Gaildorf Der Werbung Beine gemacht

Ein Beispiel von Kinoreklame der frühen 1950er-Jahre: ARWA-Chef Hans Thierfelder investierte viel Geld in Werbung, um auf seine Produkte aufmerksam zu machen.
Ein Beispiel von Kinoreklame der frühen 1950er-Jahre: ARWA-Chef Hans Thierfelder investierte viel Geld in Werbung, um auf seine Produkte aufmerksam zu machen. © Foto: Stadtarchiv Gaildorf
Gaildorf / kmo 14.08.2018
Die vor vier Jahren veröffentlichte Geschichte der ARWA-Strumpfwerke erfährt eine Ergänzung. Das Autorenteam hat einen zweiten Band erarbeitet, der im Spätherbst in den Handel kommt.

Fast so spannend wie ein Krimi ist die Geschichte der ARWA-Strumpfwerke, die nach der Enteignung im erzgebirgischen Auerbach einen Neustart im Westen Deutschlands wagte – nämlich in Unterrot, heute ein Stadtteil Gaildorfs. Nachzulesen ist das Ganze in dem 2014 von der Stadt Gaildorf herausgegebenen Buch „ARWA – Aufstieg und Fall eines Strumpf­imperiums“.

Nun hat das dreiköpfige Autorenteam – Stadtarchivarin Dr. Heike Krause, Falk Drechsel, Ururenkel von ARWA-Gründer August Robert Wieland, und Rundschau-Redakteur Klaus Michael Oßwald – einen zweiten Band erarbeitet, der im Herbst in den Buchhandel kommt. In dieser Dokumentation mit dem Titel „ARWA – Geschichten aus dem Strumpfimperium“ kommen viele Zeitzeugen zu Wort, geht es um die „Geschichten hinter der Geschichte“. Und es enthält wie schon der ersten Band, eine Fülle von Bildern, die größtenteils noch nie veröffentlicht wurden.

Eine der Geschichten dreht sich unter anderem um ein historisches Datum: Am 3. November 1956 lernte die Werbung laufen – zumindest im Medium Fernsehen. Und ARWA war dabei! „Über die Wichtigkeit von Werbung war sich Firmenchef Hans Thierfelder immer im Klaren“, stellt Archivarin Heike Krause fest. Schließlich meinte er 1952, für ihn bedeute „Geld ausgeben“ die „Verwandlung notwendiger Gelder in systematische Werbung und die spätere Rückverwandlung von Werbung in erhöhten Umsatz.“

Mehr als der Schultes verdiente

Im selben Jahr wurde in Hamburg der Fernsehbetrieb nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgenommen. Doch Fernsehapparate waren sehr kostspielig, ein Apparat von Telefunken zum Beispiel kostete 1000 D-Mark, „während der Gaildorfer Bürgermeister Albert Herrmann damals im Monat gerade einmal 700 D-Mark verdiente“, wie Stadtarchivarin Heike Krause feststellt.

Als der allererste Werbeblock im westdeutschen Fernsehen vorbereitet wurde, sicherte sich Hans Thierfelder eine halbe Minute Sendezeit – für 70 D-Mark pro Sekunde. Allerdings begann das neue Werbezeitalter nicht mit ARWA an der Spitze, wie es sich Thierfelder gewünscht hatte: Als Nummer Eins flimmerte am 3. November 1956 der 55 Sekunden lange Spot für das Waschmittel „Persil“ über die Mattscheiben.

Wie konnte das geschehen? Natürlich nicht rein zufällig. 1954 verpachtete der Konzern Henkel ein Grundstück an den Bayerischen Rundfunk, um dort einen Sendemasten aufzustellen. Im Pachtvertrag wurde außerdem vereinbart, dass im Gegenzug  Henkel-Werbung die erste sein werde, falls der Bayerische Rundfunk jemals Werbefernsehen ausstrahlen würde. Und zwei Jahre später war es dann soweit mit dem Werbefernsehen.

Doch nicht nur Henkels „Persil“ verwies ARWA auf die nachfolgenden Plätze. Auch die Konkurrenzmarke „Bellinda“ schnappte Hans Thierfelder einen dicken Fisch vor der Nase weg. Das war im Jahr 1967, und der Fisch hieß Sandy Shaw, die Gewinnerin des „Grand Prix Eurovision de la Chanson“ im nämlichen Jahr …

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