Nachruf Der Lehrer, der ein Sänger war: Eberhard Maria Zumbroich

Eberhard Maria Zumbroich während eines Vortrags anlässlich der Rubinhochzeit, die er 2008 mit seiner Frau Maria Theresia feierte.
Eberhard Maria Zumbroich während eines Vortrags anlässlich der Rubinhochzeit, die er 2008 mit seiner Frau Maria Theresia feierte. © Foto: Matthias Zumbroich
Ottendorf / RICHARD FÄRBER 14.05.2014
Am vergangenen Freitag ist Eberhard Maria Zumbroich, Komponist, Übersetzer, Lehrer und Gründer des TABOR Ton-Archivs, gestorben. Am 6. April hatte er seinen 81. Geburtstag gefeiert.

Eberhard Maria Zumbroich ist immer wieder in der Redaktion der RUNDSCHAU erschienen, häufig in Begleitung seiner Frau Maria Theresia Zumbroich-Lochner. Meist hatte er eine Schmankerl-Information dabei, einen Bericht von einer Aufführung eines seiner Werke beispielsweise. Ein Mal brachte er das Gedicht "Tagebuch eines Verlorenen" von Ozef Kalda vorbei - er hatte es selbst aus dem Mährischen übersetzt (und diese Arbeit in einer mustergültigen Abhandlung gründlich erläutert), weil ihn die bis dahin bei Aufführungen der Janacek-Vertonung gebräuchliche Übersetzung von Max Brod gewaltig gestört hatte.

Als Elfjähriger der Mutter eine Suite geschrieben

Manchmal hatte er auch einige kritische Anmerkungen vorzutragen zu Texten, die er in der RUNDSCHAU gelesen hatte, und ein Mal zog er richtig vom Leder: "Sie sind auch so ein Dativ-Killer!" Vorgetragen im typisch-dröhnenden Zumbroichschen Brummbass, halb ironisch, halb belehrend - und möglicherweise hat er dem Dativ sein Ende damit sogar ein bisschen hinausgezögert.

Dass er belehrend auftrat, lag wohl in seiner Natur: Eberhard Maria Zumbroich war - unter vielem anderen - Pädagoge. Deutsch und Musik waren seine Fächer; am Aufbau der Realschule, an der Formulierung der ersten Bildungspläne, war er maßgeblich beteiligt. Sein pädagogisches Leitmotiv findet sich bei Adalbert Stifter: "Zum Unterrichten muss man etwas wissen, zum Erziehen etwas sein."

Was er war. Zumbroich, der am 6. April 1933 in Bückeburg das Licht der Welt erblickte, hatte viele Talente, und er hat sie gelebt und genützt, auch wenn er vielleicht nicht ganz die Ausbildung erhielt, die seinen Gaben angemessen gewesen wäre. Denn eigentlich war dieser Philologe, Pädagoge und fromme Katholik, der im Alter von 40 Jahren Russisch, noch später auch Tschechisch lernte, vor allem eines: ein Musiker und Komponist. Gerne kolportierte er, dass er als Elfjähriger seiner Mutter zum Geburtstag eine neobarocke Suite geschrieben habe.

Die tiefste Spur hinterlässt er freilich als Hymnenkomponist. Der "Hymnos Akathistos / Das Geheimnis der Gottesmutter" ist ein liturgischer Hit geworden. Zumbroich hat das uralte vielstrophige Gedicht in Folge eines 1967 abgelegten persönlichen Gelübdes an die Jungfrau Maria vertont. Im Ludwigsburger Tonstudio Bauer, so Zumbroich vor drei Jahren in einem Interview, werde die Aufnahme immer noch als "Renner" bezeichnet, erfolgreich wie sonst nur die Aufnahmen von Ernst Mosch.

Weltliche Anerkennung

Der Erfolg ermöglichte Zumbroich die Gründung des Ton-Archivs zum Byzantinisch Ostkirchlichen Ritus - TABOR, in dem von 1971 bis zum Zusammenbruch der Sowjetunion tausende Musikalien und Tonträger gesammelt und mehr als 80 Editionen zur Musik der Ostkirche erarbeitet wurden.

Im Vatikan blieb das nicht unbemerkt. Papst Paul IV., mit dem Eberhard Maria Zumbroich auf Latein korrespondierte, würdigte den Hymnos Akathistos mit einem zweiseitigen Dankesschreiben, Johannes Paul II. empfing das Ehepaar Zumbroich im Jahr 1990 zur Privataudienz.

Auch die weltliche Anerkennung blieb Eberhard Maria Zumbroich nicht versagt. Er gewann Kompositionswettbewerbe, musizierte und dirigierte in ganz Europa. Und er lehrte den Chorgesang. Als er als Junglehrer nach Bietigheim kam, gründete er dort den ersten gemischten Realschulchor und auch an der Gaildorfer Schloss-Realschule, wo er als Konrektor wirkte, scharte er Schülerinnen und Schüler zum gemeinsamen Singen um sich. Noch sein letzter gemischter Chor gewann als Bester seiner Kategorie den Landeswettbewerb.

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