Konzert Der Meistergeiger und der Klang der Stradivari

Răzvan und Andreea Stoica im Murrhardter Kulturhaus Klosterhof der Riebesamstiftung. Der international gefeierte junge Violinist spielt eine 1729 gebaute Stradivari.
Răzvan und Andreea Stoica im Murrhardter Kulturhaus Klosterhof der Riebesamstiftung. Der international gefeierte junge Violinist spielt eine 1729 gebaute Stradivari. © Foto: Elisabeth Klaper
Murrhardt / Elisabeth Klaper 12.04.2017
Das Duo Răzvan und Andreea Stoica wird im Murrhardter Kulturhaus Klosterhof vom Publikum gefeiert.

Eine kammermusikalische Sternstunde bescherten der Violinvirtuose Razvan Stoica und seine Schwester, die Konzertpianistin Andreea Stoica, einer großen Zuhörerschar im Kulturhaus Klosterhof der Riebesamstiftung in Murrhardt. Der in den Konzertsälen der Welt-Metropolen gefeierte junge Künstler zog alle Register der Virtuosität auf einer 1729 gebauten Stradivari.

„Wenn ich auf ihr spiele, fühle ich, dass ich musikalisch daheim bin“, sagt Stoica. Sie eröffne ihm ein größeres Spiel- und Klangspektrum als eine moderne Violine. „Die Stradivari besitzt eine bessere Resonanz und viel mehr Harmonien“. Darum sei ihr Klang viel natürlicher, organischer, weicher und strahlender, wie eine menschliche Singstimme, und ermögliche brillante Kantilenen, also besonders melodische, liedhafte, wie gesungen wirkende Passagen, erläutert Stoica.

Vor ihm habe dieses Instrument bereits der österreichische Violinist und Komponist Heinrich Wilhelm Ernst gespielt, einer der bedeutendsten Geiger des 19. Jahrhunderts. „Er war Zeitgenosse von Niccolò Paganini und versuchte diesen zu imitieren“, erzählt Stoica.

Das Programm umfasst einige Lieblings- und Paradestücke Răzvan Stoicas, die er hingebungsvoll mit Leib und Seele präsentiert. Dies geschieht in kongenialem Zusammenspiel mit seiner Schwester Andreea, die am Flügel mit großem Fingerspitzengefühl untermalt und umrahmt.

Mal lässt Stoica die Stradivari zärtlich leise dahinschmelzende Töne flüstern, mal schwermütig seufzen oder gar weinen, dann wieder lieblich singen, aber auch leidenschaftlich und in voller Lautstärke den Saal erfüllen.

Ein Höhepunkt ist die Violinsonate Nr. 3 d-Moll Opus 108 von Johannes Brahms. „Da geschieht in jedem Moment etwas Neues“, bringt es der Musiker auf den Punkt. Zwischen den düster wirkenden, unruhig aufgewühlten Ecksätzen bildet das Adagio mit bezaubernd lyrischer Melodik einen Ruhepol vor dem stürmischen Finale voller komplexer Figurationen und Effekte.

Das Atmen der Flöte

Kontrastreich und fantasievoll erklingt Sergej Prokofjews Sonate Nr. 2 D-Dur Opus 94 A, ursprünglich für Flöte komponiert und für Violine und Klavier bearbeitet. „Darin ist das Atmen der Flöte hörbar und der typisch russische Geist spürbar“, umschreibt Stoica den Charakter des Werks. Folkloristische Elemente erklingen mal sanft oder verspielt, mal voller Energie, hinzu kommen moderne Harmonie-Elemente, die später eine wichtige Rolle in Dmitri Schostakowitschs Werken spielen.

Eines der schwierigsten und faszinierendsten Werke des „Teufelsgeigers“ Niccolò Paganini sind die in Frankreich geschriebenen Variationen „I Palpiti“ (Herzklopfen) Opus 13. Da lässt der Künstler komplexe Koloraturen und Figurationen in atemberaubendem Tempo tanzen, erzeugt mit raffinierten Spieltechniken filigrane Flötenklänge und reizvolle Imitationen von Vogelstimmen.

Auch Astor Piazzollas Werke gehören zu Stoicas Favoriten. In seiner Geschichte des Tangos erzählt der argentinische Komponist, wie dieser Tanz um 1900 im Rotlichtmilieu von Buenos Aires entstand und sich im Lauf des 20. Jahrhunderts zur Konzertmusik weiterentwickelte. Von der Liebe zum Süden erzählt „Vuelvo al Sur“, ein lyrisches, sehnsuchtsvolles Stück nach einem Gedicht von Fernando Solanas. Im melancholischen „Oblivion“ (Vergessen) lässt der Violinvirtuose sein Instrument auf berührende Weise seufzen und klagen. Stehend beklatschen die Zuhörer dem Duo, das als Zugabe noch „Chora Staccato“ spielt, ein temporeiches Werk des Rumänen Grigoras Dinicu.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel