Im Sommer wuchert hier das Indische Springkraut, eine invasive Art, der man gerne den Garaus machen würde. Jetzt, im Winter, wirkt das Gehölz an der Fichtenberger Rot eher nackt; der in Reih und Glied gepflanzte Ahorn ist unberührt. Ein paar Schritte weiter aber tut sich ein Fichtenberger Neubürger mit großen Nagezähnen gütlich. Oberschenkeldicke Weiden hat der Biber beidseits der Rot gefällt, alle paar Meter finden sich tief in die Uferböschung eingegrabene „Biberrutschen“, an einer Stelle auch eine eingestürzte Röhre. Dämme gibt es nicht: Weil der Biber den Zugang zu seinen Röhren unter Wasser haben möchte, staut er sein Gewässer nur auf, wenn es zu flach ist oder zu wenig Wasser führt.

Der Kreisökologe André Hohmann ist nach Fichtenberg gekommen, um sich ein Bild zu machen, Bürgermeister Roland Miola führt übers Gelände. Die Spur des Bibers führe bis zur Stöckenhofer Sägemühle, die ein paar hundert Meter bachaufwärts liegt, erklärt er. Ein Revier erstrecke sich in der Regel auf einer Flusslänge von bis zu drei Kilometern, erläutert Hohmann.

Schelklingen/Allmendingen

Seit drei Jahren beobachtet Ralf Wiedler, Gewässerwart des Fichtenberger Fischereivereins und der Fischhege Rot-Kocher, wie sich der Biber in Fichtenberg entwickelt. Er urlaubt mit seiner Frau bevorzugt an der Donau, in einem ausgewiesenen Biberrevier. Dort könne man die Tiere abends beobachten, sagt Martina Wiedler. Wenn sie schwimmen, sehe man nur die kleinen Köpfe, „aber wenn die aus dem Wasser kommen: heidenei!“.

Bisher keine Beschwerden

Der Fichtenberger Biber wurde noch nicht gesichtet. Martina Wiedler schätzt, dass es sich um mehrere Exemplare handelt. Ralf Wiedler will im Frühjahr im Kajak nach Röhren suchen. Ein Paar könnte es sein, schätzt Hohmann, möglicherweise mit Jungen – Jungbiber werden in der Regel im dritten Lebensjahr vom Hof gejagt beziehungsweise von der Biberburg, wenn’s denn eine gibt.

Der Biber ist zwar unübersehbar anwesend an der Fichtenberger Rot, dennoch gibt’s keine Beschwerden. Das Gelände wird landwirtschaftlich offenbar kaum genutzt, zudem hat sich der Nager bisher auch nur an Weiden vergriffen, die sonst nicht gebraucht werden und verlässlich nachwachsen. Es handelt sich um das bevorzugte Winterfutter des Bibers, sagt Hohmann.

Schelklingen/Allmendingen

Handlungsbedarf besteht also nicht. Die Situation wird weiter beobachtet. Hohmann will sich zudem um einen ehrenamtlichen Biberbeauftragten bemühen und auf Vorrat Maschendraht besorgen. Wenn der Biber Bäume ins Auge fasst, die wertvoll sind oder ungünstig fallen könnten, werden sie mit Drahthosen geschützt.

Im Limpurger Land ist der Biber ungefähr seit dem Jahr 2011 aktenkundig. Damals wurden auf der B 19 zwischen Ottendorf und Westheim gleich zwei der Großnager überfahren, die dort auch heimisch sind. Das Fichtenberger dürfte daneben eines der ältesten, konstanten Bibervorkommen im Limpurger Land sein.

Am Kocher bei Gaildorf hat er seitdem aber ebenso seine Spuren hinterlassen wie in Sulzbach-­Laufen. Seit eineinhalb Jahren beobachte man seine Aktivitäten dort, sagt Bauhofleiter Gerhard Nübel, lasse ihn aber auch zufrieden. Das Tier, das mittlerweile unterhalb des Braunhofes nagt, störe niemanden, obwohl es am Sportplatz auch schon „eine Ulme gekillt“ habe.

Die Röhre in der Mähwiese

In Oberrot wird der Biber immer wieder gesichtet; ein Revier gibt es nach allem, was man weiß, bisher aber noch nicht. Die Gemeinde hat sogar einen ehrenamtlichen Biberbeauftragten: den Geoökologen Martin Hofmann. Ein Mal war er ernsthaft gefordert: Bei Wielandsweiler hatte ein Biber ein Röhre in eine Mähwiese gegraben. Weil das Tier dann wieder abwanderte, konnte die Röhre verfüllt werden.

Kommt der Biber der Landwirtschaft ernsthaft ins Gehege, empfiehlt das Regierungspräsidium Stuttgart, einen zehn bis zwanzig Meter breiten Uferstreifen ungenutzt zu lassen. Den Biber zu jagen, ist verboten und auch seine Röhren und Burgen sind tabu. Im Grunde sind gegen die streng geschützte Art nur Passivmaßnahmen erlaubt: Drahthosen für Bäume, Drainagen, Drahtgeflechte auf Staudämmen.

Denn anders als das Springkraut ist der Biber keine invasive Art, sondern ein Rückkehrer: Vor 150 Jahren hatte man ihm in Baden-­Württemberg den Garaus gemacht. Heute freut man sich, dass er wieder da ist. Und wenn er Ärger macht, greift das Bibermanagement: „Für (fast) jedes Biberproblem“ gebe es auch Lösungen, sagen die Experten des Regierungspräsidiums.

Das könnte dich auch interessieren:

Großnager im Revier


Broschüre „Bibermanagement im Regierungsbezirk Stuttgart. Mit dem Biber leben“ heißt eine Broschüre des Regierungspräsidiums, die über den Biber und sein Verhalten aufklärt und geeignete Maßnahmen für den Konfliktfall benennt.

Kontakte Ansprechpartner sind die Biberberater und die Naturschutzverwaltungen der Landkreise. Im Ostalbkreis ist es das Referat Baurecht und Naturschutz, im Rems-Murr-Kreis das Amt für Umweltschutz und im Landkreis Schwäbisch Hall das Bau- und Umweltamt.

Exkursion In Fichtenberg wird man den Biber gewähren lassen. Über die Bürgerstiftung ist für 2020 eine Exkursion ins Biberrevier mit dem Kreisökologen André Hohmann vorgesehen.