Gaildorf Kinder bauen eine Heimat für Bienen

Gaildorf / Cornelia Kaufhold 19.07.2018
Imkerin Ursula Müller baut mit Zweit- und Drittklässlerinnen der Bühläckerschule Unterrot ein Wildbienenhotel. Selbst Rektorin Martina Dreher lernt an diesem Nachmittag viel Neues dazu.

Ursula Müller weiß viel, vor allem über Bienen. Sie kennt viele der  585 Wildbienenarten in unseren Breiten. Bei der Frage, wie viele in Deutschland leben, muss aber selbst die erfahrene Imkerin passen. Die neun Bühläckerschüler sind wissbegierig. Von daheim haben sie Dosen mitgebracht und Pflanzenstängel unterschiedlicher Größen, viele sind hohl, manche enthalten Mark. „Wir können sie alle gebrauchen“, erklärt Ursula Müller, „denn die Wildbienen sind unterschiedlich groß und benötigen deshalb unterschiedlich große Brutröhren.“ Wichtig ist eines: Dass die Stängel die gleiche Länge haben, denn sie werden jeweils in Dosen gesteckt. „Jede Dose ist ein Hotel, und alle zusammen stecken wir ins große Wildbienenhotel“, erklärt sie ihren Schülern.

Projekte in Schulen

Ursula Müller hat Erfahrung im Umgang mit Kindern. In Untergröningen hat sie Projekte in Schule und Kindergarten betreut. Die Schule besitzt sogar ein eigenes Bienenvolk. Vor einem Jahr hat Ursula Müller ihre Ausbildung zur Bienenfachberaterin gemacht, der einzigen der 112 aktiven Imkerinnen und Imker des Bezirksimkervereins Gaildorf. Er wurde 1877 gegründet und umfasst sieben Bezirke in sechs Gemeinden des Limpurger Landes.

Ursula Müller ist seit zwölf Jahren Herrin über viele Bienenvölker, aktuell sind’s elf der Sorte Carnica. Zwei ihrer drei Söhne hat sie für dieses Hobby begeistern können. „In unserer Familie wird jetzt seit vier Generationen geimkert“, sagt sie. Die gelernte Krankenschwester baut gerade ihren Nebenjob aus. Als Bienenfachberaterin möchte sie Kindern die ökologischen Zusammenhänge erklären, ihnen den Stellenwert der Blütenbestäuber näherbringen sowie die Verwendung von Bienenprodukten wie Pollen, Gellee Royal und Honig.

In der Bühläckerschule erklärt sie den Kindern, wie sie das Insektenhotel bauen. „Die Enden der Stängel müsst ihr fein abfeilen, damit die Biene mit ihren zarten Flügeln sich nicht verletzt, wenn sie in die Röhre einfliegt.“ Sie hebt eine mit Erde gefüllte Dose in die Höhe. „So was brauchen Bienen auch, manche Arten legen ihre Eier in die Erde“, sagt sie.

Olivia und Lenja schmirgeln die rauen Stängelränder. „Schau mal, so viele haben wir schon“, ruft Leo und hebt einen Bund vor die Brust. Die Kinder sägen und feilen, füllen die Dosen und folgen Ursula Müller im Gänsemarsch durchs Schulhaus in den Garten. Dort befüllen sie das Wildbienenhotel auf der Blumenwiese. „Die hat uns der Bauhof eingesät“, freut sich Rektorin Martina Dreher.

Nach getaner Arbeit schenkt die Bienenfachberaterin ihre selbst gemachte Honiglimonade aus. Martina Dreher sitzt auf der Bank in der Sonne an der Schulhauswand, beobachtet die Hummeln und Bienen in der Blumenwiese und lauscht den Fragen der Kinder an die Imkerin. „Das ist eine Pelzbiene“, sagt sie und hebt ein Foto in die Höhe, „sie legt ihre Eier in die Erde.“ Ursula Müller stellt den Kindern weitere Arten vor, die Maskenbiene, von der es allein in Europa 79 Arten gibt, und die Rostrote Mauerbiene, von der 50 Arten bekannt sind. Die Kinder hören staunend zu.

„Können wir auch ein Bienenvolk bekommen“, fragt Martina Dreher Ursula Müller, als diese ihre Utensilien im Auto verstaut. Die Imkerin nickt, die Rektorin lächelt.

Ausbildung zur Bienenfachberaterin

Das Bildungs- und Sozialwerk des Landfrauenverbandes Württemberg-­Baden bietet in Kooperation mit den Landesimkerverbänden seit November 2016 die Qualifizierung „Fachberaterin für Bienenprodukte“ an. Dabei lernen Teilnehmerinnen alles zum Thema Bienenprodukte, deren Herstellung, Anwendungsgebiete und Wirkungsweisen. Die Qualifizierung wird vom Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz und der Europäischen Union gefördert. Weitere Informationen gibt es online auf www.nesd-bw.de. ka

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