Gaildorf Der Alltag kehrt zurück

Gaildorf / Klaus Michael Oßwald 14.02.2018
Gaildorf nach der 82. Auflage seines Pferdemarkts: Bürgermeister Zimmermann ist „sehr zufrieden“, und die Macher im Organisationsausschuss rüsten sich für die spätere Manöverkritik.

Früher Dienstagmorgen, es ist kurz vor 2 Uhr. Lautstarker Krächzgesang hallt durch das Kochertal. Was für ein Lied die Gruppe hörbar Alkoholisierter vor der Körhalle in die sternenklare Frostnacht hinaus schmettert, lässt sich nicht einmal erahnen. „Atemlos“ ist es jedenfalls nicht. Wenige Minuten später herrscht fast gespenstische Stille, die vom Rauschen des Kochers begleitet wird. Der Gaildorfer Pferdemarkt – nach offizieller Zählung die 90. Auflage – ist nun endgültig Geschichte.

Viel Zustimmung erfahren

Anstrengende Tage liegen nicht nur hinter den Besuchern, auch die Macher können nun wieder zur Tagesordnung übergehen, allen voran Martin Zecha, Vorsitzender des Pferdemarktausschusses, und Werner Bohn vom Pferdezuchtverein Schwäbischer Wald mit ihren Teams. Auch für Frank Zimmermann kehrt nach einer arbeitsreichen Phase wieder so etwas wie Normalität im Alltag ein. Der Gaildorfer Bürgermeister ist „sehr zufrieden“ mit dem, was unter dem Markenzeichen „Pferdemarkt“ einmal mehr viele tausend Menschen aus allen Teilen des Landes in die Stadt locken konnte.

Nicht nur von Gaildorfern, auch von etlichen Auswärtigen habe er viel Zustimmung erfahren, bilanziert Zimmermann die Festtage. Negatives sei ihm nicht zu Ohren gekommen. Angenehm überrascht sei er vom Umzug gewesen, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Vor allem von der Dominanz der Pferde, die dem Ganzen den Glanz verliehen hätten, „der andernorts so nicht gegeben“ sei. Aber auch die (weniger gewordenen) lästerlichen Motivwagen hatten aus seiner Sicht Pfiff.

Froh ist der Rathauschef darüber, dass während der Pferdemarkttage nichts passiert ist wie in den großen Faschingshochburgen – etwa beim Rosenmontagszug durch Köln, wo Pferde samt Kutsche durchgegangen sind und fünf Menschen verletzt wurden.

Am Wetter freilich, das an den drei Markttagen herrschte, werden Stadt und Ausschuss nichts ändern können. Die Kapriolen am Montag – das zum Programmauftakt einsetzende Schneetreiben und später gelegentlicher Sonnenschein – sind letztendlich nur Fußnoten im Festprotokoll. Frühlingshafte Temperaturen, wie man sie auch schon am Pferdemarkt erlebt hat, hätten die Besucherzahlen sicher in die Höhe schnellen lassen. Dass am Wochenende noch viel Luft nach oben gewesen wäre, sieht der Bürgermeister eher dem konkurrierenden Faschingstreiben in der Region geschuldet.

Weniger Müll in den Straßen

Angenehm überrascht ist mancher Anwohner entlang der Umzugsstrecke: Zwar sind wieder einige Winkel der Stadt „eingesaut“, Verschmutzungen wie im vergangenen Jahr, als das Team des Baubetriebshofs die Stadt von Unmengen an Konfetti und Sägemehl befreien musste, gibt es aber nicht. Dieses Mal sind es hauptsächlich leere Getränkeflaschen und viel Unrat. Nicht zu vergessen die Hinterlassenschaften einiger Krämer. Besonders dreist: Ein Händler, der an seinem Stand ein Werkzeug zur Bearbeitung von Gemüse feilbot, hatte einen guten Zentner Möhrenreste und anderes Kompostmaterial am Rand der Grabenstraße entsorgt.

Über den Pferdemarkt 2018 in all seinen Facetten wird nun der Ausschuss nach einem gewissen Abstand zur Veranstaltung zu befinden haben, Lob und Tadel bewerten und sich bereits auf das nächste Volksfest im Februar 2019 einstimmen.

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