Gewässer Der Bergsee wird bald wieder aufgestaut

Gschwend / Wolfgang Pfister und Richard Färber 22.02.2018
Der historische Weiher bei Gschwend wird erneuert. Aus dem Weihersanierungsprogramm des Landes fließen dafür rund 120.000 Euro.

Wer auf dem historischen Schlittenweg vom Gschwender Ortsteil Waldhaus Richtung Rotenhar wandert, kommt an einer Wegkreuzung vorbei. Einer der Wege führt zum Bergsee, der vor Jahrhunderten als Flößersee angelegt wurde. Seit Kurzem ist ein Absperrband gespannt: „Durchgang verboten – Baustelle Bergsee“, ist zu lesen.

Dieser „Bergsee“ ist ein Naturdenkmal und ein historisches Bauwerk gleichermaßen, gehört also zum Gschwender Tourismus-Portfolio wie die Teufelskanzel, die demnächst ebenfalls saniert werden soll (wir haben berichtet). Der Bergsee wurde vor Jahrhunderten als „Treibsee“ künstlich angelegt. Mit dem aufgestauten Wasser wurden Hochwasserwellen produziert, die Flößer nutzten, um ihr Holz ins Tal zu transportieren. Die Flößerei gibt’s nicht mehr, der See aber soll erhalten bleiben.

Erfahrene Unternehmen gefragt

Die Verkehrssicherung war nicht mehr gegeben, erklärt Michael Torwart, Sachgebietsleiter im Geschäftsbereich Wald- und Forstwirtschaft im Landratsamt des Ostalbkreises. Man sei vor der Wahl gestanden, den „Weiher mit Handlungsbedarf“ zu öffnen, also quasi verschwinden zu lassen, oder ihn zu erhalten.

Bei der Entscheidung half das Weihersanierungsprogramm des Landes Baden-Württemberg, das seit einigen Jahren sukzessive abgearbeitet wird. Für die „Ertüchtigung“ des Bergsees gibt’s aus diesem Programm circa 120 000 Euro. Im Verhältnis zur Größe des Weihers, sagt Torwart, sei das angemessen.

Der Bergsee wurde bereits im Spätsommer 2016 abgelassen, damit der Zustand des Dammfußes untersucht werden konnte. Auch die notwendigen Forstarbeiten wurden zeitnah durchgeführt. Dann aber geschah erst einmal nichts. Im Lauf des Jahres 2017 fraßen sich die Bäche tief in den Seegrund, der marode Mönch stand einsam im leeren See, der durch Gras und Buschwerk immer mehr einer Wiese ähnelte. Erst vor wenigen Wochen wurde mit der Sanierung begonnen.

Man müsse mit diesen Projekten haushalten, sagt Torwart. Die Zuteilungssituation habe erst jetzt die Vergabe erlaubt. Erschwerend komme hinzu, dass man Unternehmen mit einschlägiger Erfahrung benötige – am Bergsee ist das die Obersontheimer Firma Bernd Gronbach – und die seien nun einmal viel beschäftigt. Auch die schwierige und beengte Topografie, die nur bestimmte Geräte zulasse, sei zu berücksichtigen. Der Aushub müsse zwischengelagert werden, damit sich der Wassergehalt und damit auch die Deponiekosten senken. All dies sei beim „Eintakten“ der Maßnahme zu berücksichtigen. Vom Wetter zu schweigen: Der eigentlich für Herbst geplante Baubeginn scheiterte an der Witterung.

Neuer „Mönch“ wird eingebaut

„Wir haben jetzt erst richtig angefangen“, sagt Bernd Gronbach. Wenn alles laufe wie geplant, sei man in den nächsten drei Wochen fertig. Gronbach hat das „Mönch“ genannte Ablaufbauwerk abge­rissen, der neue Mönch liege ­bereits in Unterrot. Die Bodenplatte sei bereits betoniert, die Grundab­lassleitung verlegt, der „Absetzschacht“ am Auslauf gebaut. Das neue Überlaufbauwerk muss noch ausgepflastert werden, damit Wanderer künftig gefahrlos drüberlaufen können. Ach ja, und einen Biberschutz gibt’s auch. „Bei der gegenwärtigen ­Populationsdynamik“, sagt Torwart, „kommt der Biber automatisch.“

Wasser aus drei Quellen

Zuflüsse Der Bergsee wird von drei Gewässern gespeist. Vom Gewann „Stößel“ fließt ein kleiner Bach von Osten in den See. Der größte Zulauf hat seinen Ursprung am Waldhäuser Feuersee und wird auf seinem Weg aus einigen Seitentälern, meist kleinen und engen Klingen, zusätzlich gespeist. Der kleinste und kürzeste Zulauf kommt vom Bergsee-Brünnele, das nur wenige Meter über dem nördlichen Seeufer entspringt. Das vom Bergsee ablaufende Wasser wird Seebach genannt. Er fließt durch eine enge Schlucht und über mehrere Wasserfälle rund 600 Meter talabwärts in den Steigersbach. wp

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