Am Thema scheiden sich die Geister längst nicht mehr. Aber am Prozedere. Und das sieht so aus: Die Verkehrsbehörde des Landratsamts „informiert aus gegebenem Anlasse“, dass die Verkehrsführung in der Gaildorfer Kanzleistraße nun geändert werde – „in den nächsten Tagen“. Die zu den am stärksten befahrenen Verkehrswegen zählende Straße in der Innenstadt soll im Bereich des Fußgängerüberwegs auf eine, die rechte Fahrspur verengt werden.

Mit dieser „Sofortmaßnahme“ soll „kurzfristig die Verkehrssicherheit im Bereich des Fußgängerüberwegs“ verbessert werden, wie es die Behörde in einer gestern verbreiteten Pressemitteilung formuliert. Die Stadtverwaltung ist davon bereits in der vergangenen Woche in Kenntnis gesetzt worden – und darüber gar nicht amüsiert.

„Miteinander sprechen“ statt einfach vom Landratsamt „konfrontiert werden“

Dass die Straße aus rechtlichen Gründen verengt werden müsse, „kann man nicht ändern“, räumt Bürgermeister Frank Zimmermann ein. Aber „dass das Landratsamt die Einwohner lediglich per Pressemitteilung informieren will, hingegen schon“. Man wolle, so Zimmermann, „miteinander sprechen und nicht einfach mit Entscheidungen des Landratsamt konfrontiert werden“.

Letztmals hatte die Geschichte Anfang Dezember 2018 im Technischen Ausschuss des Gemeinderats für eine heftige, aber sachliche Debatte gesorgt. Eingehend diskutierte das Gremium über mögliche Alternativen beziehungsweise Ergänzungen, vor allem aber über die Vorschläge der Zukunftswerkstatt.

Gaildorfer Kanzleistraße „Dieses Verhalten ist hochnäsig“

Gaildorf

Am Ende verständigte sich der Ausschuss darüber, mit dem Landratsamt das Gespräch zu suchen, weil sämtliche Ideen noch nicht ausgereift seien. Auch wurde Wert darauf gelegt, die Verkehrssituation insgesamt sowie die Planung aus städtebaulicher Sicht anzugehen. Einstimmig folgten die Stadträte einem Antrag von FWV-Fraktionschef Heinrich Reh, der dafür plädiert hatte, das Landratsamt um einen Plan zu bitten, „aus dem wir ersehen können, was passiert“. Danach könne die Geschichte weiterentwickelt werden. An den Sicherheitsaspekten gab es keinerlei Kritik. Im Gegenteil. Reh hatte damals auch angeregt, alle Zebrastreifen in der Innenstadt anzuschauen. Denn die nicht mehr erlaubte Zweispurigkeit sei etwa auch bei der Post gegeben. Es mache keinen Sinn, „jetzt mit Gewalt etwas durchzudrücken“.

Hoffnung keimte im Frühjahr auf, als das Verbandsbauamt Pläne zur Anlage von Schutzstreifen für Radfahrer entlang der Ortsdurchfahrten vorstellte. Der Nebeneffekt: Das Problem der Zweispurigkeit könnte dadurch gelöst werden, die geforderte Einspurigkeit wäre hergestellt.

„Weitere Abstimmungen“ sind nötig für den Umbau

Darauf und auf das städtische Konzept verweist jetzt auch das Landratsamt. Da jedoch für die Verwirklichung dieser Maßnahmen „noch weitere Abstimmungen erforderlich sind, hat sich die Verkehrsbehörde aus Sicherheitsgründen zunächst für eine sofort umsetzbare Lösung entschieden“.

Wobei sich an der Sicherheitslage im Bereich des Zebrastreifens innerhalb des zu Ende gehenden Jahres nichts geändert hat. Das Landratsamt hatte im Zusammenhang mit der ersten Anordnung 2018 auf die polizeiliche Unfallstatistik hingewiesen. Danach hätten sich in den vergangenen vier Jahren am Zebrastreifen drei Unfälle ereignet. Tatsächlich war es im untersuchten Zeitraum einer, ein weiterer im Januar.

Lösung nur „provisorisch“ – Radverkehrskonzept muss warten

Ursprünglich sei geplant gewesen, „die Verengung der Kanzleistraße zusammen mit dem Radverkehrskonzept umzusetzen“, ließ die Leiterin des Ordnungs- und Straßenverkehrsamts im Landratsamt, Julia Kruse, über die Pressestelle ausrichten.

Da die Pläne dafür „jedoch erst Anfang Oktober beim Landratsamt eingegangen sind, ist aus technischen Gründen die Umsetzung dieses Jahr nicht mehr möglich“. Das Landratsamt als zuständige Verkehrsbehörde habe deshalb „zur Verbesserung der Verkehrssicherheit“ entschieden, die Verengung „bereits jetzt provisorisch“ umzusetzen. Dr. Daniel Kuhn, Sprecher der Stadtverwaltung, sieht das etwas anders: Diese Maßnahme habe mit dem reinen Radkonzept der Stadt nichts zu tun. Man habe nur versucht, die Markierungen zur gleichen Zeit anzubringen. Was das Landratsamt jetzt beabsichtigt, „ist ja alles korrekt“, so Kuhn, auch weil die Behörde „keinen Spielraum“ habe. Dennoch: Er sieht bei diesem Thema nach wie vor großen Abstimmungsbedarf.

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