Film Die rückständige Inderin ist ein Klischee

Silke Abendschein - Kostümbildnerin, Designerin und Filmemacherin. Privatfoto
Silke Abendschein - Kostümbildnerin, Designerin und Filmemacherin. Privatfoto
Gaildorf/Oberrot/Hall / VERENA BUFLER 25.04.2013
Silke Abendschein hat einen Dokumentarfilm über Frauen in Indien gedreht, den sie nun in Gaildorf zeigt. Die gebürtige Hallerin, in Oberrot aufgewachsen, engagiert sich seit mehr als zehn Jahren in Südasien.

Alle 20 Minuten wird in Indien eine Frau vergewaltigt. "Das ist nicht neu. Neu ist nur die Medienwirksamkeit seit der Gruppenvergewaltigung einer jungen Frau", sagt Silke Abendschein, die sich seit mehr als zehn Jahren in Indien engagiert. Die Regisseurin will diese dunkle Seite Indiens nicht beschönigen, hat sich aber in ihrem Dokumentarfilm "Chellaponnu" auf einen anderen Aspekt konzentriert: Sie begleitet das Leben von fünf Frauen im südindischen Hinterland - geprägt von Familie, harter Arbeit und tiefer Tradition. Der Film erzählt, ohne zu werten.

Geboren in Hall, wuchs Silke Abendschein auf dem Greuthof bei Oberrot auf, wo ihre Mutter Traude-Rose Wannenwetsch noch heute lebt. Nach dem Abitur am Ernährungswissenschaftlichen Gymnasium in Hall verließ sie das Rottal und wurde zunächst Damenschneiderin, ging dann ans Städtische Theater nach Freiburg und studierte später Kostümgestaltung. Seit 2007 arbeitet sie freischaffend als Kostümbildnerin und Designerin mit eigenem Ladenatelier zuerst in Dresden und nun in Berlin. Seit 2002 engagiert sich die 33-Jährige in Indien, unter anderem für Projekte des Vereins "Shoshana - Hilfe für Frauen in Not", gegründet von der Tüngentalerin Martha Förch. Sechs oder sieben Mal reiste sie bisher nach Indien und erteilte Lehrerinnen Nähunterricht.

In ihrem Dokumentarfilm provoziert die Filmemacherin mit einem Vergleich des Lebens ihrer Mutter in den 60er-Jahren in einem süddeutschen Dorf einerseits und dem heutigen indischen Hinterland andererseits. Die Botschaft: Inderinnen sind zwar rückständig, was etwa die Behausung angeht, aber teils aufgeschlossener als deutsche Frauen vor 50 Jahren. Ein Beispiel: "In Indien dürfen wir bei fremden Frauen wohnen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir eine fremde Inderin seinerzeit auf dem Greuthof aufgenommen hätten."

Silke Abendschein, Mutter eines elfmonatigen Sohnes, sei in Indien bislang nie in Gefahr geraten, sagt sie. Sie leistet ihren Teil dazu, indem sie sich passend kleidet und die Körpersprache der Inder beherrscht. An der Stellung der Frau in Indien werde sich trotz positiver Ansätze so schnell nichts ändern, befürchtet sie, obwohl Frauen laut Verfassung viele Rechte haben. "Typisch für Indien: ein Widerspruch zwischen Schein und Sein."