Freizeitprojekt Der Erfolgsgeschichte droht eine umstrittene Schrumpfkur

„Gaildorf chillt“ ist besonders für junge Leute auch lehrreich – wie zum Beispiel beim Pressen von Apfelsaft.
„Gaildorf chillt“ ist besonders für junge Leute auch lehrreich – wie zum Beispiel beim Pressen von Apfelsaft. © Foto: Sabrina Jurthe
Gaildorf / Klaus Michael Oßwald 08.12.2018
Im kommenden Jahr heißt es nur noch einmal „Gaildorf chillt“. Die Stadt nennt als Grund den hohen organisatorischen Aufwand. Und erntet Kritik.

Wenn „Gaildorf chillt“ angesagt ist, strömen Besucher von weit her, überwiegend aus dem Ballungsraum Stuttgart. Die Veranstaltungsserie, gefördert durch das Land, die EU, die Glücksspirale und den Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald, lädt Jugendliche und junge Erwachsene ein, „die Landschaft rund um das kleine Städtchen im Naturpark  völlig neu kennenzulernen“, wie es im Konzept formuliert ist. An Stationen auf einem Rundwanderweg lasse sich an drei Terminen im Jahr „Landschaft erleben, genießen und verändern“.

Der Einsatz „ist immens“

Bürgermeister Frank Zimmermann sprach in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats von einer „absoluten Erfolgsgeschichte“ – mit mehr als 2000 Besuchern in drei Jahren. Nun aber will die Stadt einen Gang zurückschalten – im kommenden Jahr sogar um zwei Gänge: Beabsichtigt ist 2019 nur noch ein Termin.

Der Rathauschef begründet diesen Schritt pragmatisch: Das Ganze auf die Beine zu stellen, werde zunehmend aufwändiger und verschlinge immer größere organisatorische wie finanzielle Ressourcen. Weil im Frühjahr bereits die Kommunalwahlen Kräfte binden, und „die Einrichtung des Jugendhauses auf die Zielgerade geht“, habe man sich dazu entschlossen, „Gaildorf chillt 2019“ nur einmal stattfinden zu lasen, nämlich am 13. Oktober.

Jugendreferentin Pia Dahlinger, die bisher den organisatorischen Aufwand federführend leistete, sei mit der Jugendhausplanung ausgelastet. Rathaussprecher Dr. Daniel Kuhn bestätigte den Engpass: Der Einsatz technischer wie personeller Ressourcen für die „Gaildorf chillt“-Reihe „ist immens“.

Wohl handle es sich bei dem Projekt um „etwas Außergewöhnliches“, betonte SPD-Fraktionschefin Margarete John. Doch sie könne die Argumente der Stadtverwaltung nachvollziehen. „Sprachlos“ indes reagierte ihr Fraktionskollege Martin Bohn: Gerade drei Veranstaltungen übers Jahr verteilt „machen doch den Charme der Veranstaltungsreihe aus“, die ja auch „den Nerv der Zeit“ treffe. Wenn es an personellem Einsatz fehle, sei er gerne bereit, sich einzubringen.

„Drei Mal im Jahr zu viel“

Um Verständnis für die Begründung aus dem Rathaus warb auch Rainer Baumann (CDU). Obwohl „Gaildorf chillt“ die Stadt bekannt mache: „Wir müssen es zur Kenntnis nehmen, wenn die Verwaltung sagt, dass es nicht geht.“ Es werde auch immer aufwändiger, Veranstaltungen dieses Formats und mit großem Haftungspotenzial zu organisieren. Für CDU-Fraktionschef Matthias Rebel steht außer Frage, dass „Gaildorf chillt“ für die Stadt „sehr wichtig ist“. Er höre aber auch aus den Reihen der Macher, „dass drei Mal im Jahr zu viel“ sei. Auch stellte er einen Vergleich in den Raum: Der Pferdemarkt mit 20 000 Besuchern koste die Stadt genauso viel wie „Gaildorf chillt“ mit einigen Hundert Gästen.

Naturparkführer hoffen

FWV-Stadtrat Frank Stettner kommentierte das Dilemma mit einem Kompromissvorschlag: Er könne die Begründung der Verwaltung verstehen, aber auch die Kritik von Martin Bohn. Warum, so Stettner, nicht ab 2020 zwei Veranstaltungen planen?

Aus den Reihen der involvierten Naturparkführer wird die Reduzierung des Programms 2019 sehr bedauert. Sie hoffen, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Als Vorsitzender des engagierten Vereins der Naturparkführer Schwäbisch-Fränkischer Wald äußerte Karl Diemer „im Sinn unserer Mitglieder ein starkes Interesse an der Durchführung der kompletten Veranstaltungsreihe“.

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