Im März schmilzt Manfred Köger Waben aus. Vor der Garage steht ein großer, dampfender Metallkasten, unten tropft goldgelbes Wachs in einen Eimer. Es riecht würzig. Die Wachskuchen werden für die Mittelwände im Bienenkasten verwendet, auf denen die Bienen dann ihre Zellen aufziehen. Köger gießt die Mittelwände selbst, die Gussform gehört dem Bezirksimkerverein Gaildorf, dessen Vorsitzender er ist. Größere Mengen - ab 20 Kilogramm - bringt er zu einem Händler nach Billingsbach, der eine automatische Mittelwandgießmaschine verwendet. Es sei wichtig, eigenes Wachs zu verwenden, sagt Köger. Wachs von anderen Imkern könne Rückstände, beispielsweise von Medikamenten gegen die Varroamilbe enthalten. Er selbst und auch seine Vereinskollegen bekämpfen den Schädling ausschließlich mit organischen Säuren.

Gefährdet durch Schädlingsmittel und Schädlinge

Alte Imker, weiß Manfred Köger, sagen immer noch: "der Bien". Sie meinen nicht das Individuum, sondern das Volk, den Schwarmorganismus, der nun langsam aktiv wird und dafür sorgt, dass Pflanzen sich vermehren, dass aus Blüten Früchte werden, dass Nahrung entsteht, die geerntet werden kann. Der allseits geschätzte Honig ist nur das süße Nebenprodukt eines komplexen ökologischen Systems, das das Leben auf dem Planeten Erde erhält.

Früher habe man gesagt, die Biene könne ohne den Menschen überleben, aber nicht der Mensch ohne die Biene, sagt Manfred Köger. Heute gelte das leider nicht mehr. Ohne den Menschen, ohne den Imker, stünde die Biene auf der roten Liste der bedrohten Arten.

Dafür gibt's viele Gründe: Eine intensiv betriebene Landwirtschaft beispielsweise verknappt das Nahrungsangebot für die Bienen - wenn im Juni die Erntezeit begonnen hat, müssen die Imker gelegentlich bereits zufüttern. Manchmal setzt die Landwirtschaft den Bienen auch direkt zu. Die Verwendung eines für Bienen tödlichen Maisbeizmittels führte 2008 zur "Katastrophe im Oberrheingraben".

Richtig gefährlich aber sind Schädlinge wie die erwähnte Varroamilbe, die aus Asien eingeschleppt wurde. Die östliche Honigbiene Apis Cerana ist resistent, die hiesigen Bienen sind es nicht. Und deshalb rücken Manfred Köger und seine Mitimker ihren Bienen nach der Honigernte mit Ameisensäure zu Leibe und schieben im Winter noch eine Oxalsäure-Therapie nach. Der Milbenbestand wird dadurch zwar nicht vernichtet, aber immerhin so reduziert, dass "der Bien" überleben kann. Unternehme man nichts, sagt Köger, breche das Bienenvolk nach zwei bis drei Jahren zusammen.

Köger betreibt die Imkerei mit großem Engagement und immensem Fachwissen. Als Vereinsvorsitzender und Vertreter des Wahlkreises Schwäbisch Hall-Hohenlohe im württembergischen Imkerverband steht er in engem Kontakt mit der Landesanstalt für Bienenkunde in Hohenheim, organisiert Vorträge, Fortbildungs- und Werbeveranstaltungen, beispielsweise im Freilandmuseum in Wackershofen.

Der heute Siebzigjährige, der vor seinem Ruhestand Werkstattleiter der Beschützenden Werkstätte in Schwäbisch Hall war, hat mit einem Bienenvolk angefangen. Der Schwarm hing in seinem Garten, sein imkernder Schwager sammelte ihn ein: "Der gehört dir!" Zwei Jahre später war Köger bereits Vorsitzender des Bezirksimkervereins Gaildorf. Derzeit besitzt er zwölf Völker; drei hält er hinterm Haus, die restlichen im Wald und auf den Feldern rund um Mittelfischach, wo er lebt.

Das Wesen der Bienen sei einfach faszinierend sagt Manfred Köger, die Explosion einer Population von 8000 auf 40 000 Bienen in wenigen Wochen, das Innenleben im Stock, die Spezialisierung der Bienen auf "viele Berufe", das emsige Treiben am Flugbrett, die Ankunft der Bienen mit Pollenhöschen, das Wissen, dass der Garten vor allem wegen der Bienen blüht. Es sei wie ein Virus. Irgendwann im Frühjahr komme der Zeitpunkt, an dem man's nicht mehr warten könne.

Und wenn man einen Stachel im Fleisch hat? Herausstreifen. Nicht mit den Fingern quetschen.

Wachstum am Bienenstand: Die Imkerei liegt im Trend

Imker Rund 1000 Imker, darunter etwa hundert Frauen, gibt es derzeit im Wahlkreis Schwäbisch Hall-Hohenlohe, zu dem auch Teile des Main-Tauber-Kreises gehören. Auf einen Imker kommen im Schnitt acht Völker. Ab 30 Völkern gilt das Hobby übrigens als gewerblich und wird steuerpflichtig. Als Vorsitzender vertritt Manfred Köger den Wahlkreis im Landesverband Württemberg.

Neuimker Imkern liegt im Trend, und zwar schon einige Zeit. 2003 hat der Wahlkreis in Zusammenarbeit mit der Hohenheimer Landesanstalt für Bienenkunde eine Werbeveranstaltung in Künzelsau durchgeführt. Allein mit dieser Aktion konnten 90 Neuimker gewonnen werden. Sie werden von den Vereinen in Theorie und Praxis, etwa am Lehrbienenstand bei Schwäbisch Hall, ausgebildet und auch mit Bienen versorgt. Außerdem wird ihnen ein Imker-Pate zugewiesen.

RIF