Streuobst Die Zukunft liegt vielleicht in Bio

Oberrot / Peter Lindau 26.08.2017
Die Mitglieder der Obstgemeinschaftsbrennerei Oberrot denken über eine Vermarktung ihrer Äpfel und Birnen als zertifizierte Bio-Ware nach.

Wer Mitglied der Obstgemeinschaftsbrennerei (OGB) Rottal ist, lieferte seine Äpfel und Birnen gerne ab. Für 100 Kilogramm Früchte wurden bis zu 13 Euro bezahlt. Bei einem Fruchtsafthersteller gab es für dieselbe Menge etwa die Hälfte.

Möglich machte das höhere „Obstgeld“ der OGB Rottal das staatliche Branntweinmonopolgesetz aus dem Jahr 1922 (siehe separater Text). Doch diese Regulierung durch den Staat fällt Ende dieses Jahres. Dann herrscht freie Marktwirtschaft, und der Preis für den Liter Industriealkohol rauscht aufgrund hoher Überkapazitäten ins Bodenlose.

Aus diesem Grund suchen die Oberroter Brenner neue Vermarktungswege. Eine Chance könnte der Verkauf der meist mühsam von Hand auf den heimischen Streuobstwiesen gesammelten Äpfel und Birnen als zertifizierte Bio-Ware sein. In der Mitgliederversammlung der OGB Rottal am Mittwochabend in der gut gefüllten Kultur- und Festhalle von Oberrot waren auch Andreas Rikker und Petra Streker von der Streker Natursaft GmbH aus Aspach anwesend. Sie sprachen von Preisen bis zu 20 Euro je 100 Kilo Bio-Obst. Für Äpfel und Birnen werde je Doppelzentner die gleiche Summe bezahlt.

Doch der Weg zum Anbieter zertifizierter Bio-Ware ist lang und bürokratisch. Zudem entstehen für die alljährlich zu wiederholende Überprüfung Kosten. Diese können Einzelpersonen tragen, aber auch Gemeinschaften wie die Obstgemeinschaftsbrennerei Rottal. Deren Geschäftsführer Erhard Wengel hatte die Idee mit der Bio-Ware ins Spiel gebracht.

Peter Knuhr vom Zertifizierungsdienstleister „AB-Cert“ informierte, wie das Ziel erreicht werden kann. Der Experte informierte auch über Haftungsrisiken und Regresspflicht. Wer zahlt, wenn ein Mitglied keine Bio-Ware anliefert und die Charge vielleicht mit Pestiziden verunreinigt ist oder in der Bio-Produktion verbotener chemischer Dünger nachgewiesen wird? Das sei gewiss ein hohes Kostenrisiko. Dennoch fanden sich gegen 22.30 Uhr zahlreiche Namen von Interessenten einer Zertifizierung auf den herumgereichten Listen.

Andreas Rikker und Petra Streker boten an, zusammen mit Peter Knuhr bei der Zertifizierung zu helfen. In einem nächsten Schritt soll jetzt geklärt werden, ob die Obstgemeinschaftsbrennerei Rottal in der Zertifizierung gemeinsame Sache macht oder Mitglieder in dem Verfahren einzeln auftreten.

Die Regulierung wird Ende 2017 abgeschafft

Das Branntweinmonopolgesetz wurde ursprünglich im April 1922 verkündet und trat zum 1. Oktober 1922 in Kraft.

Ziel des Gesetzes war die Regulierung der vielfach illegal betriebenen Brennereien. Dem Staat entgingen dabei Steuern. Schon früh hatte auch der Handel mit Branntwein – insbesondere auf der Nordsee – zu gesetzgeberischem Handeln geführt. Im Rahmen eines internationalen Abkommens wurde der Handel mit Schnaps in den Jahren 1887/1893 dort weitgehend beschränkt (Quelle: Wikipedia).

Der Bundestag hat am 21. März 2013 das Branntweinmonopol für die rund 20 000 Klein- und Obstbrennereien in Deutschland mit Wirkung zum Ende des Jahres 2017 abgeschafft.