Schwäbisch Gmünd Die Sinnlichkeit der Zithersaite

Xu Fengxia spielt auf der Guzheng im Duett mit Georg Glasl auf einer Zither.
Xu Fengxia spielt auf der Guzheng im Duett mit Georg Glasl auf einer Zither. © Foto: Ralf Snurawa
Schwäbisch Gmünd / Ralf Snurawa 08.08.2018
Xu Fengxia und Georg Glasl treten in Schwäbisch Gmünd in den musikalischen Dialog.

Es war ein wenig eine Gratwanderung zwischen dem Nachhören der Töne des jeweils anderen und einem gewitzten Augenzwinkern: Die chinesische Guzheng-Spielerin Xu Fengxia und der bayerische Zitherspieler Georg Glasl spielten am Mittwoch beim Europäischen Kirchenmusikfestival in Schwäbisch Gmünd. Der Abend hatte den Titel „Mond süchtig“. Ein wenig war das Konzert im Franziskanerinnen-Kloster auch ein musikalischer Kulturaustausch.

Denn die beiden Musiker ließen die Töne ihrer Zitherinstrumente teilweise ineinandergreifen. Glasl hatte diese Passagen als „frei gehaltene Gespräche“ bezeichnet. „Wir geben uns ein Gesprächsthema vor, alles Weitere entwickelt sich frei. Das Programm wird ohne Satzpausen gespielt, quasi als Hörstück.“

Unter der Überschrift „schlaflos“ begann das Duett der Musiker, der Instrumente und der Kulturen. Mit einem E-Bow versetzte Glasl eine der Melodiesaiten seiner Zither in Schwingung. Lang gehaltene Töne wurden auch mit Streicherbögen erzeugt. Da klangen sie noch beieinander.

Erst mit dem zunehmenden Zupfen der Saiten entfernten sie sich. Glasl ließ seine Basssaiten bisweilen perkussiv auf den Korpus seines Instruments aufschlagen. Xu bearbeitete die Saiten der Guzheng des Öfteren mit den Handseiten, die sie von den Saiten zurückfedern ließ.

Spürbare Konfrontation

Mit ihrer Stimme schwankte sie zwischen jazziger Attitüde und mongolischer Kehligkeit. So konnten bluesartige Momente in eine ihrer Eigenkompositionen, „Yang guan san die“, einfließen. Da war die Konfrontation zwischen den Musikkulturen am stärksten spürbar, auch mit dem nachfolgenden, trivial anmutenden „El primer Tango“ von Fredrik Schwenk.

Andere führten in die Renaissance- und Barockzeit, etwa der tänzerische „Canarios“ von Gaspar Sanz. Chinesische traditionelle Musik klang nur leicht an. Glasl hatte das als die Verwendung von „Elementen traditioneller westlicher und chinesischer Musik“ bezeichnet, „die in einer Art Montagetechnik miteinander verwoben werden“. Da erwies sich das Konzert als eine Melange der verschiedenen Stücke: von heutigen Komponisten wie Schwenk und Xu, aber auch Nikolaus Brass und Wilfried Hiller über Barockmusik bis zur Improvisation.

Das irritierte einen Teil des Publikums, das beim plötzlichen Ende nicht mehr wusste, ob die „Annäherung“ nun ernst, oder ob sie humorvoll gemeint war. Diese Offenheit machte aber auch den Reiz aus, der sich mit der bayerischen Ländler-Zugabe samt chinesischen Jodlern in Erleichterung auflöste.

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