Frank Zimmermann macht die Spur. Vor knapp 100 Bürgerinnen und Bürgern, die vor wenigen Wochen zur Informationsveranstaltung in den Schenk-Albrecht-Saal der Limpurghalle gekommen waren, skizziert der Gaildorfer Bürgermeister, um was es geht, wenn von einem „gesamtstädtischen Entwicklungskonzept“ die Rede ist. Ein solches ist wichtig, um auch in Zukunft Maßnahmen zur Stadtsanierung gefördert zu bekommen. Eine weitere, nicht minder bedeutende Voraussetzung: Die Bürger, deren Beteiligung am Planungsprozess ausdrücklich erwünscht ist, müssen mit ins Boot genommen werden.

Etliche Gaildorfer befinden sich, um bei der Metapher zu bleiben, längst an Bord – ehrenamtlich engagierte Frauen und Männer, die am „Masterplan 2014“ mitgearbeitet haben oder nun in der „Zukunftswerkstatt“ aktiv sind. Sie sind an diesem Abend, der von erfahrenen Stadtplanern der LBBW Immobilien Kommunalentwicklung GmbH (KE) moderiert wird, mit vielen guten Ideen beteiligt, die nun – das Ende des Abends vorweggenommen – in das Gesamtkonzept einfließen sollen (wir haben berichtet).

Frank Zimmermann erinnert in seinem Impulsvortrag an das „Stadtgrün“-Förderprojekt, nennt das preisgekrönte Ergebnis des „freiraumplanerischen“ Gestaltungswettbewerbs mit dem nüchternen Arbeitstitel „Nördliches Kocherufer“ – vom Stuttgarter Architekturbüro Michael Glück geschaffen – eine „hervorragende Basis“, auf der nun aufgebaut werden könne. Der Rathauschef zollt den heimischen Masterplanern und Zukunftswerkstättlern Respekt und dankt ihnen.

„Hausaufgaben gemacht“

Dass viele innerstädtische Planungen in der Vergangenheit scheiterten oder in wenig zufriedenstellende Kompromisslösungen mündeten, wird auch auf dieser Bürgerversammlung als belastend empfunden. Jedoch weit weniger schwerwiegend als noch vor wenigen Jahren. Das liegt auch am Auftrag, den der Gemeinderat für besagten Gestaltungswettbewerb vor vier Jahren formuliert hatte: Es sollten Lösungen gefunden werden, die nicht mehr – wie das seit Jahrzehnten der Fall ist – durch die bislang schleppende Planung des Projekts Umgehungsstraße gelähmt oder gar blockiert werden.

Bei diesem Thema gibt sich Bürgermeister Zimmermann energisch: Diese Straße, mit der die Innenstadt entlastet werden könne, „muss endlich gebaut werden, sonst ersticken wir im Verkehr“. Er stellt sich eine „Flaniermeile zwischen Marktplatz und Schlosspark vor“ und rund ums Alte Schloss – „in diesem Filetstück steckt ein riesiges Entwicklungspotenzial“ – ein heimeliges innerstädtisches Quartier.

Zimmermanns Aufzählung bildet in der Summe ein starkes Pfund, das die Stadt im Zusammenhang mit der Gartenschau-Bewerbung in die Waagschale geworfen hat: „Unsere Bewerbung ist abgegeben“, bemerkt er zuversichtlich. Dieser Schritt sei „gut und wichtig für die Stadt“. Im April werde sich eine Bewertungskommission – zur Entscheidungsfindung – die Situation vor Ort anschauen. Wovor ihm nicht bange ist: Mit der Planung für das nördliche Kocherufer „haben wir unsere Hausaufgaben gemacht. Wir sind also vorbereitet.“

Wohnen auf dem Land

Aber auch die Situation in den Teilorten will der Bürgermeister nicht außer Acht lassen; diese Bereiche müssten „behutsam weiterentwickelt“ werden unter Beachtung der gewachsenen Strukturen. Denn: „Wohnen auf dem Land“ komme wieder in Mode – „ohne Pendlerstau und Feinstaub“.

Gemeinsam mit dem Planungsteam von KE – Claudia Krüger, Irina Horn und Albrecht Keller – geht es am Ende des Abends an drei Themen-Inseln, um Anregungen und Wünsche für das Konzept zu formulieren (siehe Infokasten). – Ein weiterer Bericht zum Thema folgt.

Themen-Insel 1: Straßen, Plätze, Verkehr, Versorgung, Handel, Dienstleistung


Anregungen Bürger konnten an Themenwänden ihre Notizen machen. Hier eine Auswahl:

Umgehungsstraße Die Straße müsse in der Innenstadt auf jeden Fall im Tunnel geführt werden und erst an der ehemaligen Reinigung in die Bahnhofstraße münden. Ortsumfahrung und Städtebau sollen miteinander harmonieren – unter Berücksichtigung des Hochwasserschutzes. Wichtig: Umgehung und Gartenschau müssten zeitgleich „kommen“.

Fußgängerzonen Gewünscht sind keine reinen Fußgängerzonen. Fußgänger, Rad- und Autofahrer müssten sich in der Innenstadt gleichberechtigt bewegen können. Die Kirchstraße indes solle eine „echte“ Fußgängerzone werden.

Jugend Bei allen Vorhaben sollte auch die Jugend gefragt werden, was sie brauche, „um hierzubleiben“. Generell: Die Jugend vermisse einen Aufenthaltsort, ein Jugendhaus.

Handel Parkplätze vor den Einzelhandelsgeschäften seien unabdingbar. Auch sei es wichtig, dass man weiterhin auf dem Hallengelände parken könne. Für die Wohnbereiche nördlich des Kochers fehle eine Einkaufsmöglichkeit.

Gastronomie Für die Etablierung von Lokalen müssten Anreize geschaffen werden. Im Umfeld des Alten Schlosses fehle ein Hotel.

Gestaltung Die „Blickbeziehungen“ zwischen Altem und Neuem Schloss müssten verbessert, die Bereiche rund ums Alte Schloss neu gestaltet werden. Zur Zukunft der Kocherwiese: „Wo wird ein bis jetzt bestehender Festplatz in Zukunft sein?“ Zum Bahnhof: Das Gebäude – das als Jugendhaus dienen könnte – verfüge über keine Toiletten.