Gaildorf Die digitale Stadtbücherei

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KLAUS MICHAEL OSSWALD 17.12.2013
Sie spart Platz und Kosten, soll neue Leserkreise erschließen - aber sie soll das gedruckte Buch nicht ersetzen. Der Gaildorfer Gemeinderat hat den Weg geebnet für die digitale Stadtbücherei.

Bereits Ex-Bürgermeister Ralf Eggert hatte die Weichen dazu gestellt, nun soll in der Gaildorfer Stadtbücherei das Projekt "Onleihe" umgesetzt werden. Dahinter verbirgt sich die Ausleihe von Büchern, die nicht gedruckt sind - so genannter eBooks. Die Leiterin der Bibliothek, Sabine Rombach, erläuterte dem Gemeinderat Details dieses neuen zusätzlichen Angebots, das bereits in 1500 Büchereien im deutschen Sprachraum vorgehalten wird.

Über "Onleihe" gibt es allerdings nicht nur Bücher, sondern auch - jeweils in digitaler Form - Zeitungen und Zeitschriften, Musik, Hörbücher und Videos, die man auf den heimischen Rechner oder ein mobiles Gerät laden und von diesem Lesen, hören oder sehen kann. Die Voraussetzung: Nutzer müssen bei der Stadtbibliothek angemeldet und damit im Besitz einer Lesekarte sein, also wie bisher. Kosten für die Bürger fallen nicht an.

Dieses Angebot hat nach den Worten Sabine Rombachs eine ganze Reihe von Vorteilen: Keine zusätzlichen Personalkosten oder Räume, kein Medienverschleiß. Gleichzeitig ließen sich neue Zielgruppen erreichen, das Image der Stadtbücherei erfahre eine Aufwertung, Versäumnisse durch verspätete Medien-Rückgabe gebe es nicht mehr (weil mit Fristende die Datei gesperrt wird), vor allem aber sei die Nutzung "barrierefrei rund um die Uhr".

Problematisch hingegen sei der Aufbau einer "Onleihe", wenn er von einer kleinen Bücherei allein geschultert werden müsste - der Kosten wegen. Deshalb schlug sie vor, sich dem Verbund Heilbronn-Franken anzuschließen, dem bereits 16 Bibliotheken angehörten, die über ein Download-Portal die Ausleihe ermöglichten. Im Falle eines Beitritts stünden sofort 10.000 Medien zur Verfügung. Der finanzielle Aufwand für die Stadt: 12 Cent pro Einwohner und Jahr, dazu 100 Euro pro Monat an Betriebskosten. Das wären - aktuell hochgerechnet - 2868 Euro jährlich ab 2015. Zur Einführung im Jahr 2014 wären 6500 Euro fällig.

Gegen die „Vereinsamung“ von jungen Leuten

"Wollen wir das haben?" Bürgermeister Ulrich Bartenbach, in dem bisweilen der Stadtkämmerer erwacht, der er einmal war, schickte der Diskussion die Feststellung voraus: Auch diese Summe belaste den Etat! Eine zweischneidige Angelegenheit ist die "Onleihe" auch aus Sicht des FWV-Fraktionsvorsitzenden Heinrich Reh: Auf der einen Seite beklage man, dass die Zahl der jugendlichen Bücherei-Nutzer wegen Online-Alternativen sinke, auf der anderen werde dieser Trend durch das neue Angebot noch verstärkt. Entschlossen CDU-Fraktionschef Rainer Baumann: "Wir wären mit dem Klammerbeutel gepudert, würden wir dieses zusätzliche Angebot nicht umsetzen". Dieses bringe die Bücherei nach vorne.

"Wir können nicht daran vorbei", befand auch SPD-Stadträtin Margarete Nagel-John. Von diesem "wahnsinnig wichtigen" Angebot erwarte sie einen "ordentlichen Schub an Lesern". Obwohl dies der Stadt "gut zu Gesicht" stünde, konnte FWV-Rat Frank Stettner die Euphorie nicht teilen - vor allem mit Blick auf die von Sabine Rombach genannte Zahl von nur 145 "Onleihen" in Hall pro Monat. Offene Liste-Stadtrat Ernst Kronmüller mahnte Überlegungen an, wie man parallel dazu einer weiteren Vereinsamung von Jugendlichen durch die zunehmende Online-Nutzung entgegenwirken könne. So sah es auch CDU-Rat Günther Kubin, wenngleich er froh darüber sei, dass junge Leute überhaupt etwas lesen.