Pferdemarkt Der Schultes teilt aus

Gaildorf / Jochen Höneß 13.02.2018

Wann kann man schon als Stadtoberhaupt mal so richtig auf den Putz hauen? Sagen, was man sonst allenfalls denkt? Der traditionelle Empfang im Wurmbrandsaal des Alten Schlosses bietet Frank Zimmermann dazu alljährlich am Pferdemarktmontag Gelegenheit. Und die nutzt er, wie gleich eingangs seiner gut halbstündigen launigen Rede deutlich wird, als er die „richtig viel Geld verdienenden“ Gäste aus Handel und Gewerbe begrüßt und auch die „deutlich weniger Geld verdienenden Bürgermeisterkollegen“. Die Lacher im Saal nach dieser steilen Eingangsthese zeugen nicht unbedingt von Mitgefühl, doch davon hat schließlich auch Zimmermann wenig im Gepäck. Insbesondere widmet er sich denen, die ihre Teilnahme am Empfang abgesagt haben oder gar unentschuldigt fernbleiben. Landrat Gerhard Bauer schwinge wohl gerade irgendwo in Griechenland zwischen Olivenhainen die Schneeschippe, mutmaßt der Schultes – und bemerkt, dass der anstelle Bauers anwesende Erste Landesbeamte Michael Knaus just in diesem Moment etwas in sein Handy tippt: „Aha, Sie machen wohl schon Meldung. Jetzt kommt das Handy aber weg!“

Wenig warme Worte hat Zimmermann für Schwäbisch Halls Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim übrig, der sich immerhin persönlich bei ihm entschuldigt habe. Dessen Abwesenheit könne „als erster Hinweis darauf gedeutet werden, dass er sich langsam aber sicher seinem nächsten Lebensabschnitt zuwendet“. Überhaupt herrsche in Hall dieser Tage „mal wieder gepflegte Langeweile“. Der Intercity, der Menschen an die weite Welt anbinde, „die aus dieser Stadt einfach nur flüchten möchten“, halte immer noch nicht am heruntergekommenen Bahnhof Hessental. Über das „schlecht insze-
­nierte Immobilien-Affärchen“ sei langsam Gras gewachsen. Und dass das neue Theater auf dem Unterwöhrd teurer werde, sei nicht ungewöhnlich. Kommunalpolitisches Theater habe das so an sich.

Dauerthema Ortsumfahrung

Auch den CDU-Bundestagsabgeordneten Christian von Stetten und Landwirtschaftsminister Peter Hauk sucht man unter den Gästen vergebens; auch sie bekommen von Zimmermann ihr Fett ab. Regierungspräsident Wolfgang Reimer ist hingegen da, und der Redner lässt auch diese Gelegenheit nicht verstreichen, den Gast mit Nachdruck an den Bau der Ortsumfahrung zu erinnern. Das Bildungszentrum in Unterrot erwähnt der Bürgermeister ebenfalls – und lässt durchblicken, dass die Entscheidungsfindung gemeinsam mit allen am Projekt Beteiligten bisweilen das Potenzial habe, Magengeschwüre zu verursachen.

Aus dem Gaildorfer Gemeinderat hat sich Zimmermann diesmal zwei Mitglieder herausgepickt, denen er längere Passagen seiner freilich nicht ernstzunehmenden Rede widmet. Heinrich Reh rät er, das Junggesellendasein zu beenden. Mit dessen schickem Sakko im Stil der frühen 80er-Jahre könne das doch nicht schwer sein. Nur in einer Beziehung lerne Reh, auch mal „alle Fünfe grad sein zu lassen“. Und nur so werde sich die Anzahl und der Inhalt seiner Wortmeldungen auf ein für alle Beteiligten erträgliches Maß reduzieren. Der zweite Stadtrat, den Zimmermann aufs Korn nimmt, ist Bernhard Geißler, das „absolute Ober-Cleverle“, das über „wirren Breitband-Aktionismus“ nun scheinbar endgültig den Bezug zur Realität verloren habe. Die beiden Angesprochenen hören mal mehr, mal weniger amüsiert zu.

Zwischendurch wird Zimmermann auch in dieser Rede ernst: gleich eingangs, als er mit einer Gedenkminute an den verstorbenen Alt-Bürgermeister Hans König und dessen Verdienste um die Stadt Gaildorf erinnert. Und gegen Ende seiner Rede, als er das Wort an seine Frau Maria richtet: „Du bist eine wertvolle Ratgeberin für mich und eine treue Weggefährtin. Ich genieße jeden Tag mit dir. Ich bin dankbar dafür, dass ich dein Ehemann sein darf.“ Die Gäste spenden für diese Liebeserklärung wie auch für die unterhaltsame Rede im Gesamten lang anhaltenden Beifall.

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