Gaildorf Die Brandmalerei ist seine Leidenschaft

Gaildorf / BRIGITTE HOFMANN 11.05.2012
Brandmalerei ist eine uralte Volkskunst. Viktor Holzberger beherrscht sie in Vollendung. Jedes seiner Holzbilder ist ein Kunstwerk. Er stellt zurzeit im RUNDSCHAU-Fenster aus.

Man nehme eine Sperrholzplatte, schneide sie auf die gewünschte Größe zu, schleife sie ab - und dann kann die Feinarbeit beginnen. Es empfiehlt sich, das Motiv darauf zu skizzieren, denn korrigieren geht fast nicht. Früher wurden für die Brandmalerei, auch "Pyrographie" genannt, Metallwerkzeuge über einer Flamme erhitzt, heute wird ein heißer Stift mit elektrischem Strom zum Glühen gebracht.

Viktor Holzberger hat diese Technik verinnerlicht. Seit Jahren beschäftigt er sich damit. Am Anfang war es Neugier, ein willkommener Zeitvertreib. Heute lassen sich seine Arbeiten unter dem Begriff Kunst einordnen.

Kreativ tätig war Viktor Holzberger sein Leben lang. Einen Storch und eine Gitarre aus Holz brachte er schon aus den Karpaten mit. Später fertigte er Holzintarsien und legte sich das Fotografieren als Hobby zu. Vor Jahren entdeckte er in einem Supermarkt einen Kasten mit Utensilien für die Brandmalerei. Sein Interesse war geweckt. Doch das darin enthaltene Werkzeug befriedigte ihn nicht. Als gelernter Feinmechaniker baute er sich einen Lötkolben um und schnitt die Spitzen auf seine Bedürfnisse zu. Je nach Stärke erhitzen diese mehr oder weniger schnell, und ganz feine können Temperaturen um 570 Grad erreichen. Vorsicht also ist geboten im Umgang mit dem Werkzeug.

Nach Vorbereitung der Sperrholzplatte läuft der Prozess so ab: Viktor Holzberger sucht ein Motiv aus. Dann setzt er sich an seinen PC und überträgt dieses mit einem Posterprogramm auf ein Blatt Papier. Mithilfe eines kohlebeschichteten Papiers und einem Bleistift überträgt er anschließend die Konturen auf das Holz. Von jetzt an ist Kreativität gefragt. Gefühl, Auge, Hand, Finger müssen gute Arbeit leisten. Auch die äußeren Bedingungen müssten stimmen, sagt Viktor Holzberger. Er brauche frische Luft, eine gute Sitzposition, Lust und Laune. Allein für die Bildübertragung benötige er mindestens vier Stunden. Und wenn er jeden Tag zwei Stunden daran arbeitet, dann ist ein Bild vielleicht in einem Monat fertig.

Etwa zu 60 Prozent orientiere er sich an der Vorlage, sagt der Hobbykünstler, damit das Motiv nicht verfälscht wird. Den Rest gibt er von sich dazu. Seine Bilder zeigen das Brandenburger Tor, Schloss Neuschwanstein, den Vatikan, das Gaildorfer Rathaus oder die katholische Kirche. Michael Jackson, Joe Cocker oder Robbie Williams kamen ebenfalls zu Ehren, aber auch Hunde, Katzen, Löwen. Mitunter habe er schon eine Stunde herumgefummelt, um den Charakter erkennbar zu machen, erzählt der quirlige Gaildorfer. Für ihn ist die Brandmalerei zur Leidenschaft geworden. Fernsehgucken empfindet er als reine Zeitverschwendung. Er setzt sich lieber neben die Steckdose und malt.