Gaildorf Die Sanierung der Schulen wird Millionen verschlingen

Blick auf das Schulzentrum im Gaildorfer Schlosspark, in das Millionen investiert werden müssen: Neben dem Rathaus (links) sind die Schloss-Realschule, das Schenk-von-Limpurg-Gymnasium und im Anschluss daran die Parkschule zu erkennen.
Blick auf das Schulzentrum im Gaildorfer Schlosspark, in das Millionen investiert werden müssen: Neben dem Rathaus (links) sind die Schloss-Realschule, das Schenk-von-Limpurg-Gymnasium und im Anschluss daran die Parkschule zu erkennen. © Foto: Archiv/Clemens Weller
Gaildorf / Klaus Michael Oßwald 04.04.2018
Kopfzerbrechen im Gaildorfer Gemeinderat: Um Gymnasium und Realschule auf Vordermann bringen zu können, sind viele Millionen Euro nötig – und umfangreiche Zuschüsse.

Viel Geld muss die Stadt Gaildorf in die Hand nehmen, um ihre betagten Schulgebäude auf Vordermann zu bringen. Die Verwaltung rechnet für die kommenden vier bis sieben Jahre mit einem Bedarf von 15 bis 20 Millionen Euro brutto. Allein wäre die Kommune überfordert. Zuschuss­anträge sind gestellt – in der Hoffnung, aus verschiedenen Fördertöpfen von Bund und Land Geld zu bekommen.

Umfangreiche Untersuchungen

Die Chancen stehen laut Bürgermeister Frank Zimmermann gut, dass Gaildorf als finanzschwache Kommune Bundesmittel erwarten darf. Weil, was Voraussetzung ist, „nach den zu erwartenden Schülerzahlen weiterhin Bedarf an den Schulgebäuden“ bestehe – die zwischen 40 und 60 Jahre alt sind. Auf der Dringlichkeitsliste ganz oben rangiert die Sanierung von Schenk-von-Limpurg-Gymnasium und Schloss-Realschule.

In den vergangenen Monaten hat nun das Haller Architekturbüro Kraft & Kraft gemeinsam mit Fachplanern eine umfangreiche Untersuchung der beiden Einrichtungen sowie Erhebungen und Planungen angestellt, die für die Förderanträge notwendig sind. Architekt Lorenz Kraft schilderte dem Gemeinderat die Ergebnisse dieses Kraftakts – und auch die möglichen Kosten.

Festgestellt worden seien „viele bauliche Mängel“. Technische Bauteile oder die Toiletten müssten erneuert, Fenster ausgetauscht, die Fassaden gerichtet, die Schulen barrierefrei gemacht werden. Teilweise, so Kraft, sei schon vieles im Rahmen des Konjunkturprogramms 2009/2010 erledigt worden  – „aber eben nicht alles“.

Im Gespräch mit dem Regierungspräsidium Stuttgart hatte die Verwaltung die ermittelten Kosten und den sich daraus ergebenden Finanzrahmen erörtert. Danach muss für das Gymnasium mit einer Summe von rund 7,560 Millionen Euro gerechnet werden, 7,384 Millionen sind förderfähig. Die Arbeiten an der Realschule sind mit 4,980 Millionen Euro errechnet, davon sind 4,809 Millionen förderfähig. In der Summe geht es schließlich um 12,540 Millionen Euro (förderfähig: 12,189 Millionen).

Diese Beträge sind aktuelle Werte, die sich durch Preissteigerungen bis zum Ende der Maßnahmen in den kommenden Jahren deutlich erhöhen könnten. Die Verwaltung geht von einer Summe aus, „die jenseits einer Million Euro liegen kann“. An Zuschüssen werden für beide Gebäude maximal etwas mehr als 7 Millionen Euro erwartet. Der kalkulierte Eigenanteil liegt bei mehr als 5 Millionen Euro.

Neubauten viel zu teuer

Konkret bedeutet die nun vorliegende Berechnung, dass sich die in der jüngsten mittelfristigen Finanzplanung – die einen Zeitraum von fünf Jahren skizziert – genannten Eigenanteile „mindestens verdoppeln bis verdreifachen“, heißt es dazu in dem achtseitigen Papier zur Ratssitzung.

Auch wenn diese Situation Verwaltung und Gemeinderat erhebliches Kopfzerbrechen bereitet, an der Sanierung führt wohl kein Weg vorbei. Die Alternative, die Lorenz Kraft andeutete, käme erheblich teurer: Für ein neues Gymnasium müsste mit 18 Millionen Euro gerechnet werden, für einen Realschul-Neubau mit 12 Millionen.

Dass die größten Schulsanierungen in der Geschichte der Stadt umgehend angepackt werden müssen, macht der Gemeinderat mit überzeugendem Votum deutlich. Für CDU-Stadtrat Rainer Baumann steht die Notwendigkeit außer Frage. Die weitere Entwicklung der Stadt hänge davon ab, mahnt er. So sieht es auch FWV-Fraktionsvorsitzender Heinrich Reh: „Wir wollen die Gebäude weiterhin nutzen.“ Seit dem einstimmigen „Ja“, mit dem der Technische Ausschuss seine Empfehlung an den Gemeinderat formuliert hatte, herrsche in der SPD-Fraktion „kollektives Bauchweh“, gesteht Fraktionschefin Margarete John – getrieben von der Angst, „dass wir das alles nicht schaffen“. Bernhard Geißler, Sprecher der Offenen Liste, pocht darauf, dass im Zuge der Sanierung auch Glasfaserkabel verlegt werden, „dann hätte sich das Thema Elektrosmog erledigt“.

Weitere Schulen im Blick

Was die Finanzierung anbelangt, über die sich die Verwaltung nun Gedanken machen muss, rät Bernhard Geißler dazu, „die drei bis fünf Millionen Euro für das Feuerwehrmagazin unter die Lupe zu nehmen“ – denn er ist überzeugt: „Es gibt tatsächlich vernünftige Alternativen dazu.“

Sanierungsbedarf in insgesamt siebenstelliger Größenordnung besteht auch bei den übrigen Schulgebäuden in Ottendorf, Eutendorf, Unterrot und in der Parkschule, jedoch ist hier weit weniger Eile geboten als im Bereich Gymnasium und Realschule (wir werden darüber berichten). Beschlossen ist die Sanierung des Lehrschwimmbeckens.

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