Fichtenberg Die etwas andere Gefühlsexplosion

Schräge Miene zum lustigen Spiel: Thomas Weber (links) und James Geier unterhalten ihr Fichtenberger Publikum.
Schräge Miene zum lustigen Spiel: Thomas Weber (links) und James Geier unterhalten ihr Fichtenberger Publikum. © Foto:
Fichtenberg / Karl-Heinz Rückert 02.07.2018
An einem Bilderbuch-Sommerabend gibt es auf dem Fichtenberger Marktplatz unterhaltsame Stunden mit der Kleinkunstbühne „Kabirinett“.

Gut gelauntes und erwartungsfrohes Publikum füllte Fichtenbergs gute Stube lange vor Beginn des „Fireabends“ – als phonetischer Gleichklang zum Feierabend am Freitag. Das Lagerfeuer mussten sich die Gäste zu den Stammtischsprüchen von Thomas Weber nur hinzudenken, nachdem er sich mit seinem Partner James Geier singend durch das Publikum zur Bühne bewegt hatte.

„Country Roads“: Der Song war Synonym für die folgende entspannte Unterhaltung zum „Fireabend“. Dabei konnten Punkte gesammelt werden, wenn sich die Gäste zu Webers Umfrage „Was ist normal?“ richtig einschätzten. Allen, die dabei zum Ergebnis kamen, normal zu sein, versicherte der Kabarettist, dass es um sie herum nur Idioten gäbe. Das sei wissenschaftlich erwiesen. James Geier blickte ob dieser pseudowissenschaftlichen Aufklärungen mal erstaunt, mal gelangweilt in die Runde. Ihm war wohl nicht ganz klar, zu welcher Kategorie das Publikum ihn und seinen Co-Protagonisten zählte. Scheinbar gelangweilt zupfte er hin und wieder an seiner Klampfe, bis aus ihm „Ring of Fire“ herausbrach und der Platz dazu – wie auch bei seinen weiteren feierabendlichen Gesangseinlagen mit schwelgenden Oldies – mehr oder weniger textsicher einstimmte. Seinen schottisch-bajuwarischen Slang meinte Weber entschuldigen zu müssen: „…geht ein bissle ins Hohenlohische – Späßle g’macht, koiner lacht!“ Hin und wieder lebt Thomas Weber zur Musik seines Partners als überdimensionierte „Schwoißmugg“ auf, oder trötet die Gitarrenmusik zu und stört den Refrain von „Knockin’ on Heaven’s Door“ mit einem vierfachen „Nackig“.

Wer am Klimawandel schuld ist

Dann tratscht er über Hunde- und Spinnenphobien seiner Großhöchberger Nachbarn, besonders über Fräulein Brigitte und deren Tochter. Nicht die Methangase ausscheidenden Rindviecher seinen schuld am Klimawandel, auch die beiden Damen leisteten dazu ihren Beitrag dank verschiedener Teekuren. Als Beispiel erwähnte er den „Vorfall“, bei dem sich die Tochter von besagtem Fräulein ihr Steißbein-Tattoo weglasern lassen wollte. Beim Vornüberbeugen sei ihr eine regelrechte Gefühlsexplosion entwichen. Damit wollte der Kabarettist das Thema beschließen, kam aber bei seinen uferlosen Überlegungen zur Erkenntnis, dass nicht der erste Kuss für den Beginn einer Beziehung ausschlaggebend sei, sondern das Ertragen des ersten Furzes.

Geiers Gitarrensongs gelang es letztlich mit Erfolg, Thomas Weber aus der Endlosschleife der thematisierten Flatulenz zu retten. Mit einem temperamentvollen Bolero demonstrierte der, dass in Großhöchberg, dem Sitz des Kabaretttheaters „Kabirinett“, auch heißblütige Menschen leben. Nach gut zwei Stunden bester Feierabendunterhaltung verabschiedete sich das Duo mit Reinhard Meys sanftem „Gute Nacht Freunde“, bei dem aus einer Zigarette bald mehrere Stangen und einem „Glas im Stehen“ ein ganzes Fass wurde.

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