Rasch wuchs am Sonntag die Besucherzahl bei der aktuellen Sonderausstellung über Poesiealben aus alten und neueren Zeiten des Heimat- und Geschichtsvereins in Horlachen und vor den Vitrinen wurde es zeitweise eng.

„Ich hab’ auch noch ein Album mitgebracht“, verkündet eine Dame aus der Umgebung – nur lesen könne sie es nicht so recht, fügt sie an. So setzt sich Valeria Bühler aus Schlechtbach an den Tisch im Ausstellungsraum und tut das, was sie seit Oktober letzten Jahres emsig getan hatte. Sie „übersetzt“ die schwer lesbaren Verse.

Für die Ausstellung hat sie solche Übersetzungen in Schriftform verfasst und so wurde in Mappen und an den Wänden leicht Lesbares neben den Originalen, die teils sehr klein, schon leicht verbleicht oder in Sütterlin geschrieben waren, präsentiert.

Mit vierzehn Alben aus dem Museumsfundus hatte es begonnen, nach einem Aufruf im Gschwender Gemeindeblatt kamen noch über zwanzig dazu und das Museumsteam hat Wissenswertes zum Thema auf Schautafeln gesammelt.

Poesie von der Kaiserzeit bis zur DDR

Die ältesten, teils noch ungebundenen und in einem Kästchen aufbewahrten Blätter stammen aus der Kaiserzeit zwischen 1871 und 1918, beispielsweise von Katharina Mack und Rösle Maas, beide aus Rappoltshofen, Karoline Kopp aus Gschwend oder Rösle Stein vom Metzlenshof. Die Zeit spiegelte sich in Kränzen aus Rosen, Goldprägung und Engelsbildchen.

Auch spätere Exemplare geben Hinweise auf das jeweilige Zeitgeschehen, sei es in der Hinwendung zu religiösen Inhalten in unsicheren Zeiten bis hin zu propagandistischen Versen zu Zeiten der nationalsozialistischen Diktatur um 1941.

Zur Sammlung gehören auch Alben der Sechzigerjahre, darunter ein Poesiealbum aus der damaligen DDR. Oft zeigt sich der Einfluss von Eltern und Lehrern im Geschriebenen und insgesamt geraten Freundschaftsbekundungen gar zugunsten von Lebensweisheiten und religiösen Themen ins Hintertreffen. Die üblichen Rosen-, Tulpen-, Nelkenbildchen mit Engelchen und Vergissmeinnicht werden zunehmend durch Scherenschnitte und durch Selbstgemaltes ersetzt.

Auch nicht so Pathetisches, sondern humorvolle Verse finden sich immer wieder. Eine solche Sammlung befindet sich an der Wand. Zum Beispiel liest man dort: „Ohne Blumen, ohne Träume, ohne schöne Purzelbäume, ohne Käse, ohne Speck hat das Leben keinen Zweck.“

Am Museumstag in Horlachen tun es aber auch mal Kaffee und Kuchen und so durfte sich die Gschwender Trachtengruppe über regen Zulauf in das Museumscafé freuen.

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