Limpurger Land / KARENA HÄFNER  Uhr
Die Zeit der Köhler im Limpurger Land ist längst vorbei. Ihre Spuren sind verwischt - verraucht! Wer sie waren, wie sie hießen, darüber gibt es keine verlässlichen Aufzeichnungen.

Die Zeit der Köhler im Limpurger Land ist längst vorbei. Ihre Spuren sind verwischt - verraucht! Wer sie waren, wie sie hießen, darüber gibt es keine verlässlichen Aufzeichnungen. Aber mündliche Überlieferungen: So lebte in der Gegend einst ein "Köhlermichel" aus Hohenberg, Michael Schlipf, der 1612 im Sulzbacher Taufbuch genannt ist. Dann gab es noch einen Sulzbacher Köhler namens Conrad Winter, von dem nur das Todesjahr bekannt ist: 1700.

Und dann zeugen noch Flur- und Waldnamen wie etwa die Kohlgrube oder die Kohlhalde, die Kohlklinge oder das Kohlwiesle von der Köhlerei, dem uralten "Handwerk der Armen". In Mulden im Wald - um vor Regen und Wind geschützt zu sein - errichteten sie ihre Meiler. Eine Aufzeichnung aus dem Jahr 1852 vermerkt: In Sulzbach und Laufen am Kocher lebten "die Ärmeren von Tierzucht und Köhlerei". Niedergeschrieben hat es ein Beamter des "Königlich Statistisch Topographischen Bureaus", der auch an der Gaildorfer Oberamtsbeschreibung mitgewirkt hat.

Seit Juli steht im Kohlwald wieder ein Meiler. Die Landjugend hat ihn aufgeschichtet, um Holzkohle, "Schwarzes Gold", herzustellen. Ein Stück Landschaftskultur wieder lebendig machen - das ist ihr Ziel. Und das ist die Geschichte dazu.

Die Helfer treffen sich am 19. Juli. Der Meiler entsteht auf einem Stück von Stadelmaiers Gerstenfeld. Hier musste bereits das Getreide dem Bauwerk weichen. Das Fundament des Meilers ist ein quadratischer Rost aus Baumstämmen, auf denen quer grobe Bretter mit einigen Zentimetern Abstand genagelt sind. Die Lücken müssen sein, damit später das Wasser aus dem Holz im Kohlenmeiler abtropfen kann. In die Mitte des Rostes sägt Klaus Sanwald ein Loch und setzt einen Pfosten hinein. Es ist der Mittelpunkt, um den das Holz geschichtet wird.

Im Mittelpunkt stehen, das ist nicht Sanwalds Art. Aber hier muss er es. Er ist der Fachmann im Meilerbau, den die Kohlwald-Jugend um Unterstützung gebeten hat. Mit einem Vortragsabend hat er ihnen erklärt, auf was sie sich einlassen, welche Aufgaben nötig sind. Abgeschreckt haben seine Worte nicht.

Als Orientierung sprayt er im Abstand von einem halben Meter konzentrische Kreise um den Pfosten. Sie sind Richtmaß dafür, dass die Schichtung gleichmäßig wird. Vier Meter Durchmesser soll der Meiler bekommen. Dicht gestapelt, passen sieben Kubikmeter Holz hinein.

Tabea Beißwenger hat mit einem kleinen Traktor einen Hänger voll Holz gebracht. Meterlang sind die kleinen Stämme. Im Dezember haben die Leute von der Landjugend zehn Festmeter Buchenholz geschlagen, im Januar die Stämme zerlegt. Jetzt, nach einem halben Jahr an der Luft, ist schon viel Feuchtigkeit entwichen.

Die Späne fliegen

Achim Moll und Armin Brehm stehen am elektrischen Spalter, teilen die Stämme der Länge nach. Die Meterstücke werden später um den Meiler herum platziert - schräg, etwa im 45-Grad-Winkel.

Ein Meiler beginnt als Puzzlearbeit. Kurze Scheite sind nötig. Die entstehen nur in Teamarbeit. Bernd Mehrer legt sie anschließend quer auf zwei Stämme, er wirft die Motorsäge an, stellt den Fuß auf den Stamm, damit der nicht wegrutscht. Er beugt sich nach vorn - "nnnnmmmmmm . . . nnnnnmm", dröhnt es. Die Späne fliegen. Seine Arbeit geht schnell vonstatten. Bei den anderen dauert es etwas länger.

Dietmar Stiefel greift nach den dicken Scheiten, die links neben ihm auf dem Boden liegen. Das Holz lagert zwar schon ein halbes Jahr, ganz trocken ist es aber nicht. Trotz kräftigem Schlag bleibt das Handbeil manchmal stecken. Nächster Schlag, noch einer. Irgendwann bricht der Klotz entzwei.

Neben ihm steht Martin Glombik am zweiten Hackklotz und spaltet so fein, wie es die Hölzer zulassen. Martin Stadelmaier hat das größte Beil gegriffen. Jan Waldenmaier stellt ihm das Holz auf den Klotz. "Zuhause machen wir auch Holz, das ist hier nichts Neues", lacht er. "Das Zusammensein mit den anderen, das ist hier für mich das Schönste!" Bei der Landjugend sei er seit fünf Jahren, sagt der 19-Jährige sichtlich zufrieden.

Lufttrocken ist das Holz, aber deswegen nicht leicht im Bruch. Je mehr Wasser im Holz ist, desto länger dauert später die Verkohlung. Eine Woche, haben die Köhler vom Kohlwald eingeplant, soll der Meiler brennen.

Klaus Sanwald kniet auf dem Rost. Er hat einige Scheite vor sich liegen, zerteilt sie mit dem Handbeil in schmalere Stücke. Während um ihn herum die Beile tönen und die Spalten purzeln, manchmal auch nach kräftigen Schlägen durch die Luft fliegen, sitzt der Experte auf dem Rost wie auf einer Insel. Den Kopf nach unten gesenkt, scheint er jeden Klotz individuell zu spalten. Er nimmt die Scheite und stellt sie im Kreis auf. Wortlos, als wolle er mit jedem Holz für beste Stabilität des Meilers sorgen. Als er den innersten, 50 Zentimeter messenden Ring aufgerichtet hat, steht er auf: "Wenn sich einer von euch beteiligen will . . ." Als hätten sie auf das Stichwort gewartet, kommen Achim Moll und Armin Brehm sofort zu ihm, knien sich ebenfalls um den Mittelkreis.

Köhler war früher ein Männerberuf

Beim Meilerbau mitmachen? Für Achim Moll war das nie eine Frage: "So etwas machen wir alle bloß einmal. Da muss ich einfach dabei sein", sagt er und strahlt. "Davon kann ich später noch lange und viel erzählen." Er habe sich überlegt, Sanwald später bei der sechstägigen Meilerwache zu helfen, denn der könne da "ja nicht alle Tage 24 Stunden allein hocken!"

Köhler, das war früher ein Männerberuf. Spalten, sägen, hacken - am ersten Abend bleibt das auf dem Kohlwald Männerarbeit. Tabea Beißwenger entscheidet sich daher fürs Stapeln der Hölzer.

"Achtet darauf, dass so wenig Hohlräume wie möglich bleiben. Manchmal muss man ein Holz mehrmals drehen, bis es passt!"

Zweieinhalb Stunden, nachdem sie begonnen haben, steht der Meiler schon einen halben Meter hoch, gruppieren sich die Hölzer im zweiten Kreis. "Ich komme mir vor, als würden wir einen Scheiterhaufen bauen", meint Achim Moll . . .