Ottendorf / SH/RIF "Ich liebe Geschichten, ich liebe Biografien", sagt Josua Graf auf die Frage, warum das Filmen seine Leidenschaft ist. Der 20-Jährige aus Ottendorf wartet auf einen Studienplatz und hat bereits eine eigene Firma.

"Mein Traum, an der Filmakademie Baden-Württemberg den Studiengang Regie zu belegen, hat sich leider vorerst erledigt, da meine erste Bewerbung abgelehnt wurde", berichtet Josua Graf. Kein Grund, das Filmen aufzugeben. Ein Jahr lang war der 20-Jährige aus Ottendorf nach seinem Abitur Praktikant bei einer christlichen Einrichtung im Bereich Film und Medien. Und im Frühjahr wagte er sich mit "grafilms production" in die Selbstständigkeit.


Erfahrungen sammeln bei "Bär Tiger Wolf"

Sein Mut trägt Früchte. Im April erhielt Josua Graf gleich zwei Aufträge der Gaildorfer Firma "Wrapping Solutions". Geschichten und Träume waren dafür weniger gefragt. Es handelte sich um Produktpräsentationen. Dabei gehe es vor allem darum, "die Wünsche des Kunden zu verstehen und perfekt umzusetzen", sagt Graf.

Desillusioniert ist er nicht: Er sammelt Erfahrung, und die Resultate kommen bei den Auftraggebern gut an. Daneben ist er für "Bär Tiger Wolf" in Tübingen aktiv. Er arbeite "als Praktikant, der Rechnungen schreibt", einem Regisseur für Werbefilme zu, erzählt Graf. "Bär Tiger Wolf" ist in der Spotentwicklung aktiv, produziert Werbe-, Image- und Erklärfilme - allein filmhandwerklich gibt's da also eine Menge zu lernen.

Josua Grafs bisher größtes, selbstorganisiertes Projekt war ein Bewerbungsfilm für die Filmakademie in Ludwigsburg. Der Kurzfilm "Die Anderen in mir" handelt von einem Mann mit multipler Persönlichkeitsstörung. Gedreht wurde er in drei Tagen bei Gschwend. Ein 23-köpfiges Team, darunter auch drei Schauspieler aus Stuttgart und München, unterstützte den jungen Filmemacher. Er hat viel gelernt dabei. Die Absage aus Ludwigsburg habe ihn deshalb auch nicht entmutigt.

Regie, weiß Josua Graf, ist an den Filmhochschulen das Premium-Fach. Allein für die vier bis sechs Studienplätze in Ludwigsburg gab es 788 Bewerber. Graf findet es gut, dass an der Filmakademie hauptsächlich Leute aus der Praxis unterrichten. Er will es dort wieder probieren und sich dabei nicht weiter auf den szenischen Film versteifen.

Viel Unterstützung erhält das junge Talent von seiner Familie und seinen Freunden: "Meine Eltern und Geschwister haben mich zu dem gemacht, was ich bin. Es ist ein riesiges Privileg, in so einem Umfeld aufwachsen zu dürfen."

Ohne Visionen und Träume könne er seine Arbeit nicht machen, erzählt Josua Graf und fährt fort: "Bestenfalls wird mein Unternehmen später ein Selbstläufer mit mehreren Mitarbeitern sein, und ich kann meine Zeit in Spielfilmproduktionen investieren. Das ist mein Ziel." Auch seinen Glauben hält der 20-Jährige hoch. "Ich bin mir sicher, dass es Wunder gibt und dass kein Mensch das Produkt reinen Zufalls ist." Sein Traumprojekt ist eine Kinoverfilmung der Geschichten seiner Großeltern: "Da gibt es viel interessanten Filmstoff, den die Welt gesehen haben muss." Die Drehbücher seien schon in der Mache. Aber nicht nur vom Film handeln seine Zukunftspläne: "Mit dreißig bin ich verheiratet und es ist schon mindestens ein Kind unterwegs."

Info Im Auftrag der Stadtverwaltung hat Josua Graf auch einen Film über den historischen Kerner-Umzug gedreht. Den Film gibt's auf der Gaildorf-Homepage: www.gaildorf.de