HANS KÖNIG  Uhr

Als beste Frucht von Uhlands zweitem Besuch bei Justinus Kerner in Gaildorf im September 1816 gilt nach Auffassung von Dr. Emil Kost (1891-1953) die Ballade "Der Schenk von Limpurg": Durch diese dichterische Verherrlichung des Schenkengeschlechts sei das Limpurger Land überall, wo deutsche Zunge klinge, bekannt geworden. Keine politische Bedeutung, kein Geschichtswerk, kein außerordentlicher Mann aus dem Limpurger Land habe diese Landschaft so berühmt gemacht wie Uhland in einem einzigen Gedicht.

Diese Auffassung des Heimatforschers und Herausgebers der "Hutzeltruhe", Heimatbeilage des "Kocherboten", aus dem Jahr 1930 ist aus heutiger Sicht überholt. Die volkstümliche Ballade, die Generationen von Schülern in Gaildorf auswendig lernen mussten, ist längst aus Schulbüchern verbannt und in Vergessenheit geraten.

Die Ballade hat trotzdem für Gaildorf noch eine gewisse örtliche Bedeutung. Nicht nur weil sie aus der Feder eines der berühmtesten romantischen Dichter, unbeugsamen Demokraten und akribischen Wissenschaftler Württembergs stammt, sondern auch wegen der Entstehung des Gedichtes.

Am Nachmittag des 3. September 1816 spazierte Ludwig Uhland mit Familie Kerner in Richtung Schleifrain. Der Schleifrain befindet sich links der Straße nach Eutendorf in der Senke vor der Hofäckersiedlung. Die Reste einer Loh- und Schleifmühle wurden 1927 vollends abgebrochen.

Unterwegs erzählte Kerner aus seiner Fantasie die Sagen vom Geiger von Gmünd und vom Grafen von Limpurg. Auf dem Heimweg statteten sie noch der Stadtkirche einen Besuch ab, wo Uhland besonders die Grabmäler der Schenken beeindruckten. Der Besuch der Kirche sei der Anlass zu seinem Gedicht geworden, schrieb später Uhland an Kerner, keine bestimmte Sage, sondern eine bestimmte Figur und deren Deutung aus der Fantasie seines Freundes Kerner.

In der Gaildorfer Stadtkirche befand sich bis zur Zerstörung beim großen Stadtbrand 1868 im Schiff, unweit vom Chor, die steinerne Figur eines limpurgischen Schenken in stattlicher Lebensgröße. Auffallend war der große Stecken oder Speer, den er in der Hand hielt.

Nach dem Tagebuch Uhlands entstand sein Gedicht "Stänglesgraf", wie er es zunächst überschrieb, am 28. September in Stuttgart. Am 6. Oktober 1816 sandte er das Gedicht an Justinus Kerner nach Gaildorf. Kerner bedankte sich für "die herrliche Dichtung vom Schenk von Limpurg". Nach den Forschungen von Dr. Georg Fehleisen und Oberrentamtmann Friedrich Mauch handelte es sich bei dem Stecken oder Stängle, das Schenk Ludwig Georg (1571-1592) in Händen hielt, um eine Fahnenstange.

Kerner wusste bei seiner Besichtigung der Gaildorfer Stadtkirche mit Uhland, dass die Schenken als gute Waidmänner bekannt waren, und "sich allerwegen Gebirg und Wald entlang trieben". So deutete Uhland die vermeintliche Stange als Jägerstange, an der sich der Schenk über breite Waldbäche hinweg schwang. Die Erwähnung der Staufer im Gedicht ist auch kein Zufall, denn die Schenken hatten enge Beziehungen zu den Staufern.

Uhlands Werke sind weitgehend vergessen, auch der "Schenk von Limpurg". Der "Schwäbischen Kunde" ("Als Kaiser Rotbart lobesam"), besonders der Zeile "Viel Steine gabs und wenig Brot", ging es wohl etwas besser, ebenso "Bei einem Wirte wundermild" oder "Die linden Lüfte sind erwacht" oder "Droben stehet die Kapelle". Bis auf den heutigen Tag ist "Der gute Kamerad" ("Ich hatt einen Kameraden"), sein von Friedrich Silcher vertontes Gedicht, am bekanntesten.