Gaildorf/Crailsheim Der Frust sitzt "sehr tief"

Karl Eichele hat für die gegenwärtige Krankenhauspolitik im Kreis Hall kein Verständnis.
Karl Eichele hat für die gegenwärtige Krankenhauspolitik im Kreis Hall kein Verständnis.
KLAUS MICHAEL OSSWALD 26.04.2012
Crailsheims Klinik-Chefärzte appellieren an den Haller Kreistag, sich für den dort geplanten Neubau stark zu machen. Nun versteht der Gaildorfer SPD-Kreisrat Karl Eichele die Welt nicht mehr.

"Sie werden es als Ärztin sicher nachvollziehen können, dass einem Bürger aus dem Limpurger Land beim Lesen Ihres Schreibens der Blutdruck etwas ansteigt." Für SPD-Kreisrat Karl Eichele, der diese Zeilen an die ärztliche Direktorin des Landkreis-Klinikums in Crailsheim, Chefärztin Dr. Martina Mittag-Bonsch, schrieb, ist einiges im Bereich der Gesundheitsversorgung im Kreisgebiet in Schieflage. Wohl hat er Verständnis für das Anliegen der Medizinerin, die in einem von zwölf Kollegen mitunterzeichneten Brief an die Kreisräte appelliert, den in Crailsheim geplanten Neubau zu unterstützen. Aber nicht um den Preis, den etwa das Gaildorfer Krankenhaus für eine Neuordnung der Klinikstrukturen bezahlen soll: Das kleine, einstmals 85 Betten zählende Haus, mit Millionen Euro Steuergeldern saniert, soll im Sommer aufgegeben werden. Weder der Kreis als Eigentümer, noch das Diakonie-Klinikum als Betreiber denken an eine Weiterführung.

Der Gaildorfer Kreisrat Karl Eichele hat vor diesem Hintergrund die Aussage von Landrat Gerhard Bauer noch im Kopf: Die Verlagerung der in Gaildorf etablierten Geriatrie-Abteilung nach Crailsheim sei für das dortige Krankenhaus lebenswichtig, sagte er während einer Anhörung im Gaildorfer Gemeinderat (wir haben berichtet). Die Folgen, die sich daraus ableiten lassen: Gaildorf muss geschlossen werden, damit Crailsheim überleben kann!

Karl Eichele stellt in seinem Antwortschreiben auch auf den von den Crailsheimer Chefärzten angesprochenen Klinik-Komfort zur Debatte - und möchte dabei geklärt wissen: Wenn schon solcher Komfort in Crailsheim wie in Hall zu wünschen übrig lässt, warum wird dann nicht der in Gaildorf durch die jüngsten Sanierungen geschaffene genutzt - zumindest während der Bauzeiten? Diese Frage treibt im Übrigen auch die am Donnerstagabend aus der Taufe gehobene Bürgerinitiative "Krankenhaus Gaildorf" um. Würde der Landkreis hier einlenken und die Gaildorfer Einrichtung zumindest so lange nutzen, bis Crailsheim auf Vordermann gebracht ist, wäre das ein wertvoller Gewinn an Zeit - Zeit die nötig ist, um einen neuen Träger für das Haus im Zentrum des Limpurger Landes zu finden.

Eicheles Kritik richtet sich im Übrigen nicht an die Crailsheimer Ärzte, sondern an die Krankenhauspolitik des Kreises. Aber er lässt die Mediziner wissen: "In meinem Wahlbezirk sitzt der Frust sehr tief!"

Info Auszüge aus dem Schriftwechsel zwischen den Crailsheimer Chefärzten und Kreisrat Karl Eichele finden sich in der linken Spalte dieser Seite. Ein erster Bericht über die neue Bürgerinitiative ist auf Seite 9 nachzulesen.