Gaildorf / Klaus Michael Oßwald  Uhr
Rundschau-Serie (4): In Sachen Breitbandversorgung in Gaildorf ist einiges in Bewegung. Die umfangreichen Konzepte von Verbandsbauamt und Landkreis überzeugen den Gemeinderat.

An das berühmte Buch mit den sieben Siegeln mag denken, wer erfährt, wie komplex die Materie ist, die in politischen Sonntagsreden immer wieder auftaucht: schnelles Internet auf jeden Hof! Einer, der bei der Lektüre dieses Buches den Überblick behält, ist Heinz Kastenholz, Leiter des kreiseigenen Energiezentrums Wolpertshausen. Er hatte kürzlich dem Gaildorfer Gemeinderat den Stand der Dinge kompakt und übersichtlich erläutert – und am Ende seiner Erläuterungen viel Beifall dafür ernten dürfen.

Erleichterung herrschte im Gremium vor allem deswegen, weil der Landkreis bei der sogenannten Backbone-Planung alle Kommunen, wenn gewünscht, mit ins Boot nimmt. Denn ohne Backbone – also ohne „Rückgrat“ – seien künftig keine Förderanträge mehr möglich, wie Heinz Kastenholz berichtete.

„Kreativität entwickeln“

Ein Knackpunkt beim Anschluss aller Haushalte an das Breitbandnetz sind also die teilweise hohen Kosten. Weshalb auch die Stadt „Kreativität entwickeln“ müsse, „um an Fördermittel he­ran­zukommen“, wie es Bürgermeister Frank Zimmermann formulierte. Zuvor hatten er und Verbandsbaumeister Manfred Sonner bereits abgeschlossene wie auch laufende Maßnahmen vorgestellt.

Eines der vielversprechenden Vorhaben betrifft der städtischen Arbeitsliste zufolge den Netzausbau von Münster nach Gaildorf über Grabenstraße und Esche­nau in Richtung Altes Schloss. Ein solcher Ausbau werde derzeit von der Net-Com geprüft. In diesem Fall besteht laut Stadtverwaltung die Option, das städtische Leerrohrsystem zwischen dem Bereich Schulzentrum/Rathaus und Schloss zur Verfügung zu stellen.

Konkret in Arbeit ist laut Liste der Stadt die Anbindung des Mineralfreibad-Geländes auf dem Kieselberg an das Glasfasernetz von Net-Com. Dafür sei parallel zur Stromleitung der Windkraftanlagen an der Kohlenstraße ein Leerrohr von der Umspannstation Unterrot bis zum Freibad mitverlegt worden, um den Einzug des Glasfaserkabels durch die Firma Femo zu ermöglichen. Eine Rohrverbindung bis zum Weiler Kieselberg ist ebenfalls gelegt.

Wi-Fi in der Innenstadt

Ein konkreter Schritt in Sachen Internet ist – wie gestern berichtet – die Einrichtung von Wi-Fi-Hotspots im Freibad und an einigen Stellen in der Innenstadt. Darüber will der Gemeinderat heute Abend beraten. Vorgesehen war ursprünglich, auch die Pausenhöfe von Parkschule, Schloss-
Realschule und Schenk-von-Limpurg-Gymnasium abzudecken, um Schülern und Lehrern einen kosten- und drahtlosen Zugang zum Internet zu ermöglichen. Bis auf Weiteres bleibt jedoch – weil entsprechende Bedenken geäußert worden seien – das Schulzentrum außen vor.

CDU-Fraktionschef Matthias Rebel äußerte sich beeindruckt von der Darstellung des Istzustands. Gaildorf sei im Grunde genommen sehr gut ausgestattet, was das Thema schnelles Internet anbelangt – in Einzelfällen aber auch nicht. Offene-Liste-Stadträtin Eva Mayer appellierte an die mit der Planung Befassten, auf elektrosensible Menschen Rücksicht zu nehmen.

Kritisch äußerte sich auch Bernhard Geißler, Vorsitzender der Offenen Liste. Er erinnerte an seine vor Jahren erhobene Forderung, auf Glasfaser als Technik der Zukunft zu setzen. Andere Gemeinden hätten schon längst Zuschüsse dafür beantragt – „und wir waren nicht die Schnellsten“. Mit Hinweis auf die Elektro­sensibilität vieler Menschen warnte er einmal mehr: Dieses Thema sei viel zu wichtig, um es allein der technischen Ebene zu überlassen.