"Man sieht fast nicht, dass hier gearbeitet wurde." Heinrich Reh, Vorsitzender der FWV-Fraktion im Gaildorfer Gemeinderat, stellte nach der Besichtigung der sanierten Rathausfassade augenzwinkernd das fest, was durchaus beabsichtigt war: Die Sanierung der Sandsteinfassade des 1846 erbauten und später mehrmals erweiterten Gebäudekomplexes zielte eben nicht darauf ab, Altes zu modernisieren oder zu verändern, sondern dessen akut gefährdete Substanz zu erhalten.

Und das ist Architektin Margit Munz und dem Bühlertanner Steinmetzunternehmen Stefan Launer offensichtlich gut gelungen, wovon sich am Mittwochabend die Stadträte des Technischen Ausschusses überzeugen konnten. Trotz mancher unliebsamen Überraschung während der Bauarbeiten - etwa an der Holzkonstruktion der Gauben - und dadurch bedingter zeitlicher Verzögerungen konnte der für die dringend nötigen Entwässerungsarbeiten mit Drainage-Einbau und die Sanierung der Sandsteinfassade mit 257 000 Euro errechnete Kostenrahmen eingehalten werden. 245 000 Euro seien abgerechnet worden, berichtete Architektin Munz.

Und auch wenn die Fassade mit all ihren vor Jahrzehnten erlittenen Macken und den "Bausünden" längst vergangener Tage dem Laien eher Untätigkeit suggerieren mag - es hat sich viel getan: Insgesamt acht Kubikmeter an schadhaften Sandsteinblöcken mussten ausgetauscht werden. Längst undicht gewordene Silikonverfugungen aus den frühen 1980er-Jahren wurden durch mehr als 1000 laufende Meter langlebiger Bleifugen ersetzt, ein altes Verfahren, das dank seiner Zuverlässigkeit wieder im Kommen ist. Nicht ausgebessert wurden etwa sichtbare Spuren früherer Renovierungen oder Schrammen, die zum Teil aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs stammen mögen. Gemäß einer anerkannten Denkmalschutzphilosophie, wonach ein altes Gebäude seinen Charakter als "Geschichtsbuch", das dem Betrachter seine Vergangenheit offenbart, nicht verlieren dürfe. So sah es auch SPD-Fraktionsvorsitzender Hans Keit: "Beschädigte Teile müssen beschädigt bleiben." Auch CDU-Fraktionschef Rainer Baumann ist mit der Sanierung zufrieden: Der Gesamteindruck, den das Gebäude nun wieder vermittle, sei sehr gut.

Und doch sind einigen Ratsmitgliedern beim Rundgang kleinere "Störfaktoren" ins Auge gesprungen - etwa die Kunststoffabdeckungen der Verteilerdosen, Reste von Verkabelungen, auch eine seit Langem überflüssige Klingel und schließlich die als nicht mehr zeitgemäß erachtete Außenbeleuchtung. Das soll nun bald entfernt werden.

Für die Verteilerdosen hat sich Stefan Launer eine Alternative in Stein überlegt. Und was die Außenbeleuchtung anbelangt, die CDU-Rat Kurt Dalacker gern durch "Steinkörper mit schönen Kugeln" ersetzt sähe, bahnt sich auch eine Lösung an: Steinmetzmeister Launer denkt darüber nach, entsprechende Sandsteinstelen zu sponsern.