einer Stärkung der Kliniken nicht profitieren würde. Als Grund wird angeführt, dass eher die Dienste der Krankenhäuser der Nachbarlandkreise in Anspruch genommen werden. Nun wurde im Bereichsausschuss beschlossen, dass zum Beispiel in Blaufelden ein Notarzt-Standort eingerichtet werden soll. Dieser erfordert natürlich auch qualifiziertes Personal. Aufgrund des Ärztemangels ist dies nicht selbstverständlich. Nur mit einem starken Klinikum Crailsheim im Rücken wird ein effizienter Notarztstandort Blaufelden einzurichten sein. Das Diakonieklinikum Schwäbisch Hall wird alle Kräfte bündeln müssen, um die beiden Notarztstandorte Schwäbisch Hall und Gaildorf betreiben zu können (...)."

Auszüge aus dem Antwortschreiben von SPD-Kreisrat Karl Eichele:

"Wir würden uns in Gaildorf freuen, wenn wir ein Krankenhaus vor Ort hätten bzw. behalten könnten. Die Geriatrie von Gaildorf nach Crailsheim zu verlagern, verschafft der Landkreisklinik keinen guten Ruf. Und glauben Sie wirklich, dass Ihre Partner vom Diak eine wohnortnahe medizinische Versorgung für Gaildorf und Umgebung hinbekommen? Deren Ruf ist bei uns etwa so tief im Keller wie der der FDP. Kunden, die mal weg sind, sind nur sehr sehr schwer wieder zu gewinnen, aber das nehmen die Verantwortlichen offensichtlich in Kauf.

Wenn es jetzt noch zu Problemen mit der Notarztversorgung rund um Gaildorf kommt, was in der Bürgerveranstaltung letzten Donnerstag in Gaildorf laut wurde und Sie in Ihrem Brief andeuten, bin ich gespannt, wie es dann mit der Verantwortung ausschaut bzw. (...) wer dafür bezahlen soll. Und wenn Sie von Komfort schreiben, den Patienten erwarten, dann frage ich mich, warum beide Kliniken, Hall und Crailsheim, dann nicht wenigstens während der Bauzeiten den Komfort von Gaildorf nutzen? Damit wären Kunden zu gewinnen. Bei den in Rede stehenden Investitionssummen für die Neubauten hätten die Kosten für einen Weiterbetrieb nur unwesentlich zu Buche geschlagen. Aber das zählt ja nicht zur Verantwortung für den Landkreis (...)."