Naturstromspeicher Die Planung der vier Windräder für den Naturstromspeicher wird geändert

Die wichtigste Änderung: Der Rotordurchmesser der Windräder verringert sich um zwölf Meter, die Nabenhöhe wird um sechs Meter angehoben.
Die wichtigste Änderung: Der Rotordurchmesser der Windräder verringert sich um zwölf Meter, die Nabenhöhe wird um sechs Meter angehoben. © Foto: Grafik: MBS
Gaildorf / KLAUS MICHAEL OSSWALD 31.01.2015
Die vier Windkraftanlagen für das Gaildorfer Naturstromspeicher-Energieprojekt sollen anders gebaut werden als ursprünglich geplant. Sie werden etwas kleiner. Der Gemeinderat ist damit einverstanden.

Die öffentliche Bekanntmachung der Tagesordnung zur jüngsten Sitzung des Gaildorfer Gemeinderats hat eine ganze Reihe von Kritikern des Naturstromspeichers auf den Plan gerufen: Es ging um den aktuellen Bauantrag der MBS Naturstromspeicher GmbH, der eine Planungsänderung der vier großen Windräder zum Gegenstand hat. Einige Bürger, die zur Sitzung gekommen waren, darunter Vertreter der Initiative "Für Gaildorf", hatte sich durch die veränderte Situation neue Gutachten und auch weitere Widerspruchsmöglichkeiten erhofft.

Offensichtlich vergeblich. In der Sitzung gehe es nur um das "gemeindliche Einvernehmen", erläuterte Bürgermeister Frank Zimmermann. Ob neue Gutachten nötig seien, habe die Genehmigungsbehörde beim Landratsamt zu entscheiden. Er gehe nicht davon aus, dass die geänderten Pläne - die gemäß Paragraph 15 des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (BImSchG) dem Landratsamt in Hall gemeldet wurden - ausgelegt werden müssen. Ein neuer Antrag gemäß BImSchG sei laut Unterlagen "nicht erforderlich, da durch diese Umplanungen die Windenergieanlagen in ihrer Abmessung kleiner werden", heißt es dazu in einer Verwaltungsvorlage zur Sitzung. Und: "Alle Emissionen, die bekannt sind, gehen nach unten", wie Projektentwickler Alexander Schechner ergänzte.

Durch die Planungsänderungen würden also laut Stadtverwaltung "keine zusätzlichen Beeinträchtigungen" erwartet. Darüber hinaus bleibe der Betrieb der vier Anlagen identisch mit der genehmigten Planung. Dies betreffe unter anderem die Bereiche Arbeitssicherheit, Rettungskonzept, Anlagensicherheit (wie Blitz- und Brandschutz, Positionsleuchten, Eiserkennung oder Sichtweitenmessung), wassergefährdende und Abfallstoffe. Ein Bürger sah dies anders: In der Fragestunde warnte er vor einer "ungeheuren Spaltung von Gaildorf".

Kritik aus den Reihen der Zuhörer an der Verwaltung, sie habe auf die Abstimmung im Gemeinderat über die beabsichtigten Änderungen nicht ausdrücklich hingewiesen und die Informationen dazu erst in der Sitzung öffentlich bekannt gegeben, wies der Bürgermeister zurück. Es sei üblich, so Frank Zimmermann, "dass das Gremium abstimmt" - und dass Vorlagen nicht vor einer Sitzung öffentlich gemacht würden.

Im vorliegenden Fall geht es darum, dass nicht die genehmigten Anlagen vom Typ Gamesa G 144 mit einem Rotordurchmesser von 144 Metern und einer Nennleistung von jeweils 5,5 Megawatt (MW) errichtet werden sollen, sondern vom Typ Gamesa G 132 mit 132 Metern Rotordurchmesser und einer Nennleistung von 5,0 MW. Die Nabenhöhe soll um sechs Meter angehoben werden, die so genannte Blattspitzhöhe bleibt gleich (siehe Grafik). Gleichzeitig soll die Plattform, der Übergang vom Konus (der kleiner und schlanker werde) zum Turm, herabgesetzt werden.

Eine Änderung ist auch hinsichtlich der Kranstellfläche beabsichtigt: Durch die steilere Anböschung könne dauerhaft - etwa für eine Wartung - auf die Kranplattform zugegriffen werden, ohne die Böschung nachträglich abtragen zu müssen, heißt es dazu im Plan.

Projektentwickler Alexander Schechner begründete die Änderungen unter anderem mit der Tatsache, dass die ursprünglich geplanten Anlagen mit Blick auf eine sinkende Vergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) "nicht zeitgerecht verfügbar" seien. Die Anlagen müssten, wie geplant, Ende 2016 in Betrieb gehen. Die nun zum Einsatz vorgesehene Variante sei "eine Top-Maschine", die man "schon immer als Plan B geführt" habe. "Windtechnisch" werde ein "sehr hoher Qualitätsstandard" erreicht.

Um abschätzen zu können, ob die Vermutungen der Planer hinsichtlich sinkender Emissionen auch zutreffend seien, hätte sich Offene-Liste-Sprecher Bernhard Geißler mehr Informationen, etwa einen Vergleich der Datenblätter, gewünscht. Seinen Antrag, die Abstimmung im Gaildorfer Gemeinderat zu vertagen, lehnte das Gremium ab.

Zuvor hatte Alexander Schechner betont, dass in den Untersuchungen etwa zum Thema Schall ohnehin nur der lauteste Wert dargestellt werde, und "in der Prognose liegen wir unter diesem Wert".

Am Ende der Erörterung sprach sich der Gemeinderat dafür aus, das gemeindliche Einvernehmen zu dem Bauantrag zu erteilen. Bernhard Geißler stimmte dagegen, sein Fraktionskollege Axel Spix enthielt sich der Stimme.

Der aktuelle Zeitplan

Windenergieanlagen

- März-April 2015 Aushub

- Herstellung der Passivbecken und Speicherfundamente bis Ende 2015

- Hauptmontage Windenergieanlagen Mitte/Ende 2016

- Inbetriebnahme Windenergieanlagen Ende 2016

Pumpspeicherkraftwerk

- Herstellung der Baugrube zum Pumpspeicherkraftwerk Frühjahr 2016

- Bauzeit Pumpspeicherkraftwerk 2016

- Hauptmontage Pumpspeicherkraftwerk 2017

- Inbetriebnahme Mitte/Ende 2017

Druckrohrleitung

- März 2016-Dezember 2016

Unterbecken

- Noch in der Abstimmung mit dem Bahnprojekt "Stuttgart 21"; Potenzial für den Aushub bietet die Rekultivierung im Hasenbühl

(Quelle: MBS)

SWP